Egerkingen

Er will hoch hinaus: Hägendörfer Immobilien-Baron kauft Hotel Egerkingen

Das ehemalige Motel Egerkingen wurde in den 80er-Jahren durch die erste Fernsehserie des Schweizer Fernsehens berühmt.

Das ehemalige Motel Egerkingen wurde in den 80er-Jahren durch die erste Fernsehserie des Schweizer Fernsehens berühmt.

Autogrill verkauft das Hotel Egerkingen an Georg Hein: Vor zehn Jahren scheiterte er mit einem Hotel-Projekt neben dem Gäupark – jetzt will er reüssieren.

Einst initiierte Georg Hein den Gäupark. Dann plante er ein 85 Meter hohes Hotel neben dem Einkaufszentrum, das er an die Migros verkauft hatte. Doch er scheiterte und musste das Projekt sistieren. Jetzt investiert Georg Hein wieder in Egerkingen. Der Immobilien-Baron, dem nachgesagt wird, ihm gehöre halb Hägendorf, ruht nicht. Zehn Jahre nachdem sein Hotelturm auf der grünen Wiese scheiterte, kauft Hein das 1974 unter dem Namen «Motel Agip» eröffnete Hotel. Es hat eine besondere Geschichte: Das Autobahn-Hotel erlangte durch die Fernsehserie «Motel» in den 80er-Jahren landesweite Bekanntheit.

Heins Hotel-Pläne zeichneten sich ab. Als ein Redaktor dieser Zeitung im Frühjahr mit Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi im «Motel» zu Mittag ass, traf er zufällig auf Georg Hein. «Ich habe da was, das könnte dich sehr interessieren», sagte er zu Bartholdi. Er arbeite an einem neuen Projekt in Egerkingen, erzählte Hein damals. Weiter sagte er nichts.

Autogrill verzeichnete mit dem Hotel Egerkingen gute Zahlen

Anfang Oktober in Egerkingen: In einem kleinen Sitzungszimmer des alten Motels erzählt Hein erstmals davon, wohin er mit dem historischen Motel steuern möchte. Im Dorf war sein Hotel-Kauf schon seit Wochen Stammtisch-Gespräch. Viel preisgeben will der Hägendörfer noch nicht. «Das Hotel wird grösser und interessanter sein», sagt Hein zunächst nur. Zu schlechte Erfahrungen machte er in der Vergangenheit mit Einsprachen und sistierten Grossprojekten.

Wer Heins Wirken der letzten Jahre sieht, weiss jedoch: Mit seinen verschiedenen Immo Handels Aktiengesellschaften strebte er jeweils nach Grossem. Auch sein neustes Immobilien-Objekt will er etappenweise erneuern und ausbauen. Zuerst möchte der Investor das bestehende Hotel sanieren, dann das neue Bauprojekt in zwei Etappen realisieren. Schon im November will er einen ersten Gestaltungsplan einreichen. Wie viele Zimmer das künftige Hotel Egerkingen zählen wird, gibt Hein noch nicht preis. «Das Hotel wird trotz Neubau keinen einzigen Tag geschlossen sein», sagt Hein.

Viele halten im Gäu nur an, weil mit der A1 und der A2 die wichtigsten Verkehrsadern durchführen. Doch dies scheint als Geschäftsmodell für die Hotellerie zu funktionieren. Autogrill sagt auf Anfrage, es verkaufe kein Hotel, das defizitär gewesen sei. «Das Geschäft blieb in den letzten Jahren konstant auf gutem Niveau», sagt Maximilian Schiedt, Leiter des operativen Geschäfts bei Autogrill Schweiz. «Aufgrund der zentralen Lage war das Hotel immer rentabel.»

Die Kundschaft konzentriert sich auf Personen, die in der Schweiz einen Zwischenstopp machen. Zunehmend kämen Reisegruppen aus Asien. Genaue Zahlen will das Unternehmen nicht nennen. Autogrill verkauft das Hotel Egerkingen weiter, nachdem es dieses 2001 übernommen hatte. «Unser Kerngeschäft liegt woanders», begründet Schiedt. Das Unternehmen veräusserte in den letzten Jahren bereits in Holland und Belgien seine Hotels. Autogrill will sich auf die Verkehrsgastronomie an Bahnhöfen, Autobahnraststätten und Flughäfen konzentrieren.

Georg Hein bevorzugt die kurzen Wege und die raschen Entscheide

Für Hein ist die Strategie Autogrills zum Glücksfall geworden. Maximilian Schiedt sagt zum Verkauf: «Mit Georg Hein haben wir eine lokale Grösse gefunden, die verbunden ist mit der Region.» Auch seiner geografischen Nähe zum Hotel wegen sei er die beste Lösung. Hein selbst sagt: «Mut und Geld», habe er benötigt um seine Hotel-Idee wiederzugebären. «Aus einem kleinen Hotel ein Schönes zu machen, ist eine schöne Herausforderung», fügt er an.
Gestern Dienstag fand zum Monatsbeginn im Hotel Egerkingen offiziell die Übergabe statt. Zu dieser fuhr der Hägendörfer mit einem grünen Oldtimer vor, auf den er mit den goldenen Lettern «Hotel Egerkingen» drucken liess.

Drinnen ist der amerikanische Motel-Charme noch erhalten geblieben. Wenn Hein durch die Gänge des Hotels geht, scheint er bereits am Tag eins als Patron angekommen zu sein. «So schnell geht das, über Nacht habe ich 30 Mitarbeiter mehr», sagt Hein. Die Hotel Egerkingen AG als neue Besitzerin hat mit Ausnahme des Geschäftsführers alle Angestellte von Autogrill übernommen. Wer künftig das Hotel operativ führe, ist gemäss Hein noch nicht geregelt. Für die Übergangsphase stellte er vorübergehend zusätzliches Personal ein. Grundsätzlich bevorzuge er kurze Wege und rasche Entscheidungen. Dann versichert der neue Hotel-Besitzer: «Hinter die Bar stehen werde ich nicht.»

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