Niederbuchsiten

Für den Kaffee der Zukunft: Jura baut sich ein neues Hirn und investiert 20 Millionen

Mit einem 20 Millionen Franken teuren Labor will die Jura in Niederbuchsiten die Innovation in die Kaffee-Kunst beschleunigen.

Zeit ist bekanntlich Geld. Auch bei der avantgardistischen Kaffemaschinen-Herstellerin Jura. Aber am Freitagmorgen erlaubte sich Firmenchef Emanuel Probst zunächst dennoch eine gedankliche Eskapade in die Vergangenheit. Probst schwelgte in Erinnerung – an den Besuch des Maestro vom Samstag vor Wochenfrist. Er schwärmte von «Roger» und erzählte vom Besuch asiatischer Touristen, die nach Niederbuchsiten kamen, um mit dem neu geschaffenen Ebenbild der Tennislegende zu posieren.

Beim höchst erfolgreichen Kaffee-Unternehmen der oberen Liga ist die Symbiose zum Markenbotschafter Roger Federer eine Gelebte. So verpasste Probst nicht die Gelegenheit, das neue Herzstück des Jura-Campus’ mit einer Affinität Roger Federers zu verknüpfen. Dabei zitierte der Jura-Chef einen Tennisexperten, der einst gesagt habe: Federer verstehe es besser als alle anderen, das Spiel zu lesen, und nehme den Konkurrenten so Zeit weg. Dadurch hebe er sich ab. Und die Jura will es ihm gleichtun.

«Um das Labor kommen wir nicht herum»

Die hohe Kunst der Antizipation will Jura künftig in Niederbuchsiten zelebrieren. «Wir wollen den Weg auf den Markt verkürzen», sagte Probst. «Es geht darum, Zeit wegzunehmen – auch der Konkurrenz.» Auf diesem Weg scheut Jura keinen Aufwand. 20 Millionen Franken investiert der Konzern im Gäu, um ein Hightech-Qualitäts-Labor zu schaffen.

«Um das Labor kommen wir nicht herum. Es ist für uns, was der Windkanal für die Formel 1 bedeutet», sagte Probst. Im neuen Gebäude entstehen im Parterre 100 Laborplätze, an welchen das Unternehmen weiter an der Kaffee-Kunst tüfteln wird. Jura verdreifacht somit die Kapazität: Bisher verfügte das Unternehmen über 30 solcher Testmaschinen. Anhand der Messergebnisse will Jura die ohnehin bereits weit entwickelten Kaffee-Vollautomaten noch mal auf ein neues Level bringen. Landammann Roland Fürst sagte: «Die Jura hat es geschafft». Sie habe dazu beigetragen, die Kaffeemaschine vom Nutzgerät zum gefragten Accessoire – einem «hippen Gerät» – zu machen. Mit dem neuen Labor bleibt Jura an diesem Prozess dran.

Neuer "JURA-Campus": Kaffeemaschinen bei sibirischen Bedingungen testen

Der Kaffeemaschinen-Hersteller JURA lüftete am Freitag das Geheimnis rund um die 20-Millionen-Franken-Investition. In Niederbuchsiten soll ein Campus mit einem Hightech-Labor entstehen. Damit will man der Marke einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Ein Jahr vom Projekt bis zum Spatenstich

Da mag sich der Laie tatsächlich fragen, wo denn noch Optimierungspotenzial besteht. Allzu detailliert will Jura-Chef Probst nicht verraten, wohin die Entwicklung geht. Ein wichtiger Pfeiler bildet die Digitalisierung. So soll die künstliche Intelligenz dazu führen, dass der Kaffee-Genuss weiter veredelt wird. Unter anderem erlaubt das Labor herauszufinden, wie sich der Verschleiss an den einzelnen Bauteilen entwickelt. Die menschlichen Köpfe hinter dem Labor – konkret Softwareentwickler, Ingenieure und Designentwickler – werden im oberen Stockwerk des Neubaus untergebracht. Hinter dem futuristischen Bau steht ein Ziel. «Wir wollen bessere Produkte zu geringeren Kosten», sagte Probst. Die Industrie 4.0 halte Einzug mit dem Neubau. Und: Jura will ihr künftiges Hirn schützen. Für erhöhte Sicherheit wird um den Neubau herum ein Zaun sorgen.

Die Testmaschinen stehen auf eigens entwickelten Trolleys. Innerhalb weniger Monate simuliert jeder einzelne Prüfplatz mehrere Einsatzjahre in einem Haushalt. Jährlich verbraucht Jura künftig über die Testanlage 75 Tonnen Kaffeebohnen. Dies entspricht rund 10 Millionen Tassen Kaffee, Cappuccino und anderer Spezialitäten. Abfall entstehe dabei nicht, schreibt das Unternehmen in seiner Medienmitteilung. Schon seit Jahren arbeitet Jura mit einem Landwirten aus der Region zusammen, der den Kaffeesatz kompostiert.

Auf dem Weg zum Labor hat der Kaffee-Konzern keine Zeit verloren. Die Projektplanung begann vor rund einem Jahr. Im Vorfeld der Sommerferien reichte Jura bereits das Baugesuch ein. Und gestern Freitag standen Bauunternehmer und Behörden mit weissem Helm aneinandergereiht auf der grünen Wiese. Nur die Spaten gingen vergessen. Dafür war ein Bagger da: Gefallen am gelben Riesen fand auch Jura-Chef Emanuel Probst. Wer dachte, er sei bloss für die Kamerabilder über die Raupe hochgestiegen, irrte: Unter Anweisung des Experten begann er kurzerhand mit dem Aushub.

Meistgesehen

Artboard 1