Oensingen
«Für einen guten Tropfen Whisky sind zwei Sachen essenziell: das Wasser und das Fass»

In seinem Laden in Oensingen verkauft Roger Schneider rund 400 verschiedene Whisky-Sorten.

Sarah Kunz
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Verkäufer Roger Schneider und sein teuerster Whisky: Der 35-jährige Bunnahabhain Single Islay Malt Whisky mit einem Wert von rund 1200 Franken.

Verkäufer Roger Schneider und sein teuerster Whisky: Der 35-jährige Bunnahabhain Single Islay Malt Whisky mit einem Wert von rund 1200 Franken.

Sarah Kunz

In Oensingen ist Roger Schneiders Gesicht nicht unbekannt, viele Jahre lang war er der Betreiber der Pöstli-Bar. Vor etwa zehn Jahren hatte er aber genug, weshalb er die Bar schloss. «Ich bin damals an den Anschlag gekommen», erzählt der 58-Jährige. «Jeden Abend lang ‹Rämmidämmi› war mir irgendwann zu viel.»

Seit dem Jahr 2007 führt Schneider nun aber an der Solothurnstrasse sein Whisky House. Die Liebe zum edlen Getränk hat er durch Gäste entdeckt. «Ich wurde mehrmals angesprochen, ob ich nicht einen Single Malt servieren könnte», erzählt der Ladenbetreiber. «Da habe ich gemerkt, dass es etwas Besseres als nur den Long-Drink Whisky Cola und Ballantines gibt.»

Serie

Sie trotzen dem Lädelisterben: Wir stellen in einer losen Serie Leute aus der Region vor, die ihren Verkaufsladen (fast) alleine betreiben.

Die Bar rentiere seit dem ersten Tag. In den Anfängen habe der Gewinn aus dem Verkauf aber nicht zum Leben gereicht. «Ich arbeitete lange noch im Nachtgeschäft, war beispielsweise Chauffeur für eine Zeitung», sagt Schneider. Mittlerweile kommt er aber gut weg. Das liegt auch daran, dass Schneider seit 2016 wieder eine kleine Bar führt.

In der «Whisky Lounge» könne man runterfahren, schwatzen und qualitative Drinks geniessen. Seine Bar sei aber nicht dafür da, um sich abzuschiessen, sondern um die angebotenen Spirituosen zu geniessen. «Wenn ich am Abend den Laden schliesse, eröffne ich die Bar», so sei er immer von Whisky umgeben.

Die Kunst des Whisky-Brennens

Das Wissen über das Getränk eignete sich der Ladenbetreiber selbst an. «Vieles erfuhr ich im Gespräch mit Kunden, anderes lernte ich aus Büchern», so Schneider. Mittlerweile kennt er jede seiner Flaschen, kann einen guten von einem schlechten Whisky unterscheiden. «Für einen guten Tropfen sind zwei Sachen essenziell: das Wasser und das Fass.»

Je klarer und reiner das Quellwasser sei, desto besser wird das Destillat. Und das Fass, in welchem der Whisky dann gelagert wird, gibt ihm sein Aroma und die Farbe. Die Holzart, die frühere Nutzung des Fasses oder die geografische Lage des Lagerhauses sind mitunter wichtige Faktoren bei diesem Vorgang.

Für dunkle Whiskys werden vorwiegend Fässer verwendet, in denen früher Sherry oder Portwein gelagert wurde. Für helle Whiskys eher Ex-Bourbon-Fässer. Ausserdem ist die Herkunft des Holzes entscheidend, europäische Eiche beeinflusst einen Single Malt anders als amerikanische Eiche. Dann gibt es wiederum Unterschiede in der Lagerung, in der Getreidesorte und im Alkoholgehalt. Und erst, wenn der Whisky mehr als drei Jahre lang im Fass gelagert wurde, darf er sich «Single Malt» nennen. Fest steht: Whisky zu brauen ist eine Kunst, hingegen ihn zu geniessen eine Freude.

Über 400 verschiedene Whisky-Sorten aus aller Welt verkauft Schneider in seinem Laden, ob schottisch, irisch, amerikanisch oder gar schweizerisch. Zwar war Schneider früher nicht sehr überzeugt vom Schweizer Produkt. «Die waren einfach noch viel zu jung», sagt er. Damit meint er natürlich die Whiskys, nicht die Brauer. «Durch die kurze Lagerung konnten sie kaum Tannine vom Holz annehmen.» Mittlerweile würden sie aber länger gelagert, weshalb Schneider nun beispielsweise den Langatun aus Aarwangen im Sortiment habe. «Jetzt kann ich dahinter stehen.»

Ob er einen Lieblings-Whisky hat? «Das ist stimmungsabhängig. An einem schlechten Tag brauche ich einen, der den Dreck runterspült», sagt Schneider. «An einem guten Tag bevorzuge ich einen lieblichen.» Er lacht. «Das ist dann, wie wenn einem ein Engeli den Hals ‹runterbiselen› würde.»

Diverse Raritäten im Verkauf

Seinen Verkaufs-Schlager kann er hingegen klar benennen: den Glen Roger’s. Der Name sei aber nur ein glücklicher Zufall. «Den habe ich in Frankreich bei einem Freund kennen gelernt», erklärt Schneider den Anfang dieser Liebesgeschichte. «Den kriegt man in der Schweiz nur bei mir», fügt er stolz an. Der Glen Roger’s sei zudem ein super Alltags-Whisky und eigne sich deshalb auch bestens als Geschenk. Für 48 Franken können Whisky-Freunde diese Rarität erlangen.

Der teuerste Whisky ist aber ein anderer: Der 35-jährige Bunnahabhain hat einen Wert von rund 1200 Franken. Die Flasche, die in Schneiders Regalen steht, ist eine von nur 750 Flaschen weltweit, hierzulande sogar eine von nur 60 Flaschen. «Ich habe noch ein paar solche Perlen im Sortiment», gibt Schneider verschmitzt zu verstehen. Einige der Whiskys werden sogar nicht einmal mehr produziert. Am berühmtesten seien wohl diejenigen aus schottischen Brennereien. Eine solche bereiste er jedoch bisher noch nicht. «Ich interessiere mich eher für das Endprodukt.»

Der Name «Whisky» kommt übrigens aus dem Schottisch-Gälischen und bedeutet «Wasser des Lebens». Schneiders Liebe dazu ist spürbar. «Es ist immer schön, mit anderen Kennern zu fachsimpeln», erzählt er. «Ich setze gerne mein Wissen ein und finde den Kunden genau das, was sie gesucht haben.» Um diese Zufriedenheit zu gewährleisten, kann man im Whisky House auch viele Sorten degustieren. Von null bis zehn Kunden pro Tag hatte Schneider schon alles. «Aber ein oder zwei gute Kunden reichen, um den Tagesumsatz zu erlangen.» Denn Schneider weiss: Nicht die Quantität, sondern die Qualität ist wichtig. Und das gilt sowohl für die Kundschaft als auch für den Whisky.