Lostorf
In diesen Werken begegnet man Dingen, die man kennt und doch nicht kennt

Die bekannte Oltner Künstlerin Vreny Brand-Peier hat sich einer besonderen Art von Surrealismus verschrieben und beweist eine besondere Begabung im Umgang mit Farben. Noch bis am 8. Juni stellt sie ihre neuen Werke im Lostorfer Dorfmuseum aus.

Madeleine Schüpfer
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Vreny Brand-Peiers Werke sind noch bis zum 8. Juni im Lostorfer Dorfmuseum zu sehen.

Vreny Brand-Peiers Werke sind noch bis zum 8. Juni im Lostorfer Dorfmuseum zu sehen.

REMO FROEHLICHER

Im Rahmen der regelmässigen Ausstellungen im Dorfmuseum Lostorf zeigt die Oltner Künstlerin Vreny Brand-Peier, die heute in Sulz wohnt und ihr Atelier in Olten hat, ihre neuen Arbeiten, und zwar vom 4. Mai bis zum 8. Juni. Sie ist eine bekannte Künstlerin, die seit vielen Jahren ihrer künstlerischen Tätigkeit nachgeht und deren Arbeiten an zahlreichen Einzel- und an Gruppenausstellungen zu bewundern waren und sind, unter anderem auch im Kunstmuseum Olten. In öffentlichen Räumen sowohl im Kanton Solothurn als auch im Kanton Aargau und an anderen Orten setzen ihre Werke beeindruckende Zeichen.

Malweise von einmaliger Qualität

Ihre Malweise ist von einmaliger Qualität und fesselt durch Eigenständigkeit. Als begabte Zeichnerin und Malerin hat sie sich einer besonderen Art von Surrealismus verschrieben, meist in Temperafarben, die vor allem in der Renaissancezeit in Italien für Wandmalereien Bedeutung hatten und ihre Arbeit in ihrer Ausbildungszeit und auch später nach einem längeren Aufenthalt in Florenz prägten.

Im Dorfmuseum Lostorf zeigt Vreny Brand-Peier an den seitlichen Mauerwänden zwei grosse Bilder, Tempera auf Leinwand, (2.80 Meter auf 1.80 Meter und etwas kleiner) mit dem Titel «Die Zeit macht keine Pause» und «Wegzug», die von unglaublicher Intensität sind und jeden gefangen nehmen. Weitere Bilder hängen an den Seitenwänden, und kleinere sind in den Nischen zu entdecken.

In ihren Arbeiten setzt sie sich oft mit der Zeit auseinander, mit der Vergänglichkeit, mit dem Gedanken, dass man nichts festhalten kann, dass ein Moment, kaum gedacht, einem schon wieder entschwindet.

Begabte Zeichnerin

Von dieser Denkstruktur sind ihre Bilder geprägt. Sie hat eine besondere Begabung, mit Farben umzugehen. Als begabte Zeichnerin fällt es ihr leicht, Formen und Objekte, Gesichter und Körperfragmente, Requisiten jeder Art lebendig im Bildraum herauszuarbeiten. Doch wenn sie auch malt, was sie sieht, so verfremdet sie auf eine einmalige Art diese Wahrnehmung. Surreale, höchst eigenwillige Kombinationen entstehen. Die Dinge sind nie am Ort, wo man sie erwartet.

In all ihren Requisiten bleibt die Zeit nicht stehen, und so entdeckt man bewegte Bildräume mit Dingen, die davoneilen, manchmal an einem unmöglichen Ort ausruhen, eine andere Form annehmen. Der Mensch als Figur ist selten zu entdecken, aber immer bemerkt man einen Teil, ein Zeichen von ihm. Porträtartige Gebilde zeigen ein buntes Kleid. Dort, wo der Kopf sein sollte, sieht man etwas ganz anderes: Ein Buch, das halb offen vor sich hinträumt, eine runde Markierung wie ein vergessen gegangenes Gärtchen, ein Kragen, leicht verziert und daraus wachsen Blumen in wunderbarer Versponnenheit. Ganz minimalistisch hingemalt. Sie lösen sich im Hintergrund zum Teil fast auf und sind von einer tiefen Poesie; so, als möchte man signalisieren, in dieser bewusst gesetzten Art der Vergänglichkeit liegt die Schönheit, wenn auch nur für Augenblicke.

Eigendynamik im Bildraum

Manchmal entdeckt man einen Büchertanz über einem Bücherkopf, oder Blumen bewegen sich in Eigendynamik im Bildraum, setzen farbintensive Zeichen und spielen mit der Fantasie des Betrachters. Manchmal ortet man ein architektonisches Element, oder es spriessen kleine Pflänzchen aus den Dingen dort, wo sie gar nicht hätten sein sollen. Interessant ist, dass der Boden des Bildraumes oft Steinfliessen signalisiert, quadratisch im Wechselspiel von hell zu dunkel.

Das räumliche Element wird angedeutet, auch der Horizont, der oft unendlich erscheint; so, als gäbe es keine Grenzen, die man sich zu denken hätte. Ihre Farben sind von einmaliger Aussagekraft: Farben aus Mineralien, die in ungewohnten Abstufungen miteinander spielen. Viele kleine Dinge machen sich in einem Bildraum breit und sorgen für überraschende Rhythmen, nicht geordnet, eher chaotisch im Spiel mit sich selbst.

Wenn zum Thema Zeit Bücher, Schriftzeichen eine Rolle spielen, weil sie die Zeit überdauern, die dem Menschen bleibt, so entdeckt man auch viele Uhren, Zifferblätter, die da hängen wie Blätter an einem Baum oder sich verzerrt verflüchtigen. Ein Spiel auf Zeit, weil es nichts Eindeutiges gibt, das man festhalten könnte. Ist dies nicht ein schmerzlicher Zustand, wenn man so mit der Zeit umgehen muss? Die Frage bleibt im Raume stehen, die Antwort muss sich jeder selber gehen.

Faszination Zeit

Die Zeit als intellektueller Vorgang, als Emotion, als Realität hat ihre Faszination, sie ist nicht fassbar und doch da und bestimmt das Leben. So geht es dieser Künstlerin mit ihren Bildern, sie malt leidenschaftlich, manchmal weit entrückt von ihrer Realität, fast ein bisschen in Trance, denn das Fliessende, die Farben und Dinge nehmen sie mit auf eine Reise, und oft weiss sie nicht genau, wo sie ankommt.

Vreny Brand-Peier ist eine der ganz begabten Künstlerinnen, die seit vielen Jahren auf sich aufmerksam gemacht hat, auch Bücher und Bildbände illustrierte. Eine Künstlerin, die fesselt und einen nicht mehr loslässt, weil diese Art von surrealer Malerei von unglaublicher Faszination ist und man Dingen begegnet, die man kennt und doch nicht kennt; so, als hätte man nicht nur ein Leben, sondern viele.

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