Holderbank

Kein Erfolg gegen Raser: Trotz Signalisation fahren immer noch viele Autos zu schnell

Haben das Problem noch nicht gelöst: Die beiden Verkehrstafeln an der Dorfeinfahrt.

Haben das Problem noch nicht gelöst: Die beiden Verkehrstafeln an der Dorfeinfahrt.

Im Herbst 2017 verschob der Kanton die Geschwindigkeitstafeln auf Holderbanks Raserstrecke. Noch immer fahren viele Autos zu schnell.

«Mehr Kontrollen» wollte die Kantonspolizei durchführen. «Bauliche Massnahmen» forderte Gemeindepräsident Urs Hubler.

Die Hauptstrasse durchs Dorf bereitet Holderbank und dem Kanton seit Jahren Sorgen. Überdurchschnittlich viele Autos überschritten in den vergangenen Jahren bei der Einfahrt Holderbank die Geschwindigkeit. Das Bau- und Justizdepartement kam dem Wunsch der Gemeinde teilweise nach und schraubte an der Signalisation, um das Problem zu entschärfen. Auf bauliche Massnahmen verzichtete der Kanton. Die im September 2017 ergriffenen Massnahmen haben ihre Wirkung jedoch verfehlt. Dies teilt die Kantonspolizei auf Nachfrage mit. Erst kürzlich stand am Dorfeingang Holderbank wieder ein mobiler Radar.

«Die Übertretungsquoten liegen zwar unter dem hohen Wert aus dem Jahr 2016, aber dennoch deutlich über dem kantonalen Schnitt», schreibt die Kantonspolizei. «Das Ziel konnte noch nicht erreicht werden.» Die Polizei ist bestrebt, den Schnitt an Geschwindigkeitsübertretungen innerorts unter 9 Prozent zu halten. Um die Geschwindigkeit auf der Problemstrecke zu senken, verschob der Kanton die Tempo-50 Verkehrsschilder näher ins Dorfinnere. Zusätzlich führte er ausserhalb des Dorfes als Höchstgeschwindigkeit 60 Kilometer pro Stunde ein. Die Einlaufstrecke (zwischen 60er- und 50er-Schild) sollte dazu dienen, dass die Automobilisten abbremsen. «Die beiden Schilder stehen zu nahe beieinander. Wenn ich die 60er-Tafel sehe, sehe ich auch schon die 50er», sagte Gemeindepräsident Hubler im November gegenüber dieser Zeitung. Dies bringe doch nichts. Mit seiner Skepsis scheint er recht zu behalten.

Die Übertrittsquote nimmt nicht ab

Aufgrund der hohen Übertretungsquoten auf Holderbanks Hauptstrasse, hat die Kantonspolizei die Kontrollintensität hochgehalten, wie sie schreibt. Im Jahr 2017, in welchem der Kanton die Signalisation im Herbst anpasste, führte die Kantonspolizei insgesamt 13 Kontrollen durch. Von 4584 Fahrzeugen waren deren 523 zu schnell unterwegs – in 22 Fällen kam es zu einer Anzeige. Im Jahr darauf, als die Massnahmen greifen sollten, stellte die Kantonspolizei 14 Mal Radars auf. Von 5179 gemessenen Fahrzeugen übertraten deren 764 die Tempolimite (37 Anzeigen). Im laufenden Jahr war die Kantonspolizei bisher 6 Mal vor Ort. Von 3245 Fahrzeugen waren 451 zu schnell unterwegs (20 Anzeigen). Über diese drei Jahre hinweg hat sich also die Quote der Geschwindigkeitsübertritte nicht wesentlich verändert. Von 11,4 Prozent (2017) nahm die Anzahl der Schnellfahrer auf 14,75 Prozent (2018) zu. Im aktuellen Jahr beläuft sich dieselbe Quote bislang auf 13,9 Prozent. 2016 war beinahe 17 Prozent aller Autos zu schnell unterwegs gewesen.

Bauliche Massnahmen nur bedingt möglich

Aufgrund der festgestellten Übertretungsquoten, führte die Kantonspolizei im September 2018 im Auftrag vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) eine einwöchige Kontrollmessung durch. «Während beim Ortszentrum kaum Geschwindigkeitsübertretungen registriert wurden, besteht am ehesten bei der Ortseinfahrt Ost Handlungsbedarf», schreibt die Kantonspolizei in ihrer Stellungnahme. Sie stellt infrage, «ob mit teuren baulichen Massnahmen die gewünschte Wirkung zu erzielen ist.» Erschwerend komme hinzu, dass die Strecke eine eidgenössische Ausnahmetransportroute ist und somit die Möglichkeiten bauliche Massnahmen vorzunehmen, stark limitiert wären. Zudem seien nicht aussergewöhnlich häufig Unfälle registriert worden. Daher verzichtet der Kanton vorerst auf bauliche Massnahmen. Die Situation werde jedoch weiterhin genau beobachtet und die erhöhte Kontrollintensität von der Polizei weitergeführt.

Meistgesehen

Artboard 1