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Vor 100 Jahren wurde aus der Wohnstube die Wirtschaft Alp

1915 funktionierte Fritz Rindisbacher seine Wohnstube im Bauernhof in die Bergwirtschaft Alp um. Heute, 100 Jahre später, ist das von Ueli und Hans Rüegsegger geführte Restaurant bis weit über die Region bekannt für seine hausgemachten Metzgeten.

Erwin von Arb
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Die 1969 abgebrannte Bergwirtschaft etwa im Jahr 1935. Auf dem Tisch stand zur Unterhaltung der Gäste ein Grammofon.

Die 1969 abgebrannte Bergwirtschaft etwa im Jahr 1935. Auf dem Tisch stand zur Unterhaltung der Gäste ein Grammofon.

zvg

Ueli und Hans Rüegsegger vom Restaurant Alp können dieses Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum feiern: Vor 20 Jahren haben die zwei Brüder zusammen mit ihrer Mutter Hanni Rüegsegger die zwischen dem Roggen und der Tiefmatt liegende Bergwirtschaft übernommen. Bereits zum 100. Mal jährt sich zudem die Eröffnung des «Älplis» durch Urgrossvater Fritz Rindisbacher, der ab 1915 die Wohnstube des damaligen Bauernhauses als Restaurant nutzte.

Stehen für die «Alp» (v.l.): Hans, Hanni und Ueli Rüegsegger.

Stehen für die «Alp» (v.l.): Hans, Hanni und Ueli Rüegsegger.

Erwin von Arb

Die Bergwirtschaft gab er später an seinen Sohn weiter, welcher ebenfalls Fritz hiess. Er war der Vater von Seniorwirtin Hanni Rüegsegger-Rindisbacher. Damals habe es auf dem Berg noch keinen Strom gegeben, erinnert sich die rüstige 81-Jährige. «Erstmals elektrisches Licht hatten wir an Weihnachten 1946, mein Vater hat damals im Wohnzimmer eine 100-Watt-Birne in die Fassung geschraubt.»

Brand zerstörte 1969 Liegenschaft

Selbst als Wirtin gewirkt hat Hanni Rüegsegger-Rindisbacher ab 1959, als sie den Gasthof zusammen mit ihrem Mann Willi übernahm. Ein schwerer Schlag traf die Wirtefamilie im Jahr 1969, als ein Brand die «Alp» gänzlich zerstörte. «Damals dachten wir zuerst ans Aufhören», berichtet Hanni Rüegsegger-Rindisbacher. Unzählige Gäste hätten sie aber wieder von diesen Gedanken abgebracht und sie motiviert, das Restaurant Alp samt Hof wieder aufzubauen.

Beim Wiederaufbau wurden die Scheune und das Restaurant als eigenständige Gebäude realisiert. Der Stall bietet Platz für sieben bis acht Rinder und ist damit etwa so gross wie jener im vormaligen Bauernhaus. Im alten nicht mehr existenten Stall wurden noch Milchküche gehalten, die Milch bis 1934 mit Ross und Wagen ins Dorf gekarrt. «Danach wollten sie unsere Milch nicht mehr, sie werde auf der Fahrt ins Thal zu stark durchgeschüttelt, hiess es damals», weiss Hanni Rüegsegger-Rindisbacher. Auch Ackerbau habe man damals auf dem Berghof noch betrieben.

Mit Sömmerungswiese für Rinder

Der Landwirtschaftbetrieb dient inzwischen nur noch für die Mast von Schweinen. Ein weiteres Standbein ist die Nutzung der Bergwiesen rund um das Restaurant Alp für die Sömmerung von Rindern. 40 bis 50 Tiere grasen jeweils von Mai bis etwa Ende September auf den Jurawiesen.

Zurück zur Schweinemast: Acht Tiere werden jedes Jahr bis zur Schlachtreife gemästet und landen jeweils an der Metzgete als Schlachtplatte, Blut und Leberwurt, Bratwurt oder Kotelett auf den Tellern der Gäste. Für seine Metzgete ist das Restaurant Alp weit über die Region hinaus bekannt. «Wir halten diese Tradition hoch und schlachten auch die Schweine in eigener Regie mit einem Störmetzger selbst», sagt Hans Rüegsegger. Der 58-Jährige ist im Restaurationsbetrieb für das Fleisch zuständig, sein 52-jähriger Bruder Ueli für die Beilagen.

Stolz auf das Erreichte

In die Haare geraten sich die zwei gelernten Köche bei der täglichen Menüplanung nur selten und wenn, werde die Sache ausdiskutiert. Den Spass an der Arbeit haben die beiden in all den Jahren nicht verloren, wie sie versichern. Mit ein Grund sei sicher, dass es mit dem Restaurant stetig bergauf gegangen sei. «Das erfüllt uns natürlich schon ein wenig mit Stolz», sind sich die Brüder einig.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Nachfolge von Ueli und Hans Rüegsegger auf dem Restaurant Alp ist nicht gesichert. Beide sind ledig und Nachwuchs ist nicht in Sicht, wie Ueli Rüegsegger bemerkt. Zeit, um darüber nachzudenken, bleibt den Brüdern indes nicht. Die nächste Metzgete steht nämlich schon bald an. Die erste steigt vom 25. bis 27. September, gefolgt im Zweiwochenrhythmus von vier weiteren Auflagen.

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