Zivilschutzanlage Kestenholz
«Wir wollten der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, mit den Asylsuchenden in Kontakt zu treten»

Asylsuchende bekochten am Begegnungstag in der Zivilschutzanlage die Bevölkerung und suchten mit ihr das Gespräch. «Wir wollten der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, mit den Asylsuchenden in Kontakt zu treten», erklärt Beat Schürmann vom Katholischen Arbeiterbund Kestenholz.

Rahel Bühler
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Der Begegnungstag brachte die Bevölkerung und die in der Zivilschutzanlage lebenden asylsuchenden Menschen näher zusammen.

Der Begegnungstag brachte die Bevölkerung und die in der Zivilschutzanlage lebenden asylsuchenden Menschen näher zusammen.

Partrick Lüthy

Zwischen 50 und 60 Besucherinnen und Besucher haben sich am Samstagmorgen bei der Zivilschutzanlage in Kestenholz versammelt. Für einmal spielt das Wetter mit, und es ist weit und breit keine dunkle Regenwolke zu sehen. Man kennt und grüsst sich im 1750-Seelen-Dorf. An diesem Morgen wollen Herr und Frau Kestenholzer jene besuchen, die man eben nicht kennt: die Asylsuchenden, die in der Zivilschutzanlage leben.

Positiver Beitrag zur Asyldebatte

«Man sieht sie ab und zu im Dorf», meint eine Besucherin und blickt vielsagend umher. Die Leute um sie herum nicken zustimmend. Dort liegt auch der Ursprung für den Begegnungstag: «Wir wollten der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, mit den Asylsuchenden in Kontakt zu treten», erklärt Beat Schürmann vom Katholischen Arbeiterbund Kestenholz (KAB). Vom KAB stammt denn auch die Idee für den Begegnungstag: «Wir wollten einen positiven Beitrag zur Asyldebatte liefern und haben in diesem Begegnungstag den idealen Rahmen dafür gefunden», sagt Beat Schürmann. Das Projekt, mit dessen Planung im letzten Sommer begonnen wurde, wurde von der Gemeinde und vom Kanton unterstützt.

«Wenn ein Verein aus dem Dorf auf uns zukommt, um zusammen mit den Asylbewerbern etwas auf die Beine zu stellen, stossen sie bei uns auf offene Ohren», sagt Andreas Schmid vom Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn (ASO). Die Mitglieder des KAB nehmen auch sonst am Leben der Asylsuchenden teil: Sie gehen zum Beispiel mit den jungen Männern einkaufen.

Nach Ansprachen von Beat Schürmann, vom Gemeindepräsidenten Arno Bürgi sowie von Andreas Schmid wurden die Besucher – vom Primarschulkind bis zur Seniorin im Rollstuhl war alles dabei – in kleinen Gruppen durch die Räumlichkeiten geführt.

Einige Wände in der Zivilschutzanlage sind farbig gestrichen, im Fernseher läuft Formel 1, und im Waschraum steht auf Englisch, dass man seine Schuhe nicht in der Waschmaschine waschen dürfe. Nach zwei kleineren Räumen gelangt man in den grossen Aufenthaltsraum, wo einige darin wartende Männer die Besucher erwartungsvoll, wenngleich auch etwas scheu, empfangen.

Sie tragen Flip-Flops, Sandalen oder Turnschuhe, Jeans und farbige T-Shirts. Im Moment leben 23 junge Männer in der Zivilschutzanlage. Sie kommen aus Libanon, Sri Lanka, Syrien oder Afghanistan. Einer von ihnen ist Junas aus dem Libanon. Seine passablen Deutschkenntnisse verraten, dass er sich wohl schon länger in einem deutschsprachigen Land aufhält. Mit einem breiten Lachen im Gesicht erklärt er den Besuchern nach der kurzen Führung die Speisen, die er zusammen mit seinen Mitbewohnern gekocht hat: Fladenbrot mit Hackfleisch, Käse und Sesam oder libanesischem Pfeffer. Dazu Milch mit Salz. Nach dem Namen für dieses Getränk gefragt, muss der junge Mann kurz überlegen und sagt dann lachend: «Ayran». Das libanesische Essen kommt bei den Besuchern gut an. Praktisch jeder läuft mit einem kleinen Teller mit Fladenbrot aus der Anlage und begibt sich nach oben.

Bald wieder Normalbetrieb

Nach dem Aufenthaltsraum gelangt man in den Schlafraum, wo zeitweise bis zu 50 Asylbewerber ein Dach über dem Kopf gefunden haben. Im Moment sind es noch deren 23. «Wir möchten ab Anfang August wieder den Normalzustand von zwölf Personen herrichten, also so wie es vor der Flüchtlingswelle war», erklärt Schmid vom ASO und ergänzt: «Aber Sie wissen ja, wie es ist. Man weiss nie, was kommt.»

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