Solothurn

Von feinen Wortspielen bis zum groben Slapstick: Der ganz normale Wahnsinn in der Mausefalle

Der «Blick»-Reporter in Aktion auf der Bühne im Theater Mausefalle.

Der «Blick»-Reporter in Aktion auf der Bühne im Theater Mausefalle.

Das Laientheater Royal Arts Club führte unter Corona-Auflagen die Komödie «Nid ganz hundert» auf.

Was ist normal? Die Frage, um die sich die Aufführung des Theaters Royal Arts Club an diesem Wochenende in der Mausefalle in Zuchwil drehte, könnte aktueller nicht sein. In unserer krisengeschüttelten Welt ist da eine Komödie wie «Nid ganz hundert» die beste Kur, selbst wenn sie unter strengsten Coronavorschriften und nur vor einem sehr kleinen Publikum aufgeführt werden kann.

Wie empfängt man seine Mutter in einer Irrenanstalt, ohne dass diese merkt, dass man in einer Irrenanstalt wohnt? Lustige Wirrungen und Wendungen sind vorgezeichnet und der Humor der Komödie spannt von feinen Wortspielen bis zum groben Slapstick. Die Kernfrage, wer ist hier eigentlich verrückt und wer normal, wird bis zum Schluss nie beantwortet, denn sogar die Frau Doktor Elsa Schanz, gespielt von Sibylle Beck, hat offensichtlich einen Dachschaden. In der Hauptrolle der sexy Agnes Adalon überzeugte die provokativ spielende Maria Ansari. Die Pointen servierten ihr Philipp Erb und Martin Jeker mit ihren neurotischen Nebenrollen, in denen sich jeder Zuschauer ein wenig selber erkennen konnte.

Humor darf alles, Humor muss alles dürfen

Von den insgesamt elf charmanten Schauspielern auf der Bühne ist ganz besonders Helmuth Zipperlen mit seiner perfekten Interpretation eines aufdringlichen Blick-Reporters zu erwähnen. Zipperlen gehörte bereits vor 50 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Laientheaters Royal Arts Club.

Erfrischend provokativ ist die Wahl der Komödie in drei Akten von Winnie Abel, die durch Etienne Meuwly fürs Schweizerdeutsche adaptiert wurde. Das Laientheater kürt eine sexsüchtige junge Frau, die unter ihrer Manie nicht zu leiden scheint, sondern sie geniesst, zur Heldin. Humor darf alles, Humor muss alles dürfen, es braucht manchmal nur etwas Mut.

Corona ändert das Rahmenprogramm

Nur rund 50 Personen waren in der Mausefalle zugelassen und am Ende durften sich die Schauspieler wegen der Coronavorschriften nicht unter die Zuschauer mischen. Dafür fiel der Applaus laut und lange aus. Schauspieler und das Publikum hatten den Abend gleichermassen in vollen Zügen genossen. «Es hat mega Spass gemacht, nach dem Lockdown wieder proben zu dürfen und die Vorfreude, in diesen schwierigen Zeiten überhaupt auftreten zu dürfen, war riesig», beschrieb Regisseurin Cony Studer die Gefühlslage des Ensembles. «Wir spüren, dass die Leute wieder hungrig auf Theater sind und das ist sehr schön. Deshalb ist es für uns gar nicht so wichtig, wie gross das Publikum sein darf.»

Die nächsten Vorführungen sind auf den 23. und 24. Oktober angesetzt. Weitere Informationen: www.mausefalle.ch/programm

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