Forstbetrieb

Waldbrand­gefahr: Trockenheitsschäden übertreffen schlimmste Befürchtungen der Förster

Peter Hänggi, Präsident Forstkommission Nunningen.

Peter Hänggi, Präsident Forstkommission Nunningen.

Auch im Schwarzbubenland herrscht grosse Waldbrand­gefahr – und die Forstreviere befürchten weitere Trockenheitsschäden.

«Die Niederschläge der letzten Monate machen die Hälfte der Menge aus, die unser Wald nun benötigt», sagt Christoph Gubler, Revierförster des Forstbetriebs Schwarzbubenland. Das Amt für Wald des Kantons Solothurn warnte die Bezirke Thierstein und Dorneck bereits Anfang April vor Waldbrandgefahr. Durch die Trockenheitsschäden der letzten Jahre ist der Anteil Totholz im Wald stark angestiegen. Die Waldbesitzer, doch auch die Gesellschaft muss sich nebst dem Feuerverbot auf weitere Folgen gefasst machen, davon sind später allfällige Sperrungen wegen Gefahren durch umstürzende Bäume nicht ausgeschlossen, bestätigt Gubler auf Anfrage.

Die Sicherheitsholzerei dem Siedlungsgebiet und den Strassen entlang entwickle sich zur Zwangsnutzung mit verheerenden Auswirkungen auf den Preis. «Dieser war bereits tief, jetzt ist er im Keller», gibt Gubler zu bedenken. Denn mit der Coronakrise haben sich die Absatzschwierigkeiten weiter verschärft. Mit welchen finanziellen Konsequenzen die Gemeinden rechnen müssen, kann Gubler derzeit nicht sagen. Wegen des Versammlungsverbots ist die Genehmigung der Jahresrechnung 2019 durch Vorstand und Delegiertenversammlung des Zweckverbandes Forstbetrieb Schwarzbubenland noch ausstehend.

Für Nunningen hat sich Alleingang gelohnt

In Nunningen sind die Sorgen um den Wald nicht kleiner als im Übrigen Teil des Bezirks, doch finanziell kam man bisher gut über die Runden, sagt Peter Hänggi, Präsident der Forst- und Allmendkommission. Die heutige Einheitsgemeinde Nunningen hatte sich vor zwei Jahren gegen einen Beitritt zum neuen Zweckverband Forstbetrieb Schwarzbubenland entschieden. «Der Alleingang hat sich gelohnt», heisst es nun.

Die Trockenheitsschäden und der Preiszerfall wegen der Zwangsholzerei machen Nunningen zwar auch sehr zu schaffen. «Doch gerade in schwieri­- gen Zeiten bewähren sich die schlanken Strukturen und die Flexibilität bei der Planung der Arbeiten», erklärt Hänggi. «Im 2018 wies die betriebliche Forstrechnung einen Gewinn von 48000 Franken aus. Und auch im 2019, dem Jahr der enormen Trockenheitsschäden, schloss die Rechnung mit einem Gewinn von 17'000 Franken, wobei wir die Jungholzpflege bereits verdreifachen konnten und man bei der Sicherheitsholzerei schwierigste Aufgaben meisterte. Unser Betriebskonzept verlangt, dass die Erlöse vollumfänglich in den Wald und nicht in die Bürokratie fliessen», führt Hänggi aus.

Die Verwaltungskosten beschränkten sich auf die Sitzungsgelder für die Kommissionsmitglieder und für Projektarbeiten. Bei den auszuführenden Arbeiten belasten die Lohnkosten die Gemeinde ebenfalls nur nach erbrachter Leistung respektive für die effektive Zeit der Beratung durch den lokal beigezogenen Forstingenieur. Ausserdem könne man bei den Arbeitsvergaben das Gewerbe berücksichtigen.

Befürchtungen, dass Nunningen beim Wald sparen könnte, zerstreut Kreisförster Peter Tanner: «Das Engagement für den Wald ist in Nunningen derzeit sehr gross und die Zusammenarbeit funktioniert bestens.» Im Moment seien die Gemeinde und der Kanton daran, das Pflegekonzept für den Schutzwald «Buchenberg» in Nunningen umzusetzen.

Besonders schlimm ist es im Dorneck

Wie hoch die Unterstützungsgelder aus Solothurn für die Schwarzbuben-Waldbesitzer ausfallen werden, ist noch Gegenstand des politischen Prozesses, bei dem sich die Kantonsvertreter der Region starkmachen für eine Erhöhung der bisher zugesicherten Hilfe vom Kanton bei der Sicherheitsholzerei und der nachhaltigen Aufforstung.

Besonders stark betroffen von den Trockenheitsschäden ist das Dorneck. Im Gebiet Gempen, Hochwald, Dornach kam es zu einem Kahlschlag. «Die Schäden im Wald sind schlimmer, als die Förster im schlechtesten Fall angenommen hatten», erklärte Revierförster ­Roger Zimmermann. «Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen alle, doch für die Waldbesitzer ist es eine absolute Katastrophe.»

Die Förster sind bei der Sicherheitsholzerei dem Siedlungsgebiet und Strassen entlang selber überrascht worden von der grossen Anzahl Bäume, die infolge ihres dürren oder krankheitsbedingten Zustandes entfernt werden mussten. Die Mengen, von denen man ausgegangen waren, haben sich im Verlauf der Arbeiten verdoppelt.

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