Kleinlützel
«Hier ist die Polizei»: Betrüger wollen Einwohnern eines 1000-Seelen-Dorfs an die Wertsachen

In der Solothurner Gemeinde Kleinlützel versuchten Betrüger während den Festtagen, zahlreiche Bewohner übers Ohr zu hauen. Sie gaben sich am Telefon als Polizisten aus und versuchten so, an die Wertsachen der Opfer zu kommen. Wieso die kleine Gemeinde so ins Zentrum der Betrüger gerückt ist, ist unklar.

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Sie geben sich als vermeintliche Polizisten aus und warnen ihre Opfer – meistens Senioren – per Telefon vor Einbrechern, die in der Region ihr Unwesen treiben würden. Dann bieten sie diesen an, vorbeizukommen, um ihre Wertsachen mitzunehmen und sicher zu verstauen.

Solche Trickbetrüger waren über die Feiertage besonders aktiv. Speziell im Fokus der Gauner: Die Gemeinde Kleinlützel im Schwarzbubenland. Rund 20 solcher Betrugsversuche hat die Solothurner Kantonspolizei vom 23. bis 25. Dezember dort registriert, wie das Regionalfernsehen «TeleM1» berichtete.

Vorsicht Betrug

Beim so genannten «Polizeitrick» handelt es sich um eine Variante des Telefonbetrugs, ähnlich dem Enkeltrick. Die Betrüger erschleichen sich das Vertrauen meist älterer Bürgerinnen und Bürger und gelangen so immer wieder an grosse Deliktsummen. Einmal mehr warnt die Polizei vor dieser Masche des Telefonbetrugs und rät:

- Misstrauisch sein!

Die Polizei ruft Sie nicht mit der Telefonnummer 117 an und bietet Ihnen nie an, Geld oder Wertsachen aufzubewahren.

- Nie auf Geldforderungen eingehen!

Übergeben Sie niemals Geld an fremde Personen, auch wenn diese noch so vertrauenswürdig klingen.

- Nicht unter Druck setzen lassen!

Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen bekannt. Lassen Sie sich nie unter Druck setzen und beenden Sie solche Telefonate sofort.

- Rücksprache halten, Hilfe holen!

Nehmen Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen umgehend Rücksprache mit Familienangehörigen oder der Polizei.

Kampagne lanciert

Fälle von Telefon- und Internetbetrug nehmen zu. Daher hat die Kantonspolizei Solothurn eine Kampagne lanciert, die anhand einfacher Comics verschiedene Betrugsmaschen im Internet, am Telefon oder via Social-Media aufzeigt und Tipps zur Verhinderung solcher Delikte gibt. Weitere Informationen finden sich in einer Online-App unter www.polizei.so.ch/Prävention/Kriminalität/Betrug(pks)

Wieso ausgerechnet Kleinlützel so in den Fokus der Betrüger gerückt ist, können sich Anwohner nicht erklären. «Hier hat es weder Luxusvillen noch sehr reiche Leute», erzählt eine Passantin gegenüber «TeleM1». Und auch bei der Solothurner Kantonspolizei sei man ratlos, wie Mediensprecherin Thalia Mosimann mitteilt.

Masche bereits erfolgreich

Dass sich Betrüger so stark auf eine Region einschiessen, sei eine neuere Entwicklung, erklärt Mosimann. Es könne zwar durchaus vorkommen, dass es zu mehreren Betrugsversuchen in einer Region komme. «Eine solche Häufung konnten wir bis anhin aber nicht feststellen», erklärt die Mediensprecherin.

Während in Kleinlützel offenbar noch niemand auf die Masche hereingefallen ist, haben Betrüger mit eben diesem Trick vor knapp zwei Wochen einer Seniorin aus dem Schwarzbubenland über 100'000 Franken entwendet.

Mittlerweile scheinen die Betrüger aber wieder von Kleinlützel abgelassen zu haben. Bei der Polizei gingen aktuell keine weiteren Meldungen mehr ein. (rka)