Solothurn

Wetterglück und rassige Marschmusik

Die sechste Marching-Parade war ein durchschlagender Erfolg: Prächtige Uniformen und harmonische Auftritte der Marschmusikformationen verschiedenster Vereine. Auch das Wetter war dem Anlass hold - alle Darbietungen waren im Trockenen.

Mit Pelerinen geschützt, sicherten sich Blasmusikfans mehr als eine Stunde vor Beginn der Marching-Parade einen Platz in der vordersten Reihe. Ob Petrus den Regenhahn doch noch zudrehte oder ob das Stossgebet von Jean-Claude Strebel zum verstorbenen Stadtmusik-Gönner Bill de Vigier geholfen hat, ist nicht verbürgt. Erwiesen ist hingegen, dass sich die Wolken gerade rechtzeitig lichteten, damit die in prächtigen Uniformen aufmarschierenden Musikvereine ihre Darbietungen im Trockenen präsentieren konnten. Auftritte, die es in sich hatten. So zeichnete die debütierende Musikgesellschaft Wyssachen optisch und musikalisch die Bundesfeier auf dem Rütli nach. Von der Schweizer Hymne bis zur Trachtengruppe fehlte nichts. Dirigent Siegfried Kurmann lobte denn auch den Powereinsatz seiner Crew und die Organisation des Musikspektakels.

Nordfriesen mischten mit

Mit Startnummer zwei sicherte sich der in Weiss-Blau einziehende Spielmannszug des Jugendblasorchesters Rödemis aus Nordfriesland den mit 4000 Franken dotierten zweiten Platz.

Die von Heinz Heiniger geleitete Brass Band Emmental gehört zu den Stammgästen und wartete ebenfalls mit Patriotismus auf, initiierte gar einen Schwingkampf auf dem Kopfsteinpflaster der Hauptgasse. Die Emmentaler eroberten sich den verdienten Sieg und durften aus den Händen von Jeannette de Vigier einen Check über 8000 Franken entgegennehmen.

Das Blasorchester der Jugendmusik Kreuzlingen sorgte für Power und die Showband Les Armourins aus Neuenburg für welschen Charme. Als die Kadettenmusik aus Horgen auftrat, jubelte Marion Rissi aus Zürich, die ihren Favoriten die Daumen drückte. Und Fortuna war den Jungs tatsächlich gewogen. Durften sie doch mit der «Bronzemedaille» ans linke Zürichseeufer zurückkehren. Auch der kreative Auftritt des Musikvereins Bubendorf – die Sieger der allerersten Solothurn Marching-Parade 2002 – bewies, dass ihr Können nicht nur am Basel Tattoo begeistert. Als Abschluss des Wettbewerbs ging das deutsche Musikkorps Bickenbach an den Start und zog mit den weissen Helmen die Blicke auf sich.

Highlight aus England

Beim ausser Konkurrenz gesetzten Highlight, «The Band of The Blues and Royals», durften auch die hoch über dem St.-Ursen-Brunnen thronenden Experten Max Schenk und Werner Horber das Spektakel geniessen. Die Gäste aus England waren am Vorabend im bis auf den letzten Platz besetzten Konzertsaal mit einer Standing Ovation gefeiert worden. «Danach haben sie das Nightstyle besucht und wohl durchgemacht», erzählt Jean-Claude Strebel von der Bill-de-Vigier-Stiftung. «Trotzdem fanden sie sich am Morgen pünktlich ein. Es sind halt Musikanten und Soldaten.»

Andreas Schranz, Präsident der Stadtmusik, und Christian Unger freuten sich, dass sie die Top-Band am sonntäglichen Platzkonzert beim Sommerhaus de Vigier nochmals hörten. Ohne das Vermächtnis von Mäzen Bill de Vigier, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, wären weder die Solothurner Marching-Parade noch die Konzerte mit der Elite-Militärband möglich gewesen.

Den durchschlagenden Erfolg des Anlasses verdankt die Stadtmusik hingegen dem zehnjährigen Totaleinsatz von Geschäftsführer Stefan Schwarz. Vor der Rangverkündigung sickerte durch, dass «Mister Marching-Parade» sein Mandat abgibt. Dissonanzen innerhalb der Organisation haben das Ehrenmitglied und früheren Präsidenten der Stadtmusik bewogen aufzuhören. Harmonisch endete hingegen die sechste Solothurner Marching-Parade, die einmal mehr die Altstadt mit traditioneller und mit moderner Marschmusik erfüllte.

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