Wohnen
Häufig genannter Umzugsgrund im Kanton Solothurn: «Die Nachbarn, Himmelherrgott!»

In keinem anderen Kanton werden nervige Nachbarn so oft als Umzugsgrund genannt wie in Solothurn.

Sébastian Lavoyer
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Die Bewohnerinnen und Bewohner des Jurasüdfusses sind ganz zufrieden.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Jurasüdfusses sind ganz zufrieden.

Urs Byland (Archiv)

Ja, mit den Nachbarn haben die Solothurnerinnen und Solothurner ihre liebe Mühe. Ein Viertel jener Leute, die nicht zufrieden sind mit ihrer Wohnsituation, geben die Nachbarn als Grund dafür an. Das ist ein gesamtschweizerischer Spitzenwert, wie aus einer Wohnstudie der Swiss Life hervorgeht. Ein genauso wichtiger Grund für Unzufriedenheit ist der vorhandene Platz in der Wohnung oder im Haus.

Wegzug? Unwahrscheinlich.

Aber genug Trübsal geblasen, eigentlich geht es uns am Jurasüdfuss ganz gut. Rund 42 Prozent der Befragten sind mit ihrer Wohnsituation perfekt zufrieden, was fünf Prozent über dem Schweizer Mittel (37 Prozent) liegt.

Das kommt auch zum Ausdruck, wenn man den Umzugswunsch unter die Lupe nimmt. 46 Prozent der befragten Solothurnerinnen und Solothurner halten es für sehr unwahrscheinlich, dass sie in den kommenden fünf Jahren ihr Zuhause wechseln. Ganz anders sieht es etwa in Genf aus. Dort sind es nur knapp über 20 Prozent, die einen Umzug für sehr unwahrscheinlich halten.

Müssten sie denn tatsächlich umziehen, so würden die Menschen aus dem Kanton Solothurn kaum in eine Stadt ziehen. Das könnten sich nur gerade elf Prozent gut oder sehr gut vorstellen. 47 Prozent könnten sich dagegen einen Umzug in eine Stadt überhaupt nicht vorstellen.

Spezielle Vorliebe: Ruhe

Man kann sich vorstellen, dass die Abneigung den Nachbarn gegenüber eine Rolle spielt. Und in einer Stadt sind diese halt naturgemäss ein bisschen näher. Die Abneigung gegenüber Stadt und Nachbarn scheint in enger Verbindung mit einer ganz speziellen Vorliebe der Solothurnerinnen und Solothurner zu stehen: jener nach Ruhe. Denn eine ruhige Lage ist 42 Prozent der von Swiss Life Befragten besonders wichtig.

Damit gehört Solothurn zu den ruheliebendsten Kantonen der Schweiz – neben dem Rentnerparadies Tessin, wo 47 Prozent Ruhe als zentrales Wohnkriterium angaben.

Solothurn ist eher ländlich geprägt, das zeigt sich auch bei der Bedeutung des Gartens. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass der Umschwung für sie zentral sei. Damit bewegt man sich auf ähnlicher Höhe wie der Kanton Bern (38 Prozent) und das Tessin (36 Prozent) und hebt sich deutlich ab von den städtisch geprägten Kantonen Genf und Zürich.

In der Calvin-Stadt gaben nur 17 Prozent an, dass ihnen ein Garten wichtig sei, in der Zwingli-Stadt nur 21 Prozent. Dafür ist Städterinnen und Städtern der Anschluss an den öffentlichen Verkehr deutlich wichtiger.

Wohnen im Grünen

Interessanterweise haben die Vorlieben der Solothurnerinnen und Solothurner für grossen Umschwung und ruhige Lage in Naturnähe während der Coronazeit schweizweit an Bedeutung gewonnen. Der Wunsch nach Wohnen im Grünen und einem eigenen Garten oder einer Terrasse ist gestiegen. Rund 30 Prozent der Befragten gewichten diese Faktoren höher als vor dem Virus. Daneben sind natürlich Wohnfläche und effektive Kosten zentral.

Zudem ergab die Studie, dass die Schweizerinnen und Schweizer fest verwurzelt sind und eher selten umziehen. 60 Prozent der Wohneigentümer wohnen schon mehr als zehn Jahre in ihrem derzeitigen Zuhause, genauso wie 25 Prozent der Mietenden.

Wenn jemand trotzdem umzieht, dann nicht weit weg.

Durchschnittlich beträgt die Umzugsdistanz gerade einmal 13 Kilometer, wobei die Hälfte aller Umzüge innerhalb von weniger als fünf Kilometern stattgefunden hat.

Knapp ein Drittel ist sogar innerhalb der gleichen Gemeinde umgezogen und nur gerade ein Fünftel hat vor dem Umzug ausserhalb seines derzeitigen Kantons gelebt.

Aber man muss ja nicht in einen anderen Kanton ziehen, um auf Distanz zu gehen zu einem missliebigen Nachbarn.

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