Testspiel

1:0-Sieg im «Test-Derby» gegen Wohlen: Aarau greift nach Titel am ersten Freiämter Cup

Wohlens Foschini (vorne) gegen Aaraus Ciarrocchi. (Archivbild)

Wohlens Foschini (vorne) gegen Aaraus Ciarrocchi. (Archivbild)

Für einmal war das Ergebnis und das Prestige im Kantonsderby Nebensache: Aarau und Wohlen sind in der Vorbereitung nur mit sich selber beschäftigt, schliesslich müssen die neuen Trainer den Spielern ihre Vorstellungen einimpfen.

Mangels Brisanz in der Tabelle waren es zuletzt für viele Aargauer Fussballfans die spannendsten Spiele der Saison: Die vier Derbys zwischen dem „grossen“ FC Aarau und dem „kleinen“ FC Wohlen. Im Frühling gelang den Freiämtern im 16. Anlauf der erste Sieg – und dies gleich mit 3:0.

Dank des positiven Lizenzentscheids in zweiter Instanz für den FC Wohlen erwarten uns auch in der kommenden Spielzeit wieder packende Duelle im Brügglifeld und in der Niedermatten. Einen ersten Vorgeschmack gab es am Samstag 1. Juli am Freiämter Cup in Muri: Im Halbfinal des neu ins Leben gerufenen Vorbereitungsturnier trafen Wohlen und Aarau aufeinander und beschnupperten sich im Hinblick auf die Derbys, in denen es dann um Punkte und viel Prestige geht.

Aarauer Ungeschlagenheit hält an

Wobei: Ein bisschen Prestige bringt auch ein Sieg im „Test-Derby“ – und dieser ging vor 700 Zuschauern mit 1:0 an den FC Aarau. Patrick Rossini war in der 62. Minute nach starker Vorlage von Leo Itaperuna der Torschütze und sorgte dafür, dass nach der ersten Pflichtspielniederlage im April immerhin die Aarauer Ungeschlagenheit in Freundschaftsspielen gegen Wohlen anhielt.

So viel zum emotionalen Wert. Abgesehen davon war es sowohl für Wohlen als auch für Aarau nach den Spielen zuvor gegen Amateurteams der erste Härtetest in der Vorbereitung. Nach Spielschluss waren beide Trainer zufrieden mit dem Gebotenen.

Aaraus Marinko Jurendic, weil seine Mannschaft auch im dritten Testspiel im Vergleich zum vorherigen klare Fortschritte erkennen liess. Die Viererabwehr wirkte solid und kam nur wegen individueller Fehler zwei Mal in Nöte. Das Offensivspiel war vor allem in der zweiten Halbzeit ertragreich, als Aarau ein klares Chancenplus verzeichnete und die 1:0-Führung hätte ausbauen müssen. Besonders aufgefallen sind: Michael Perrier, der sich zum unverzichtbaren Linksverteidiger mit nicht geahntem Offensivdrang mausert. Michael Siegfried, der nach einem Jahr ohne Verein immer mehr an Sicherheit gewinnt und im Zentrum ein Stabilitätsfaktor war. Und Olivier Jäckle, der von Jurendic als Mann hinter der Sturmspitze getestet wurde, in dieser Rolle einige gute Pässe und sowie Freistösse und Corner schlug; bei besserer Chancenverwertung wäre Jäckle zudem locker zum Matchwinner gekürt worden.

Nach knapp zwei Wochen und vielen Trainingseinheiten zieht Jurendic ein positives erstes Fazit: „Ich freue mich sehr über den Lernwillen der Jungs. In den ersten zwei Wochen habe ich mir ein Bild über die Mannschaft und über jeden einzelnen Spieler gemacht – nun geht es an die Details.“ Das Gros der Mannschaft steht, dennoch sollen gemäss der sportlichen Leitung noch zwei Spieler verpflichtet werden, die sofort helfen können.

Elvedi beim FC Wohlen - was passiert mit Kiassambua?

In dieser Hinsicht deutlich schwieriger hat es Jurendics Kollege beim FC Wohlen, Ranko Jakovljevic. Auch er ist neu, muss anders als Jurendic aber mit einem auf vielen Positionen neu bestückten Kader arbeiten. Und notabene mit einem, das bei weitem noch nicht komplett ist. Gegen Aarau standen mit Jan Elvedi, Dragisa Gudelj, Elvis Baratovic und Jean Rhyner vier Testspieler in der Startformation – weitere wurden eingewechselt. Elvedi ist der Zwillingsbruder des Schweizer Nationalspielers Nico, war in der letzten Saison von Winterthur an Cham ausgeliehen und dürfte in den nächsten Tagen bei Wohlen unterschreiben. Das gleiche gilt für den serbischen Innenverteidiger Dragisa Gudelj, der sehr wahrscheinlich von Ajax Amsterdam übernommen wird. Rhyner gehört GC und spielte zuletzt in Schaffhausen – ob er nach Wohlen kommt, ist offen.

Spannend ist die Personalie Joel Kiassambua: Der Stammgoalie der letzten zwei Saisons will Wohlen unbedingt verlassen und zu einem höherklassigen Verein wechseln. Der schweizerisch-kongolesische Doppelbürger trainiert zwar mit den Freiämtern, Testspiele aber lässt er aus. Wohin es Kiassambua ziehen könnte, steht aber in den Sternen, es gibt laut mehreren Stimmen noch nicht einmal eine Tendenz. Der FC Wohlen würde ihm zwar trotz Vertrag bis 2018 keine Steine in den Weg legen - es ist aber nicht abwegig, dass Kiassambua am Ende doch im Freiamt bleibt, weil er sportlich keine bessere Alternative findet. Eine Ausleihe von FCB-Ersatzgoalie Djordje Nikolic ist gemäss den Wohler Verantwortlichen momentan kein Thema. 

Jakovljevic sagt: „Um die Goalieposition sorge ich mich nicht, wir haben mit Tahiraj und Hofer genug Qualität. Es werden aber noch vier bis fünf Feldspieler zu uns stossen müssen, bis wir komplett sind.“ Auch der Wohlen-Coach lobt seine Spieler für den grossen Einsatz in den bisherigen Trainings. Dass das „Test-Derby“ verloren ging, kratzte die Wohler nicht im Geringsten. Jakovljevic: „Es war eine wichtige Standortbestimmung – nur das war von Bedeutung.“ Abgesehen von den 15 Minuten nach der Pause bis zum 0:1 war Wohlen dem FC Aarau ein Gegner auf Augenhöhe. Ungenügend war nur das viel zu harmlose Offensivspiel.

Aarau im Final mit Testspielern

Auf Wohlen wartet am Finaltag des Freiämter Cup das nächste Derby, denn am Sonntag um 13 Uhr wartet im Spiel um Platz 3 Gastgeber Muri. Die nächsten Testspiele bestreitet der FC Wohlen gegen St. Gallen (7. Juli) und gegen Cham (14. Juli). Am Samstag 22. Juli startet Wohlen in Winterthur in die neue Saison.

Gegen ebendiesen FC Winterthur (2:0 im Halbfinal gegen Muri) spielt Aarau um den Sieg beim ersten Freiämter Cup – Anpfiff am Sonntag auf dem Sportplatz Brühl in Muri ist um 16.30 Uhr. Angekündigt sind von FCA-Seite zwei Testspieler. Anschliessend stehen weitere Partien gegen Sochaux (7. Juli), Lugano (12. Juli) und Rapperswil-Jona (15. Juli) an. Gegner am ersten Spieltag ist am Freitag 21. Juli auswärts Neuchatel Xamax.

Telegramm zum "Test-Derby" (einige Bilder vom Spiel gibt es hier):

FC Wohlen – FC Aarau 0:1 (0:0)

Brühl, Muri. – 700 Zuschauer. – SR: Nevistic. – Tor: 62. Rossini (Itaperuna) 0:1.

Wohlen: Tahiraj; Elvedi, Gudelj, Rhyner; Romano (63. Stadelmann), Foschini (77. Pasquarelli), Bicvic (46. Seferi), Kleiner (77. Aliu); Schultz; Tadic (63. Sulejmani), Baratovic (63. Thali).

Aarau: Deana; Peralta (46. Thrier), Thaler, Garat (46. Besle), Perrier; Siegfried, Hammerich (46. Burki); Josipovic (69. Tasar), Jäckle (82. Ciarrocchi), Mehidic (46. Itaperuna); Ciarrocchi (46. Rossini).

Bemerkungen: Wohlen ohne Pacar (verletzt), Hajrovic, Kiassumbua und Wiget (alle abwesend). Aarau ohne Nganga (verletzt) und Joos (nicht im Aufgebot). – Faires Spiel ohne Verwarnungen.

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