A-Fonds-perdu-Beiträge
Die Auflagen für die Klubs zum Erhalten von Bundesgeldern sind sinnlos – und gefährden die Zukunft des Schweizer Fussballs

Die meisten Super-League-Klubs nehmen die Gratisgelder des Bundes nicht an. Dies ist verständlich: Die Bedingungen sind zu gross und haben mit der Realität wenig zu tun.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Servette mit Yoan Severin (links) und St. Gallen mit Kwadwo Duah verzichten beide auf die Bundesgelder.

Servette mit Yoan Severin (links) und St. Gallen mit Kwadwo Duah verzichten beide auf die Bundesgelder.

Bild: Martial Trezzini/Keystone (10. Februar 2021)

Der Bund stellt A-fonds-perdu-Beiträge zur Verfügung, doch nur drei von neun Super-League-Klubs möchten das Geld überhaupt annehmen. Sechs Klubs verzichten, weil die Bedingungen zu hoch sind. Wer Gelder beantragt, muss die Löhne der Topverdiener um 20 Prozent kürzen. Per sofort und für fünf Jahre.

In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Klub einem Spieler den Lohn kürzen möchte, geht er das Risiko ein, dass dieser ablösefrei geht. Für die Schweizer Klubs, die alle auf Erträge durch die Ausbildung ihrer Spieler angewiesen sind, kann dies böse Folgen haben. Dass mit Basel, Zürich und Sion ausgerechnet jene Klubs Gelder nehmen, die überdurchschnittlich hohe Löhne bezahlt haben und mangels Erfolg ihre Topverdiener auch ohne Corona losgeworden wären, sagt einiges aus. Die Leidtragenden sind jene Klubs, die in der Vergangenheit gut gewirtschaftet haben.

Wer denkt, in der Schweiz seien Profisportler Millionäre, liegt falsch. Davon versuchten Fussball- und Eishockeyliga die Parlamentarier zu überzeugen – ohne Erfolg. Das Parlament forderte so harte Vorschriften wie für keine andere Branche.

Für die Gesellschaft ist der Breiten- und Nachwuchsfussball als integrative Kraft wichtig. Das realisieren viele wohl erst dann, wenn der nötige Oberbau – der Profisport – stirbt. Dass für die Fussballklubs die Zuschauereinnahmen wegbleiben, ist nicht ihr Verschulden. Darum sollten sie jetzt die richtige Unterstützung erhalten – ganz ohne realitätsferne und sinnlose Auflagen.

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