Markus Neumayr liegt etwas auf dem Herzen: "Mir war die Stimmung um den FC Aarau in den vergangenen Wochen zu negativ." Was er meint: Die Erwartungen seien nach dem erfolgreichen Frühling zu hoch. Obwohl der Start in die neue Saison mit einem 1:1 in Winterthur und dem 4:1 gegen Kriens dem FCA punktemässig geglückt, ist, hat sich Neumayr an der Stimmung nach dem schwierigen Auswärtsspiel in Winterthur und der ersten Halbzeit gegen Kriens gestossen. Im Interview vor dem Spitzenspiel gegen GC sagt Neumayr, was er meint. Doch zuerst zu eben diesem Knüller gegen die Hoppers:

Wer führt am späten Freitagabend nach dem Spitzenkampf Aarau-GC die Challenge-League-Tabelle an?

Neumayr: Ich hoffe natürlich der FC Aarau, dafür müssen wir gewinnen. Das Spiel gegen GC wird knüppelhart, wir müssen von Anpfiff bis Schlussspfiff konzentriert auftreten.

Aarau und GC sind punktemässig gut in die Saison gestartet. Nun wird das Direktduell zur ersten Standortbestimmung für beide Teams.

Das Spiel wird nicht über den Verlauf der Saison entscheiden, dafür ist es viel zu früh. Aarau und GC sind zwei Topmannschaften, die vom Namen her auch in der Super League spielen können. Die Rivalität ist gross, zwischen den Teams und den Fans.

Vollgas oder Abwarten – mit welcher Taktik geht der FC Aarau in den Spitzenkampf?

Patrick Rahmen (FCA-Trainer; d. Red.) wird schon die richtigen Worte finden. Wie genau wir auftreten, hängt dann auch davon ab, wie GC ins Spiel geht. Uns käme entgegen, wenn sie hoch angreifen, dann könnten wir mit unseren schnellen Spielern zu Kontern ansetzen. Aber so wie ich GC-Trainer Uli Forte einschätze, wird GC pragmatisch auftreten. Das Resultat steht bei ihm über allem.

Am vergangenen Wochenende hat Aarau 4:1 gegen Kriens gewonnen, Sie persönlich haben ein herrliches Tor erzielt. Wie viel Selbstvertrauen hat der hohe Sieg für das GC-Spiel mitgegeben?

Zuerst einmal: Das war eine reife Leistung von uns gegen Kriens. Wir sind geduldig geblieben und nicht dem Gegner ins Messer gerannt. Das hat von den Zuschauerplätzen vielleicht nicht so gut ausgesehen, aber es war die einzig richtige Taktik. Und die Tore in der Schlussphase waren ja Entschädigung genug. Wir sind eine junge Mannschaft mit vielen neuen Spielern in der Startelf. Für die war es wichtig, zu spüren, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich würde sagen, der FC Aarau ist bereits wieder in einer guten Verfassung. Aber aufgepasst: Die Challenge League ist so ausgeglichen, nur wer konstant auf hohem Level spielt, steht am Ende in der Tabelle vorne.

So schön traf Neumayr zum 2:0 gegen Kriens:

Challenge League 19/20 Runde 2: FC Aarau - SC Kriens 27.7.19 - 2:0 FC Aarau Markus Neumayr (Assist: Gezim Pepsi)

Challenge League 19/20 Runde 2: FC Aarau - SC Kriens 27.7.19 - 2:0 FC Aarau Markus Neumayr (Assist: Gezim Pepsi)

Sie haben nach dem Kriens-Spiel an die Zuschauer appelliert, sie müssten mehr Demut an den Tag legen. Wie haben Sie das gemeint?

Wie ich schon gesagt habe: Uns haben in der Sommerpause wichtige Spieler verlassen, die Mannschaft hat ein anderes Gesicht. Das braucht Zeit. Vor allem die jungen Spieler müssen sich an den höheren Rhythmus gewöhnen. Die Erwartung, dass es in der neuen Saison einfach so weiter geht wie im Frühling, ist verkehrt. Man muss den Tatsachen schon ins Auge schauen. Gegen Kriens ging nach 30 Minuten das erste Raunen durchs Stadion und ich hörte einzelne Pfiffe, das hat mir nicht gefallen. Wir haben schon in der vergangenen Saison die Gegner nicht einfach so aus dem Stadion geschossen, das waren alles enge Spiele. Das wird in der neuen Saison nicht anders sein.

Ihr habt mit der Barrage-Qualifikation vergangene Saison die Messlatte hoch gelegt. Ist es da nicht verständlich, dass die Erwartungen steigen? Ist ja auch ein Kompliment…

Ich versichere Ihnen: Wir gehen als Mannschaft in jedes Spiel mit der Absicht, es zu gewinnen. Aber Fakt ist: Mit GC und Lausanne haben zwei Mannschaften doppelt so viel Geld zur Verfügung als der FC Aarau. Und uns haben fünf Stammspieler verlassen. Der Verein hat sich für die Strategie, auf junge Spieler aus der Region zu setzen, entschieden – das sollte dann auch das Umfeld mittragen. Die aktuelle Saison ist sehr wichtig für den Verein, es braucht eine positive Grundstimmung und gute Resultate von uns Spielern, um die Stadion-Abstimmung positiv zu beeinflussen. Um das klarzustellen: Ich weiss, dass die Aarau-Fans ein sehr feines Gespür haben. Das haben sie nach der Barrage gegen Xamax bewiesen, als es im Stadion ruhig blieb, was nicht selbstverständlich ist.

Als Sie im vergangenen Winter nach Aarau kamen, war die Barrage-Qualifikation Ihr Ziel. Welche Ziele setzen Sie sich für die neue Saison?

Ich strebe immer nach dem Maximum - und das heisst: Jedes Spiel gewinnen. Es ist zu früh, um über Tabellenplätze zu reden. Wir müssen den Schwung der ersten zwei Spiele nun mitnehmen und schauen, dass wir bis im Winter in Tuchfühlung mit der Tabellenspitze sind. Wenn wir im Winter ganz oben stehen sollten, umso besser.

Neumayr zu Gast im FCA-Talk - kurz nach seinem Wechsel zum FC Aarau im Januar 2019:

«Mein Sohn ist einer der Gründe, dass ich heute in Aarau spiele» – FCA-Mittelfeldstratege Markus «Mac» Neumayr zu Gast im FCA-Talk

«Mein Sohn ist einer der Gründe, dass ich heute in Aarau spiele» – FCA-Mittelfeldstratege Markus «Mac» Neumayr zu Gast im FCA-Talk

FCA-Talk vom 7. März 2019 mit FCA-Mittelfeldspieler Markus Neumayr und AZ-Sportredaktor Sebastian Wendel.

Direkt nach der vergangenen Saison ging es beim FC Aarau drunter und drüber: Erst stand Sportchef Sandro Burki vor dem Absprung, dann Trainer Patrick Rahmen. Wie haben Sie diese Tage erlebt?

Das hat mich natürlich sehr beschäftigt. Bei Sandro wurde ja noch am Tag des Barrage-Rückspiels klar, dass er bleibt. Das hat die Verarbeitung nach der grössten Enttäuschung meiner Fussballerkarriere etwas erleichtert. Mehr Gedanken habe ich mir beim Trainer gemacht: Als es klar schien, dass Patrick geht, rief ich Sandro an und wollte wissen, wie es weitergeht. Sandro ist der beste Sportchef, den ich kenne. Und Patrick einer der besten Trainer meiner Karriere. Dass ich hier bin, hat sehr viel mit ihnen zu tun.

Sie haben also über einen Wechsel nachgedacht?

So weit war ich nicht, aber ich habe mir ausgemalt, was wäre wenn. Letztlich bin ich froh, sind sie geblieben. Und froh darüber müssen auch der FC Aarau und das ganze Umfeld sein.

Ihr Vertrag läuft bis Ende dieser Saison – denken Sie schon an die Zeit danach?

Mein Fokus liegt jetzt darauf, bis im Winter die Basis zu legen, dass wir in der Rückrunde die Aufstiegsplätze angreifen können. In der Winterpause ist die Stadion-Abstimmung durch und es wird sich zeigen, wohin die Reise des FC Aarau geht, ob die Ambitionen hoch bleiben oder nicht. Ebenfalls im Winter werde ich mit Sandro zusammensitzen und über die Zukunft reden.

Stimmt der Eindruck, dass Sie mittlerweile auf und neben dem Platz der Anführer der Mannschaft sind?

Der FC Aarau hat mich im Winter geholt, um Energie, Erfahrung und Qualität ins Team zu bekommen. Klar sehe ich mich als Führungsspieler, ich kann da gar nicht anders. Aber ich bin bei weitem nicht allein: Mit Zverotic, Maierhofer, Schneuwly, Schindelholz, Thiesson und mir haben wir sechs Spieler, die den Rat der Weisen bilden (lacht).