Mountainbike
Aargauer Bikerin: «Es fehlte wenig, und ich wäre nicht mehr am Leben»

Die Bottenwilerin Birgit Richner finishte mitihrem Mann Max die neuntägige Crocodile Trophy in Australien. Dass sie unterwegs eine Blutvergiftung entwickelte, bemerkte sie fast zu spät.

Melanie Gamma
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Die Bottenwilerin Birgit Richner finishte mitihrem Mann Max die neuntägige Crocodile Trophy in Australien.

Die Bottenwilerin Birgit Richner finishte mitihrem Mann Max die neuntägige Crocodile Trophy in Australien.

«Es fehlte wenig, und ich wäre nicht mehr am Leben», sagt Birgit Richner, schweigt einen Moment und fügt an: «Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir einmal so etwas passiert.» Die Bottenwilerin spricht von ihren Erlebnissen während und vor allem nach der Crocodile Trophy in Australien. Der neuntägige Bikeevent führte die Teilnehmenden auf neun Etappen 770 Kilometer weit und über 17 000 Höhenmeter von Cairns nach Port Douglas. «Manchmal pedalten wir durch den Regenwald, wo es etwa 20 Grad und extrem feucht war. Kaum aus dem Wald, fuhrst du wie gegen eine Wand, warst in einer staubigen Wüste und musstest dich auf 40 Grad einstellen», erzählt Birgit Richner, «es war von der Landschaft und den Strecken her herausfordernd, wunderschön und happig zugleich und die familiäre Stimmung unter den Fahrern war toll.» Der Sieg ging indes an den Aargauer Urs Huber (Jonen).

Auf der vierten Etappe erlitt Birgit Richner im Sattel einen Schlag. «Eine wunde Stelle zwischen den Beinen oder am Po ist eine Blessur, die ich von anderen Rennen kenne», sagt die 55-Jährige, die mit ihrem Mann Max (66) seit Jahren Ein- und Mehrtagesetappen bestreitet. Doch dann wurden die Schmerzen von Tag zu Tag schlimmer, bald schwoll auch ihr rechter Oberschenkel an. Der Rennarzt verschrieb der Schweizerin Antibiotika. «Als Folge konnte ich kaum noch was essen.» Eine Infusion versorgte sie nach einer Etappe, ehe es auf Feldbetten im Zelt wenige Stunden Schlaf gab, mit den nötigsten Nährstoffen.

Aufgeben sei trotz allem nicht in Frage gekommen. Denn Australien war der letzte Kontinent, der den Richners auf der Bikerennkarte noch fehlte – die beiden schafften in den letzten Jahren bereits den Trans Schwarzwald, den Trans Germany, dreimal den Trans Alp, zweimal den Cape Epic in Südafrika, den Brasil Ride und die Bike Challenge in der Mongolei. «Wir wollten die Crocodile Trophy unbedingt schaffen. Dass wir nach total 51 Stunden ins Ziel kamen, freute uns sehr», sagt Birgit Richner.

Durch Flüsse und Schlamm

Ihr Zustand verschlechterte sich nach der Siegerehrung rapide, vor dem Heimflug kippte sie um, rappelte sich dann aber auf und reiste mit ihrem Mann nach Hause. Daheim zeigte sie die Blessuren dem Gynäkologen, der sie ins Spital einliefern liess. Die Diagnose war rasch gestellt: Birgit Richner hatte eine starke Blutvergiftung, die sich von der Schamgegend aus bis zur Kniekehle ausgebreitet hatte. «Dass wir durch Flüsse fuhren, im Schlamm wateten und es oft staubig war, tat der wunden Stelle nicht so gut», meint Birgit Richner. Mehrere Operationen unter Vollnarkose hat sie mittlerweile hinter sich, «um das Gift herauszuziehen». Sie muss weiterhin Antibiotika und Schmerzmittel nehmen. Mittlerweile gehe es ihr aber besser.

Rückblickend würde sie genau gleich handeln, die Crocodile Trophy zu beenden versuchen. «Die Blutvergiftung entwickelte sich schleichend, das konnte ich ja nicht ahnen und die Ärzte vor Ort bemerkten auch nichts», sagt sie. So oder so sei der Event in Australien wie schon vor Rennbeginn geplant ihr letzter mehrtägiger gewesen. Bikeferien und Eintageswettbewerbe will sie mit ihrem Mann aber weiterhin machen. Sie wolle aber künftig auch vermehrt ihre Zeit als Grossmutter und den Garten geniessen. «Als man mich letzten Mittwoch in den Operationssaal schob, brachen alle Dämme. Mir wurde bewusst, wie viel Glück ich hatte, noch hier zu sein. Seither freue ich mich wieder bewusster an kleinen Dingen.»

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