Aargauer Eishockey
«Spiele sind dreckiger und emotionaler»: Das Aargauer Derby geht in die nächste Runde

Am Samstagabend (17:30 Uhr) treffen in Reinach die Red Lions auf die Argovia Stars. Während dem Heimteam der Saisonstart misslungen ist, läuft der Motor bei den Gästen warm. Mit einer klaren Angelegenheit rechnen jedoch beide nicht, denn das Derby schreibt seine eigenen Gesetze.

Nik Dömer
Drucken
Teilen
Die letzten zwei Derbys konnten die Argovia Stars für sich entscheiden.

Die letzten zwei Derbys konnten die Argovia Stars für sich entscheiden.

andy Müller / Andy Mueller

Eishockey Ausgerechnet vor dem Aargauer Eishockey-Derby steckt bei den Red Lions Reinach der Wurm drin. Der Saisonstart verlief nicht wie geplant. Drei Punkte aus fünf Partien sind zu wenig.

«Individuell sehe ich uns auf Augenhöhe mit den Stars»

Headcoach Michael Nider­öst will nichts beschönigen: «Wir haben die individuell bestbesetzte Mannschaft in der Vereinsgeschichte, aber das bringt uns nichts, denn wir kriegen unsere PS noch nicht richtig aufs Eis.»

Dafür hat der Trainer auch eine Erklärung: «Wir schiessen zu wenig Tore, kontrollieren das Spiel in der neutralen Zone zu wenig und unsere Flügelspieler müssen besser verteidigen. Wir kassieren zu viele Gegentore, die von der blauen Linie ausgehen.»

Reinach bringt die PS noch nichts aufs Eis.

Reinach bringt die PS noch nichts aufs Eis.

Ralph Ribi

Auch Königstransfer Marco Vogt, zuvor Captain beim höherklassigen EHC Basel, hat noch nicht den gewünschten Impact gebracht: «Er hatte in Basel eine ganz andere Rolle, er war eher der Vorbereiter. Bei uns darf und soll er ruhig etwas egoistischer sein. Diese Umstellung braucht noch ein bisschen Zeit.»

Königstransfer Marco Vogt muss sich in Reinach an eine neue Rolle gewöhnen.

Königstransfer Marco Vogt muss sich in Reinach an eine neue Rolle gewöhnen.

Ralph Ribi

Nideröst, der diese Saison erstmals einen Erstligisten coacht und zuvor selber Spieler der Red Lions war, hat inzwischen reagiert und ein drittes Training pro Woche angeordnet. «Es geht mir dabei vor allem darum, dass ich vermehrt individuell mit den Spielern arbeiten kann. Nur so können wir unsere Baustellen beheben.»

Bei den Red Lions ist aber nicht alles schlecht, die Formkurve stimmt den Trainer positiv: «Die 2:7-Niederlage gegen Wil war das wohl schlechteste Spiel, das ich je gesehen habe. Danach haben wir eine Reaktion gezeigt und gegen Bellinzona gewonnen. Zwar konnten wir den Aufwärtstrend gegen Burgdorf nicht bestätigen, ich habe aber trotzdem ein Team gesehen, das gekämpft hat. Die Intensität war da.»

Die Red Lions haben gegen die Stars einen speziellen Gameplan ausgeheckt.

Die Red Lions haben gegen die Stars einen speziellen Gameplan ausgeheckt.

andy Müller / Andy Mueller

Intensiv wird es auf jeden Fall am kommenden Samstag beim Heimspiel gegen die Argovia Stars. Da ist sich Nideröst sicher: «Bei Derbys muss ich gar nicht mehr zusätzlich anheizen, die Spieler sind sowieso schon genug heiss.» Angetrieben von den Derby-Emotionen hofft der Coach, dass seinem Team endlich die Initialzündung gelingt. «Es muss den Spielern bewusst werden, wie viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Individuell sehe ich uns auf Augenhöhe mit den Stars.»

Nideröst spricht deshalb deutliche Worte vor dem grossen Spiel gegen den Kantonsrivalen: «Ich erwarte einen Sieg gegen die Stars. Wir kennen ihre Stärken und haben in dieser Woche extra unseren Gameplan angepasst. Wir haben eine klare Idee, wie wir dieses Spiel für uns entscheiden können.»

«Spiele gegen Reinach sind dreckiger und emotionaler»

Roger Gerber weiss, in Reinach darf man sich nicht aufs Glatteis begeben. Das meint der Trainer natürlich nur im übertragenen Sinn, denn Gerbers Spieler sollen sehr wohl auf dem Eis der KEB Oberwynental den Ton angeben. Einfach wird das jedoch nicht: «Wir dürfen uns auf keine Spielchen einlassen. Das ist uns schon einmal vor zwei Jahren passiert und am Ende standen wir als Verlierer da. Und das Aargauer Derby wollen wir auf gar keinen Fall verlieren.»

Roger Gerber will, dass sein Team in Reinach mit viel Disziplin spielt.

Roger Gerber will, dass sein Team in Reinach mit viel Disziplin spielt.

Andy Mueller

Der Coach führt aus: «Reinach hat eine kleine Halle. Wenige Anhänger können für eine laute Atmosphäre sorgen und die Energie auf die Heimmannschaft übertragen. Hitzige Situationen gilt es deshalb zu vermeiden. Das Stadion darf nicht zum Hexenkessel werden, sonst wird es schwierig, dass wir kontrolliert unser Spiel durchziehen können.»

Doch Gerber macht sich nichts vor, schliesslich ist es ein Derby und der Gegner steht mit dem besten Kader der Vereinsgeschichte gegenüber: «Spiele gegen die Red Lions sind generell dreckiger, härter und emotionaler. Zudem rechne ich damit, dass sie nach schwierigem Saisonstart angriffslustig sein werden. Wir müssen auf alles gefasst sein und mit Disziplin an die Sache rangehen.»

Wittwer läuft heiss

Das Selbstvertrauen bei den Stars ist auf jeden Fall intakt: Der Saisonstart (acht Punkte in fünf Partien) verlief zwar nicht so erfolgreich wie in der letzten Saison, doch die Formkurve passt. Zuletzt gewann Gerbers Team zweimal in Serie: «Unsere Ausbeute ist nicht so effizient wie letzte Spielzeit, aber ich habe ein gutes Bauchgefühl. Ich denke, wir sind auf ähnlichem Level. Die Automatismen auf dem Eis greifen immer besser, unser Motor wird langsam warm.»

Pascal Wittwer hat in dieser Saison in jedem Spiel getroffen.

Pascal Wittwer hat in dieser Saison in jedem Spiel getroffen.

andy Müller / Andy Mueller

Heiss läuft dagegen bereits wieder Dauerbrenner Pascal Wittwer. In jedem Spiel hat er bislang getroffen, nach fünf Partien ist er bei sechs Treffern angelangt. Auch Rückkehrer Marc Gisin kommt immer besser in die Gänge, in den letzten zwei Partien konnte er je einen Treffer beisteuern. Und dann wäre da auch noch Leistungsträger Lars Neher (Bild rechts), der seit dieser Saison bei den Stars spielt: «Ein Center von seinem Format braucht Freiraum, damit er sich entfalten kann. Er ist gut im Team integriert, aber es braucht noch Zeit, bis er sein volles Potenzial ausschöpfen kann.»

Aktuelle Nachrichten