Challenge League

«Abgemacht war etwas anderes»: FCA-Trainer Patrick Rahmen ärgert sich über zu forsche Zielvorgabe der Klubführung

Hätte sich eine vorsichtigere Zielformulierung des Vereins gewünscht: Patrick Rahmen, Trainer des FC Aarau,

Hätte sich eine vorsichtigere Zielformulierung des Vereins gewünscht: Patrick Rahmen, Trainer des FC Aarau,

Nach dem Remis in Schaffhausen (0:0) und dem gewachsenen Abstand auf den Tabellenzweiten GC offenbaren sich beim FC Aarau Unstimmigkeiten über die Zielsetzung für die laufende Saison.

Der 24. November war ein guter Tag für den FC Aarau: erst das Doppel-Ja an der Urne zum neuen Stadion, danach das 0:0 im Auswärtsspiel gegen das zweitplatzierte GC mit der Erkenntnis, dass die Zürcher zwar mehr Punkte, aber nicht die bessere Mannschaft als Aarau haben.

Kurz darauf trafen sich FCA-Präsident Alfred Schmid, sein Vize Roger Geissberger, Bald-Präsident Philipp Bonorand, Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen, um die Ziele für die laufende Saison neu zu definieren. Vor der Saison hiess es nebulös, man wolle in der Tabelle so weit vorne wie möglich mitspielen.

Geissberger teilte der «Aargauer Zeitung» mit, was an der Sitzung des Quintetts herauskam: «Unser grosser Mangel ist die fehlende Konstanz. Wenn wir in diesem Punkt besser werden, ist ein Platz unter den ersten Drei weiterhin möglich. Rang 1 ist bei normalem Verlauf für Lausanne reserviert, sie haben mit Abstand das beste Kader der Liga. Wir schätzen uns jedoch als gut genug ein, um in der Spitzengruppe mitzumischen. Aber es braucht schon eine grosse Steigerung, um Platz 2 zu erreichen, der für die Teilnahme an der Barrage berechtigt.»

Seither hat der FC Aarau gegen Winterthur (2:2) und Schaffhausen (0:0) zwar zweimal nicht verloren, doch weil GC seinerseits das Punktemaximum holte, hat sich der Rückstand auf die Zürcher von acht auf zwölf Punkte vergrössert. Im besten Fall, wenn Aarau das abschliessende Vorrundenspiel gegen Chiasso gewinnen und GC den Spitzenkampf zuhause gegen Lausanne verlieren sollte, verkleinert sich der Abstand auf Rang 2 bis zur Winterpause auf neun Zähler. Was einer mehr wäre wie zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison.

Rahmen rudert zurück

Logisch, dass nach dieser Entwicklung die ambitionierten Zielvorgaben zwei Wochen nach deren Kommunikation bereits auf den FCA zurückkommen. Zum Ärger des Trainers, der genau dieses Szenario befürchtete. Nach dem 0:0 in Schaffhausen sagt Patrick Rahmen zur AZ: «Abgemacht war etwas anderes: dass wir so schnell wie möglich viele Punkte holen und uns in der Tabelle nach vorne orientieren wollen. Ich befürworte hohe Ambitionen, will selber immer das Maximum und ich garantiere, dass in der Mannschaft Leistungsdruck herrscht. Doch in unserer Situation die Barrage zum Ziel auszurufen, ist vermessen.»

Der Grund für Rahmens Ärger liegt auf der Hand: Hätte Aarau die Spiele gegen Winterthur und Schaffhausen gewonnen, wäre die forsche Zielsetzung kein Thema. Werden die Vorgaben jedoch irgendwann zur «Mission impossible» und letztlich verfehlt, fällt das in erster Linie auf den Trainer zurück. Erstaunlich ist Rahmens Rückzieher trotzdem: Denn Geissberger versicherte damals explizit, seine Aussagen seien stellvertretend für das an der Strategiesitzung anwesende Quintett.

Dass der FC Aarau nach der gewonnenen Stadion-Abstimmung gegen aussen seine sportlichen Ziele neu definierte, war prinzipiell richtig und wichtig. Nach diesem für die Klubzukunft wegweisenden Entscheid kann die Führung nicht kommunizieren à la «mal schauen», sondern muss Kante zeigen. Aber: Es wäre angesichts des Tabellenstandes wohl klüger gewesen, in der Kommunikation das Wort «Aufstieg» nur in Bezug auf die nächste Spielzeit zu nennen.

Neumayrs Forderung in Richtung Geissberger

Spannend, was der in Schaffhausen gesperrte FCA-Spielmacher Markus Neumayr zu diesem Thema meint. Er war am Freitagabend Gast im «Teleclub»-Studio und sagte, angesprochen auf die Zielsetzung «Barrage»: «Wir als Mannschaft haben unsere eigenen Ziele. Aber wenn wir uns hinstellen würden und sagen, dass wir Dritter oder Vierter werden wollen, würde das nichts bringen. Man sollte sich immer an den höchsten Zielen messen.» Und der 33-Jährige weiter: «Schon als ich im vergangenen Winter nach Aarau kam, habe ich gesagt, dass ich aufsteigen will. Mein Projekt in Aarau ist noch nicht beendet und ich werde mich im Winter nicht verabschieden. Aber klar ist auch, dass ich in die Super League zurück will.»

Abgeschrieben hat Neumayr die Barrage noch nicht: «Nun gilt es, das Heimspiel gegen Chiasso zu gewinnen und dann in der Winterpause die Kräfte zu bündeln.» Dabei erwartet Neumayr auch Unterstützung von der Klubführung: «Herr Geissberger hat das Ziel genannt, dann denke ich, er wird in der Winterpause Spieler dazuholen, die uns weiterbringen und die Defensive stabilisieren.» Das wäre eine Überraschung: Gemäss AZ-Infos ist mit der Verpflichtung von Shkelzen Gashi das Transferbudget für die Winterpause aufgebraucht.

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