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Abstieg durch Corona? Warum zwei ehemaligen Spitzenteams ein Horrorszenario droht

Falls die Saison nach der Herbstrunde abgebrochen wird, könnte der FC Lenzburg absteigen.

Falls die Saison nach der Herbstrunde abgebrochen wird, könnte der FC Lenzburg absteigen.

Noch vier Runden sind in der 2. Liga AFV bis zur Winterpause zu absolvieren. Käme es dann zu einem Abbruch, kommt es laut neuster Regelung des SFV zu einer Wertung. Besonders kurios wäre dabei, dass die zwei besten Aargauer Zweitliga-Vereine der letzten Saison womöglich absteigen könnten.

Die steigenden Corona-Fallzahlen stimmen derzeit nachdenklich. Auch der Schweizerische Fussballverband hat inzwischen reagiert und beschlossen, dass im Falle eines Abbruchs die Meisterschaften zu werten sind, wenn mindestens die Hälfte der Runden vollständig gespielt wurden. Im Falle der 2. Liga AFV wäre dies nach abgeschlossener Herbstrunde der Fall.

Das erste Etappenziel ist für Hannes Hurter, Geschäftsführer des Aargauischen Fussballverbandes AFV, zum Greifen nahe: «Wir haben von Anfang gesagt, dass wir diese Herbstrunde möglichst ohne Turbulenzen durchbringen möchten. Das haben wir nun fast geschafft.»

Ungefähr 20 Spielverschiebungen gab es innerhalb des AFV.

Ungefähr 20 Spielverschiebungen gab es innerhalb des AFV.

Generell mussten innerhalb des AFV nur wenige coronabedingte Massnahmen ergriffen werden: «Wir hatten ungefähr 20 Spielverschiebungen im Verband. Darüber können wir uns glücklich schätzen», betont Hurter. Zum Vergleich: Im Ostschweizer Fussballverband OFV kam es bereits zu rund 100 Spielverschiebungen. Allerdings reicht dort bereits ein Coronafall innerhalb einer Mannschaft, damit es zu einer solchen kommt.

Wenige Massnahmen beim AFV

Der AFV dagegen richtet sich nach dem Wettspielreglement, das eine Verschiebung erst ab sechs oder mehr Fällen innerhalb eines Teams vorsieht, und fährt damit bisher gut. Müsste die Saison nach der Herbstrunde dennoch abgebrochen werden, gibt es in der 2. Liga AFV Auf- und Absteiger: «Wir hätten dann immerhin ein sportlich faires Resultat, da alle gleich viele Partien absolviert haben. Natürlich hoffen wir, dass es weitergehen kann. Aber wir müssen mit diesem Szenario rechnen, es wäre für uns nicht überraschend, wenn die Saison abgebrochen werden muss.»

Es klingt verrückt, aber würde dieser Fall eintreten, müssten aktuell der FC Lenzburg als Tabellenschlusslicht und der FC Rothrist auf dem 13. Platz absteigen. Beide Teams waren in der vergangenen Spielzeit noch Ligaschwergewichte. Beim Stand vom Abbruch im vergangenen Frühling führte Lenzburg die Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung auf Rothrist an.

Trainer Oscar Muino wurde beim FC Rohtrist am vergangenen Donnerstag entlassen.

Trainer Oscar Muino wurde beim FC Rohtrist am vergangenen Donnerstag entlassen.

Tatsächlich könnte man meinen, dass beim FC Rothrist aufgrund der Entwicklungen dieser Tage etwas Nervosität aufkommt: Am Donnerstag entliess der Verein Trainer Oscar Muino. Doch Präsident Vitali Roberto verneint: «Nein, damit befassen wir uns gar nicht. Keiner kann zum aktuellen Zeitpunkt sagen, wie die Lage in vier Monaten aussieht. Wenn es soweit kommt, dass wir den Weg über die 3. Liga gehen und uns neu aufbauen müssen, dann akzeptieren wir das so.»

Mit nur acht Punkten aus zehn Partien sei es nun einfach an der Zeit gewesen, etwas zu verändern. «Es ist klar, dass wir von der individuellen Klasse her nicht in den Keller gehören. Wir wollen so schnell wie möglich über den Strich und danach den Klassenerhalt realisieren», betont Vitali. Dies sei nun die Aufgabe von Trainer Nicola Nocita, der bis zur Saison 2022/23 unterschreiben wird. 

Gelassenheit beim FC Lenzburg

In Lenzburg versucht man gelassen mit dem drohenden Szenario umzugehen: «Uns war bewusst, dass diese Saison gewertet werden kann. Wenn wir nach dem 14. Spieltag immer noch im Keller sind, dürfen wir uns nicht beklagen», erklärt Trainer Samuel Drakopulos. Erstaunliche Worte, wenn man bedenkt, dass sich Lenzburg noch vor wenigen Monaten als Wintermeister einen Aufstieg am grünen Tisch erhoffen durfte. Drakopulos war zwar im vergangenen Frühling noch nicht im Amt, jedoch mit dem FC Frick (3. Liga) in einer identischen Situation.

Samuel Drakopulos erlebt einen schwierigen Start beim FC Lenzburg.

Samuel Drakopulos erlebt einen schwierigen Start beim FC Lenzburg.

Doch nun droht ihm im schlimmsten Fall der Abstieg: «Ich könnte mich darüber ärgern, dass jetzt gewertet wird und in der vergangenen Saison nicht. Aber das bringt mir nichts. Ich habe hier mit einem Dreijahresplan unterschrieben. Wenn der Weg über die 3. Liga führt, dann ist das halt so.»

Dennoch gibt er sich optimistisch: «Ich glaube an das Team. Die Leistungen stimmen, wir belohnen uns einfach nicht. Ausserdem fällt unser bester Knipser fast für die gesamte Hinrunde aus, das ist eine grosse Hypothek. Vor allem in der Summe mit den Abgängen vor der Saison. Wir sind kein Aufstiegsanwärter mehr, das habe ich schon vor dieser Spielzeit betont.»

Drakopulos ist trotzdem überzeugt, dass seine Mannschaft auf gutem Weg ist: «Zuletzt war eine Aufwärtstendenz erkennbar. Es sind noch fünf Partien zu spielen, da gibt es noch viele Punkte zu holen.» Einen möglichen Abstieg durch Abbruch möchte der Trainer mit seinem Team nicht thematisieren. «Solche Spekulationen bringen uns unnötig aus der Ruhe. Ich denke auch nicht, dass das für die Spieler eine zusätzliche Belastung ist. Wir haben noch fünf Partien zu spielen, darauf müssen wir uns fokussieren. Es gibt viele Punkte zu holen.»

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