Der FC Aarau macht es den Berichterstattern in dieser Saison einfach: Copy-Paste! Das Fazit ist immer dasselbe: Anständig gespielt, trotzdem verloren! Der Aufwand für die Reporter besteht lediglich darin, die Namen der Gegner auszuwechseln und die Bilanz des Schreckens zu aktualisieren. Und so heisst es nach dem elften Spieltag und dem 1:3 gegen Servette: Niederlage Nummer neun und nun sieben Punkte Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz. Der Abstand aufs rettende Ufer könnte gar noch grösser werden, wenn am Sonntag Chiasso gegen Wil punktet.

Es ist verhext! Abgesehen vom Totalausfall gegen Chiasso am sechsten Spieltag war keine der neun Niederlagen zwingend. Aber es war halt auch keine unverdient: Die Naivität, mit der die Aarauer sich die Tore Wochenende für Wochenende quasi selber reinhauen - Wahnsinn! Und der Leichtsinn, mit dem vielversprechende Konter und die Torchancen vergeben werden - unbegreiflich! 

60:40 Prozent Ballbesitz, 8:2 Eckbälle, 19:8 Torschüsse: Servette war ohne Wenn und Aber die dominante Mannschaft. Doch die Genfer hätten sich nicht beschweren können, wenn es vor ihrem Ausgleichstreffer 2:0 für Aarau gestanden hätte. Stefan Maierhofer, der in der 34. Minute aus dem Nichts die Führung für die Gäste erzielte, hat unmittelbar vor dem 1:1 den zweiten Treffer für Aarau auf dem Kopf. Stattdessen trifft in der 58. Minute Servette-Flügel Stevanovic. Das Gleiche vor dem 2:1 für Servette: Sturm-Veteran Maierhofer (36) köpfelt aus wenigen Metern den Goalie an. Kurz darauf, in der 83. Minute, spaziert Severin durch die FCA-Abwehr und trifft. Auch danach hat Aarau Chancen - besser gesagt: Die Offensivkräfte schludern bei zwei vielversprechenden Kontern. Das i-Tüpfelchen auf die eigene Dummheit ist das 3:1 für Servette in der Nachspielzeit, bei dem dann sogar der zuvor starke Aarau-Goalie Nikolic danebengreift.

"Auch gegen die beste Mannschaft der Liga hätten wir punkten, ja siegen können. Aber einmal mehr belohnen wir uns nicht", sagt FCA-Trainer Patrick Rahmen, "der Schlüsselmoment war das verpasste 2:0. Im Gegenzug steht es 1:1. Es ist verflixt, erneut waren wir ebenbürtig. Aber davon können wir uns nichts kaufen."

Trotz der Wiederholung der Ereignisse - etwas hat dann doch überrascht: Nach dem 1:0, das zwar aus dem Nichts kam, dank leidenschaftlicher Abwehrarbeit aber verdient war, spielten die Aarauer bis zur Pause mit breiter Brust. Die Spieler trauten sich aus der eigenen Hälfte und wussten mit Ballstafetten zu gefallen. Doch nach der Pause war davon nichts mehr zu sehen: Statt das Selbstvertrauen mit in die zweite Halbzeit zu nehmen, igelten sich die Aarauer ohne Not wieder vor dem eigenen Strafraum ein. Nur dank Goalie Nikolic und Unvermögen im Abschluss erzielte Servette nicht schon früher den Ausgleich.

Warum der Rückfall in Angsthasen-Fussball? Rahmens Erklärung: "Wir wussten, dass Servette nach der Pause viel Druck machen wird und wollten zuerst wieder defensiv sicher stehen." Dieser Schuss ging nach hinten los. Bei der geballten Klasse im Servette-Sturm ist Rückzug kein gutes Mittel.

Das Unglück des FC Aarau nahm schon vor dem Anpfiff seinen Lauf: Beim Einlaufen zwickte es Goran Karanovic in der Leiste, so dass Mickael Almeida in die Startelf rutschte und Trainer Patrick Rahmen eine Wechseloption für die Offensive verlor. Almeida war denn auch in Genf ein Schatten seiner Vorschusslorbeeren, ja er war mit seinen vielen Ballverlusten ein Ärgernis. 

Und so bringt das Unvermögen seiner Spieler den Trainer immer mehr in die Bredouille: Die Bosse haben Rahmen in der Länderspielpause trotz dem schlechtesten Saisonstart der FCA-Geschichte das Vertrauen ausgesprochen. Mit der Forderung: jetzt müssen Punkte her. Nach der Niederlage beim besten Team der Liga wird Rahmen kaum entlassen. Das wäre unfair und unlogisch. Doch in den kommenden zwei Spielen gegen Wil und in Chiasso muss die Trendwende erfolgen - egal wie! 

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