FC Aarau

Appell an FCA-Trainer Marinko Jurendic: Es ist nicht die Zeit für Selbstmitleid

FCA-Coach Marinko Jurendic.

FCA-Coach Marinko Jurendic.

Nach dem 0:1 in Wil, der dritten Niederlage in Folge, zeigt der FCA-Trainer Marinko Jurendic ungewohnte Emotionen.

Freitagabend kurz vor 22.30 Uhr: Marinko Jurendic erscheint auf der Haupttribüne der IGP Arena in Wil. Der Trainer des FC Aarau blickt gedankenverloren ins weite Rund des Stadions. Was er wohl denkt nach dem 0:1 gegen Wil? Was geht in ihm vor nach der dritten Nullnummer des FC Aarau in Folge durch den Kopf?

Ich nähere mich Jurendic so vorsichtig wie möglich. Er sieht mich. Wir sprechen miteinander. Zuerst ruhig und sachlich, dann emotional: Von einem Moment auf den andern bricht es aus ihm heraus! Wie aus einem Vulkan! Der 40-Jährige hat sich zwar jederzeit im Griff, ist aber sichtlich aufgewühlt. Von der öffentlichen Kritik, vor allem von der Berichterstattung der «Aargauer Zeitung» sei er enttäuscht. Er fühle sich schlecht behandelt, spricht von
Unfairness und von Giftpfeilen.

Marinko Jurendic, ich muss Ihnen sagen: Es ist nicht die Zeit für Selbstmitleid! Der Fussball im Profibereich ist kein Kuschelzoo. Sie selbst haben sich vor der Saison einen Platz in den Top 3 zum Ziel gesetzt, ja sogar das Wort «Spektakel-Fussball» in den Mund genommen. Sie selbst haben in den vergangenen Wochen gesagt, das Kader sei nun ausbalanciert und sie haben immer wieder von Fortschritt und Entwicklung geredet. Aber Rang 3 ist in weiter Ferne. Und von Fortschritten und Entwicklung ist nichts, rein gar nichts zu sehen.

Der FC Aarau ist eine blutleere, harmlose Mannschaft, von der sich das Publikum abwendet. Statt sich zu beschweren, blauäugig in die Zukunft zu schauen und alles schön zu reden, sollten Sie sich lieber den Problemen stellen. Üben Sie Selbstkritik! Die Spieler des
FC Aarau lassen es an jeglicher Leidenschaft vermissen. Der unbändige Sieges-Willen ist nicht spürbar. Machen Sie Ihre Mannschaft endlich heiss. Zeigen Sie Emotionen gegenüber
den Spielern, statt den Journalisten Vorwürfe zu machen.

Was die Zukunft betrifft, haben Sie die Wahl: Entweder Sie gewöhnen sich ans Stahlbad im professionellen Klubfussball oder Sie ziehen sich dorthin zurück, wo sie her kommen: In die Wohlfühloase Schweizerischer Fussballverband. Dort können Sie sich in aller Ruhe und ohne Resultatdruck mit Papierkram und Paragraphen befassen, Ordner wälzen sowie Spielsysteme, Konzepte und Strategien entwickeln.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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