Berufsfussballer haben zwei Leben. Sagt man. Das erste Leben geht während der aktiven Karriere über die Bühne und ist voll und ganz dem Sport gewidmet. Im zweiten Leben ist der ganz grosse Spass vorbei. Dann gilt es richtig ernst. Und dieses zweite Leben rückt für den 34-jährigen Alain Schultz immer näher.

«Es ist an der Zeit, die Zukunft zu planen», sagt er selbst. «Mein Vertrag mit dem FC Wohlen dauert nur noch bis Ende dieser Saison. Es wäre schön, wenn ich ein weiteres Jahr in der Challenge League spielen könnte. Gleichzeitig möchte ich aber auch noch eine Tätigkeit neben dem Fussball ausüben. Ich weiss genau, dass für mich spätestens 2018 ein neuer Lebensabschnitt beginnen wird.»

Alain Schultz würde gerne noch eine Saison in der Challenge League spielen.

Alain Schultz würde gerne noch eine Saison in der Challenge League spielen.

Aber was tun im zweiten Leben? Schultz lächelt schelmisch. Was geht da bloss in seinem Kopf vor? Hat er etwa schon einen Job in Aussicht? «Nein», sagt Schultz. «Einen Job habe ich nicht in Aussicht. Schliesslich möchte ich noch ein Jahr als Profi für den FC Wohlen spielen. Allerdings habe ich vor kurzem eine anderthalbjährige kaufmännische Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen. Das ist zumindest einmal eine gute Basis für den ersten Schritt in eine neue Berufsrichtung.»

Leben Nummer zwei ist nach Aussage von Schultz zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mehr als Zukunftsmusik. Momentan hat der Captain des FC Wohlen andere Ziele vor Augen. Genauer gesagt zwei Ziele! «Der Ligaerhalt mit dem FC Wohlen hat in den nächsten Wochen höchste Priorität», erklärt Schultz. «Da gibt es aber auch noch ein anderes Ziel. Ein Ziel, das mit Gefühlen, ja sogar mit Emotionen verbunden ist.»

Was denn? «Es wäre wunderschön, wenn ich mit dem FC Wohlen vor meinem Rücktritt wenigstens einmal den Kantonsrivalen Aarau schlagen könnte», fügt er hinzu. «Das wäre nicht nur für mich, sondern auch für alle Funktionäre und Mitglieder des Vereins, für die Fans und für die Region Freiamt eine grosse Genugtuung.»

Leichter gesagt als getan: Seit 2010 trafen die zwei Kantonsrivalen in der Meisterschaft 15 Mal aufeinander: Der FC Aarau gewann elfmal und spielte viermal unentschieden. Auf einen Sieg des FC Wohlen wartet man bisher also vergeblich. Warum soll es nicht ausgerechnet im 16. Anlauf am morgen Samstag im Brügglifeld klappen? «Ja, warum nicht», sagt Schultz. «Aber jedes Mal, wenn ich wirklich das Gefühl hatte, dass Wohlen gewinnen könnte, lief irgendetwas schief. Deshalb möchte ich mich diesmal zur Ausgangslage nicht äussern.»

Werbebotschafter Alain Schultz?

Kommen wir nochmals zurück zur Planung von Schultz für sein Leben nach dem Fussball: Lassen wir die Katze doch noch aus dem Sack – sollte der FC Wohlen seinen Platz in der Challenge League in den nächsten Jahren verteidigen, könnte man sich durchaus vorstellen, dass Schultz in die Fussstapfen seines Göttis Karli Odermatt treten wird. Die Fussball-Legende des FC Basel, die mit den Rotblauen in den 1970er-Jahren einen Erfolg an den anderen reihte, machte sich in den vergangenen Jahrzehnten als Repräsentant und Werbebotschafter einen Namen.

Karli Odermatt war in den 70er Jahren mit dem FC Basel erfolgreich.

Karli Odermatt war in den 70er Jahren mit dem FC Basel erfolgreich.

Warum soll Schultz beim FC Wohlen nicht die gleiche Tätigkeit ausüben wie Odermatt beim FC Basel? «Das ist wirklich eine gute Idee», sagt Schultz. «In einem Gespräch mit den Klubverantwortlichen habe ich vor kurzem auch schon mal über eine mögliche Tätigkeit im Bereich Marketing gesprochen. Einerseits wohne ich in Wohlen, andererseits liegt mir das Wohl des FC Wohlen wirklich am Herzen. Schauen wir mal, was die Zukunft bringen wird.»

Klar ist, dass Schultz die Rolle des Werbebotschafters wie auf den Leib geschnitten ist. Bevor der Publikumsliebling des FC Wohlen aber die Werbetrommel schlagen kann, muss erst einmal sein Vertrag für die kommende Saison verlängert werden. Der Grund, warum die Zusammenarbeit zwischen dem Freiämter Challenge-League-Klub und seinem Aushängeschild noch nicht in trockenen Tüchern ist, liegt auf der Hand: Noch ist nicht klar, ob der FC Wohlen auch in der Meisterschaft 2017/18 in der zweithöchsten Spielklasse mit dabei ist.

Der Kampf um den Ligaerhalt auf und der Kampf um die Lizenz neben dem Spielfeld ist in vollem Gang und wird wohl erst Ende Mai/Anfang Juni entschieden. Schultz muss also Geduld haben. Aber wie heisst eines der ältesten Sprichwörter so schön und so treffend: Geduld bringt Rosen.