Die 20. Minute: Olivier Jäckle spielt den Ball herrlich in die Tiefe in den Lauf von Varol Tasar. Tasar läuft in Richtung Grundlinie und bedient mittels Flachpass den im Fünfmeterraum völlig freistehenden Goran Karanovic. Sekundenbruchteile später schiesst die Aarauer Neuerwerbung den Treffer zum 1:1. Dann zirkelt Tasar den Ball mit einem Schlenzer knapp am Tor vorbei. Ein Grossteil der 2250 Zuschauer im Brügglifeld schöpft Mut und feuert den FCA an. Siehe da: Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Das Tor zum 2:1 für den FC Aarau liegt in der Luft.
Aber es kommt anders, ganz anders.

Wie schon so oft in dieser Saison – kurz vor der Pause hat Xamax’ Bester Geoffrey Tréand eine Freistoss-Möglichkeit nahe der Corner-Fahne. Samir Ramizi sprintet gedankenschnell an den vorderen Pfosten und köpfelt den Ball zum 2:1 für die Neuenburger in die Maschen. Ein Aarauer sieht während dieser im Endeffekt matchentscheidenden Szene schlecht aus. Es ist Elsad Zverotic. Der Mann, der gegen Xamax für den verletzten Gianluca Frontino die Captain-Binde trägt. Der Mann, dem es im Alter von 31 Jahren wirklich nicht an Erfahrung fehlt. Der Mann, der im zentralen Mittelfeld zusammen mit dem feinen Techniker Jäckle eine der beiden Sechserpositionen innehat. Der Mann, von dem Aarau-Trainer Patrick Rahmen so viel erwartet. Der Mann, der vor der Saison so viele Vorschusslorbeeren bekam, aber zum jetzigen Zeitpunkt vor allem mit sich selbst zu kämpfen hat.

Elsad Zverotic (rechts hinten) wird den Erwartungen nicht gerecht...

Elsad Zverotic (rechts hinten) wird den Erwartungen nicht gerecht...

Rahmen hält grosse Stücke auf Zverotic und sagt: «Der FC Aarau braucht in dieser schwierigen Phase routinierte Spieler. Spieler mit Erfahrung! Zverotic hat viel Erfahrung.» Zverotic selbst sieht es ähnlich wie der Trainer und will nach eigener Aussage ein Vorbild für die jungen Spieler sein, ihnen Vertrauen geben und vorangehen. Aber kann er das wirklich? Zweifel sind erlaubt.

Es ist nicht so, dass es ihm an Einsatz, Kampfgeist und Willensstärke fehlt. Er ist präsent, hat viele Ballkontakte und damit auch viel Einfluss auf das Geschehen. Aber sein Spiel ist zu fehleranfällig. Und, bei allem Respekt, Zverotic ist nicht mehr der Schnellste und kommt oft einen Schritt zu spät. Böse Zungen behaupten sogar, dass er sich seit Beginn der Saison nur noch über das Spielfeld schleppt.

Einfallslos und stumpf

Diese Behauptung mag überspitzt sein, aber Zverotic ist alles andere als das Herzstück des FC Aarau. Er ist auch alles andere als ein Halt. Im Gegenteil. Er ist sinnbildlich für den Zustand des momentan verunsicherten, ja hilflosen Teams. Und so bleiben unter dem Strich trotz dem einen oder andern Lichtblick zwiespältige Gefühle. Der FC Aarau wirkt in der aktuellen Verfassung vor allem einfallslos und wirkt stumpf.

Goran Karanovic – ein Lichtblick in dunklen Zeiten beim FC Aarau.

  

Mal ganz ehrlich: Nach dem Gegentreffer zum 1:2 hatte der FC Aarau während der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zu bieten. Karanovic verpasste das 2:2 nach einem Energieanfall von Joker Mickael Almeida nur knapp (48.). Und gegen Ende der Partie versuchte man es noch mit der Brechstange. Aber alles in allem brachte ein biederes Xamax den knappen Vorsprung auf souveräne Art Weise über die Zeit.

Mehr noch: Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Neuenburger nicht mehr taten als unbedingt nötig. Für den Superligisten war Pflicht statt Kür angesagt. Trainer Michel Decastel leistete sich sogar den Luxus, in der Startformation auf Goalgetter Raphaël Nuzzolo und Mittelstürmer Gaëtan Karlen zu verzichten. So braucht der FC Aarau wohl ein kleines Wunder, um am nächsten Freitag im Auswärtsspiel gegen den Challenge-League-Leader Lausanne bestehen zu können. Rahmens Team droht im Duell Erster gegen Letzter die siebte Niederlage im siebten Meisterschaftsspiel.

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