Erstliga-Fussball

Ausraster wegen nicht gegebenem Penalty? Wohlen-Trainer Thomas Jent sieht rot und ist entsetzt

Wohlen-Trainer Thomas Jent kassierte gegen Solothurn nach dem Schlusspfiff eine rote Karte.

Wohlen-Trainer Thomas Jent kassierte gegen Solothurn nach dem Schlusspfiff eine rote Karte.

Der Trainer des FC Wohlen wird nach dem 1:0 gegen Solothurn vom Platz gestellt und versteht die Welt nicht mehr. Als Wiederholungstäter drohen dem 49-Jährigen nun mindestens zwei Spielsperren.

Thomas Jent gilt als ange­nehmer, ruhiger und sachlicher Zeitgenosse. Der Trainer des FC Wohlen lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Jent bestätigt das, bezeichnet sich selbst aber vor allem als Gerechtigkeitsfanatiker. Fühlt sich der 49-Jährige ungerecht behandelt, kann er schon mal aus der Haut fahren.

Vielleicht ist Jent also tatsächlich nicht nur ein ange­nehmer, ruhiger und sachlicher Zeitgenosse. Vielleicht kann er auch anders. Ganz anders. Vielleicht ist er sogar ein kleiner Vulkan. In den eineinhalb Jahren als Trainer des Freiämter Erstligisten ist er jedenfalls schon zweimal aus der Haut gefahren.

Vor knapp einem Jahr leistete er sich im Heimspiel gegen den FC Baden (2:2) einen Ausraster und sah deshalb die rote Karte. Und am vergangenen Samstag wurde er im Heimspiel gegen den FC Solothurn (1:0) nach einer turbulenten, hektischen und emotionalen Schlussphase erneut vom Schiedsrichter vom Platz gestellt.

Führte ein verweigerter Handspenalty zum Ausraster?

Was ist passiert? Kurz vor Schluss führt der FC Wohlen gegen Solothurn 1:0. Solothurn drückt gegen Ende der Partie auf den Ausgleich. Nach einem Konter in der Nachspielzeit liegt der zweite Treffer für die Freiämter in der Luft. Glaubt man den Aussagen des einen oder anderen Wohler Fans, zappelt der Ball schon fast im Netz, als ein Verteidiger der Solothurner das zweite Tor des Heimklubs mit einem Handspiel verhindert. Und was macht Schiedsrichter Clovis Aebi? Er lässt das Spiel zum Entsetzen von Jent weiter laufen.

«Das war ein klarer Penalty», sagt der Trainer des FC Wohlen. «Alle haben es gesehen. Nur der Schiedsrichter nicht.» Thomas Jent reklamiert und schimpft wie ein Rohrspatz. Seine Nerven liegen blank. Und als sich die fünfminütige Nachspielzeit dem Ende nähert, nimmt er den Schiedsrichter ein zweites Mal aufs Korn und schreit: «Schiri, pfeif endlich ab!»

Schliesslich bleibt es beim 1:0-Erfolg von Wohlen. Jent geht nach dem Schlusspfiff in Richtung Schiedsrichter und will ihm nach eigener Aussage für die Spielleitung danken und die Hand drücken. Sekunden später zeigt der 26-jährige Aebi nach Rücksprache mit einem seiner Assistenten Jent die rote Karte.

«Der Trainer des FC Wohlen hat sich gegen Ende des Spiels und nach dem Schlusspfiff unsportlich verhalten», sagt Aebi. «Deshalb habe ich ihm die rote Karte gezeigt.» Angesprochen auf das Gerücht, dass Jent ihn körperlich attackiert habe, entgegnet Aebi: «Nein, Herr Jent hat mich nicht angegriffen. Sein Verhalten gegenüber meinem Assistenten und mir war unsportlich, unfair und respektlos. Das habe ich in meinem Spielrapport so festgehalten.»

Schon die zweite rote Karte für Jent

Für Jent ist es in den anderthalb Jahren als Trainer beim FC Wohlen die zweite rote Karte. Er wurde bereits vor knapp einem Jahr beim 2:2 im Heimspiel gegen Baden nach gut einer Stunde vom Platz gestellt. Nach einem nicht geahndeten Foul von Badens Dejan Jakovljevic an Wohlens Adijan Keranovic verlor Jent die Nerven und hatte sich kurzzeitig nicht mehr im Griff.

Er schnappte sich den Ball, schoss diesen in Richtung Spielfeld und hatte insofern Glück, als dass er mit Ronny Minkwitz einen Spieler des FC Wohlen traf. Schiedsrichter Mehmet Ljatifi hatte damals nach eigener Aussage das Gefühl, dass Jent den Ball in Richtung Schiedsrichter-Assistenten geschossen hat.

«Das Verhalten von Thomas Jent war meiner Meinung nach respektlos», sagte Ljatifi damals. «Ich musste den Trainer des FC Wohlen deshalb vom Platz stellen.»

Jent zeigte sich nach dem ersten Ausraster reumütig und entschuldigte sich für sein unsportliches Verhalten. Er erhielt eine Spielsperre. Nach dem zweiten Ausraster im Spiel gegen Solothurn fühlt er sich ungerecht behandelt.

Ob Unschuldslamm oder nicht; als Wieder­holungstäter muss er diesmal mit zwei Spielsperren rechnen. Mindestens!

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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