Fussball 1. Liga

Baden-Tor statt Aarau-Bank: Der 17-jährige Marvin Hübel ist die neue Nummer 1 im Esp

Neue Nummer 1 im Badener Tor: Marvin Hübel.

Neue Nummer 1 im Badener Tor: Marvin Hübel.

Auf die neue Saison hin hat der FC Baden wenige Wechsel zu vermelden. Zwei davon betreffen allerdings die Torhüter. Einer von ihnen ist das grosse Talent Marvin Hübel. Der 17-Jährige startet heute mit seinem neuen Team gegen den FC Schötz (ab 16.00 Uhr im Liveticker) in die neue Spielzeit.

Er kommt in Shorts und weissem T-Shirt, eine Jeansjacke liegt lässig über seinem Arm. Rund um den Aarauer Bahnhof ist es schweisstreibend heiss. An diesem Vorabend kommt es zu grossen Verspätungen, es fallen Züge aus. Das Pendlervolk ist aufgebracht. Er aber, er bleibt cool. Er, das ist Marvin Hübel, Torhütertalent des FC Aarau. Die nächste Saison bestreitet er aber als Leihspieler beim FC Baden. Dort will er Leistungsträger sein.

Den grossen Umbruch erlebt der FC Baden auf die am Samstag beginnende Saison hin nicht. Das Gros der Mannschaft bleibt zusammen, ist eingespielt und gewillt, im Kampf um den Aufstieg in die Promotion League entscheidend mitzureden. Neu sind die beiden Torhüter: Gabriele D’Ovidio, 24, stösst vom FC Sursee ins Esp und wird die Nummer 2 sein. Vor ihm steht mit Marvin Hübel, 17, ein junger Mann, der über äusserst viel Talent verfügt. Hübel hat beim FC Aarau in der U18 gespielt und mit der 1. Mannschaft einige Testspiele absolviert. Nach Nicholas Ammeter, die derzeitige Nummer eins beim FCA, und Joel Bonorand, neu bei YF Juventus, ist er bereits der dritte Torhüter hintereinander, der von Aarau nach Baden ausgeliehen wird, um Spielanteile zu erhalten.

In Aarau steht ihm Ammeter vor der Sonne

«In meinem Alter ist die Spielpraxis zentral», sagt Hübel. Er freut sich, als 17-Jähriger bereits die Chance zu er­halten, im Erwachsenen-Fussball Fuss fassen zu können. Dass es mit dem FC Baden ein Verein aus der 1. Liga ist, stimmt ihn zusätzlich glücklich. Er sagt, für beide Parteien sei dies eine sehr gute Lösung. Beim FC Aarau hätte er wohl auch in der neuen Saison den bisherigen Stammtorhüter Nicholas Ammeter nicht von dessen Posten verdrängen können und hätte mehrheitlich auf der Bank Platz genommen. Und mit Simon Enzler wäre die Konkurrenz ja noch grösser geworden.

Nicholas Ammeter

Nicholas Ammeter

Dass Marvin Hübel Qualitäten hat, ist unbestritten. Während der ver­gangenen Saison kam auch die Frage auf, ob nicht er anstatt Ammeter beim FCA zwischen den Pfosten stehen sollte, die Verantwortlichen vollzogen den Wechsel aber nicht, Hübel stand weiterhin für die U18 auf dem Platz. Er spielt auch in der Schweizer U17-Nati, hat für die Landesauswahl seit Stufe U15 insgesamt 15 Einsätze bestritten. Weitere sollen folgen.

Beim FC Baden wird er die neue Nummer 1 sein. So ist es abgemacht. Im Gespräch schätzt Hübel seine Stärken ein und sagt: «Ich bin gut in den 1-gegen-1-Situationen und habe eine natürliche Ausstrahlung, die man nicht unbedingt lernen kann. Die hat man einfach.» Und wo muss er sich noch verbessern? «Überall», sagt Hübel und lacht, um dann zu präzisieren: «Ich will mich vor allem in Bezug auf das Durchsetzungsvermögen verbessern.» Damit meint er beispielsweise die Kommandos, die er seinen Mitspielern gibt.

Noch nicht bereit für das Abenteuer Deutschland

Am Samstag beginnt für ihn und den FC Baden die Saison. Ziel sind die Aufstiegsspiele, wenn möglich sogar der Aufstieg in die Promotion League. So sieht es der bei der Verpflichtung von Ranko Jakovljevic erstellte Drei-Jahres-Plan vor. Der Chef an der Seitenlinie kann auf ein junges, aber auf Stufe
1. Liga auch bereits sehr erfahrenes Kader zählen.

Ranko Jakovljevic (Trainer) im Spiel FC Baden gegen den FC Red Star aufgenommen im Stadion Esp in Baden am 25. August 2018.

Baden-Trainer Ranko Jakovljevic.

Ranko Jakovljevic (Trainer) im Spiel FC Baden gegen den FC Red Star aufgenommen im Stadion Esp in Baden am 25. August 2018.

Dass Hübel mit an Bord ist, mag auf den ersten Blick wenig überraschend sein, eben, weil auch schon andere FCA-Talente das Baden-Tor gehütet haben. Doch so selbstverständlich ist das nicht: Vor eineinhalb Jahren gab es ein konkretes Angebot aus Deutschland. Nach reiflicher Überlegung hat Hübel aber abgesagt, weil er sich «noch nicht bereit gefühlt» habe. Gut möglich, dass er dort weniger zum Spielen gekommen wäre als nun bei Baden.

Hübel ist aber weiterhin in der Schweiz und sein Traum lebt weiter: Mit dem Geld vom Fussball leben zu können. Vielleicht kann er das eines Tages. Dank des Umwegs über Baden.

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