Nach vier Siegen in Serie und dem 2:2 gegen ein starkes Lausanne-Sport haben Trainer und Spieler des FC Aarau nur ein Ziel: Im Heimspiel gegen Vaduz wollen sie zum Siegen zurückkehren, um die Aussichten auf eine sportlich brisante Rückrunde zu wahren. Es ist das Duell Achter gegen Sechster. Zwei Punkte trennen die Mannschaften in der Tabelle, mit einem Sieg könnte Aarau die Liechtensteiner überholen.

Aarau gegen Vaduz – es ist auch das Duell zweier Mannschaften, welche die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten. Und zwar von Anfang an: Der FCA legte mit sechs Niederlagen en suite den schlechtesten Saisonstart der Geschichte hin. Der FC Vaduz holte in der gleichen Periode zwar sieben Punkte, aber auch das war viel zu wenig angesichts der Aufstiegsambitionen im Ländle.

«Was tun?», fragten sich die Klubverantwortlichen. Die Antworten waren unterschiedlich: In Aarau hielt man an Trainer Patrick Rahmen fest. In Vaduz musste Roland Vrabec gehen.

Fricks erster Sieg: ausgerechnet gegen Aarau

Welcher Klub hat die bessere Entscheidung getroffen? Gemessen an der Punktzahl, der wichtigsten Währung im Fussball, eindeutig der FC Aarau: In den vergangenen zehn Spielen holte Patrick Rahmens Mannschaft 17 Punkte. Mario Frick, der in Vaduz Vrabec ablöste, gewann in der gleichen Zeit nur 12 Punkte und somit 0,5 weniger pro Spiel als Rahmen.

Noch deutlicher wird’s, wenn man den Effekt der beiden Entscheidungen analysiert: Aarau gewann seit dem Bekenntnis pro Patrick Rahmen 1,7 Punkte mehr pro Spiel als zuvor. Vaduz hingegen konnte den Punkteschnitt nur marginal verbessern, von 1,16 Punkten unter Vrabec auf 1,2 unter Frick.

Kleines Trostpflaster für die Liechtensteiner: Das erste Direktduell mit Aarau am 30. September gewannen sie – und zwar mit 2:1. Es war gleichzeitig der erste Sieg unter dem neuen Trainer Mario Frick.

Nur Sion profitiert vom Wechsel

In der Challenge League hat neben Vaduz auch Chiasso einen Trainerwechsel hinter sich. Ein Punkt aus den zwei Spielen unter dem neuen Andrea Manzo ist zwar bescheiden, aber für eine Bilanz ist es im Tessin noch zu früh.

Anders in der Super League: Drei Klubs haben die gängigste, weil einfachste Massnahme bei Erfolglosigkeit ergriffen und den Trainerstuhl neu besetzt. Mit unterschiedlichem Effekt: Seit Marcel Koller am 3. Spieltag erstmals an der Seitenlinie stand, holte der FC Basel in 14 Spielen durchschnittlich 1,64 Punkte. Dazu verlor Koller beide Spiele gegen YB, das eine mit dem Jahrhundert-Resultat von 1:7. Und so weit hinter dem Tabellenführer wie in dieser Saison (19 Punkte) lag der FC Basel in diesem Jahrtausend noch nie.

Auch Lugano und naturgemäss der FC Sion haben schon Trainerwechsel hinter sich. Im Tessin holte Fabio Celestini in sieben Spielen im Schnitt weniger Punkte als Vorgänger Guillermo Abascal (1:0 vs 1,1). Nur im Wallis hatte der Trainerwechsel einen positiven Effekt: Murat Yakin gewann in 10 Spielen durchschnittlich 1,4 Punkte, Vorgänger Maurizio Jacobacci nur 1 pro Spiel.

Sportchef Burki ging «all in»

Trainerwechsel sind keine Garantie auf Verbesserung. Das war eines der Argumente, mit dem die Verantwortlichen des FC Aarau den Verbleib von Patrick Rahmen begründeten. Zur Erinnerung: Der im Sommer 2017 angetretene Marinko Jurendic holte in 25 Spielen durchschnittlich 1,06 Punkte und somit 0,4 weniger als Vorgänger Marco Schällibaum. Dieser wurde wegen Erfolglosigkeit entlassen.

Trotzdem brauchte es in der FCA-Führung nach sechs Niederlagen in sechs Spielen schon eine grosse Portion Überzeugung, um an eine Trendwende mit Rahmen zu glauben. Umso mehr, weil auch die Leistungskurve nach unten zeigte. Sportchef Sandro Burki hatte diese Überzeugung. Und er hatte die Sturheit, den Trainer, den er in Eigenregie ausgesucht hatte, vor den Bossen zu verteidigen. Burki ging «all in», denn wäre die Trendwende nicht erfolgt und Rahmen doch entlassen worden, hätte dies Burkis Position im Verein erheblich geschwächt. So aber geht nicht nur der Trainer, sondern auch der Sportchef gestärkt aus der Krise hervor.