Challenge League
Der FC Aarau am Buffet: Warten, bis der Koch wieder Frisches bringt

Beim 3:3 im Testspiel gegen Basel offenbart sich: Die Qualität im FCA-Kader stimmt, die Quantität hingegen lässt zu wünschen übrig. In Aktionismus werden die Klubverantwortlichen nicht verfallen.

Sebastian Wendel
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Weil der FCA gut vorbereitet war auf die Eröffnung des Transfermarkts, landete Mittelfeldpuncher Allen Njie (zuvorderst) im Brügglifeld.

Weil der FCA gut vorbereitet war auf die Eröffnung des Transfermarkts, landete Mittelfeldpuncher Allen Njie (zuvorderst) im Brügglifeld.

Marc Schumacher / freshfocus

Nur gerade drei Wechsel nimmt Aarau-Trainer Stephan Keller im St. Jakob-Park vor - ungewöhnlich wenig angesichts der normalerweise zahlreichen Spielerwechsel in Testspielen: In der 60. Minute kommen Shkelzen Gashi und Marco Aratore für Allen Njie und Mickael Almeida, für die letzte Viertelstunde ersetzt Milot Avdyli Liridon Balaj. Mehr durcheinander wirbeln will Keller nicht, um das beachtenswerte Resultat nicht zu gefährden.

Man kann es auch so sehen: Den restlichen mitgereisten Spielern, die sich während der zweiten Halbzeit warm machen, traut Keller die Wahrung des Unentschiedens gegen den FC Basel nicht zu.

Telegramm

FC Basel – FC Aarau 3:3 (1:0)

St. Jakob-Park. – 0 Zuschauer. – SR: Wolfensberger. – Tore: 19. Cabral 1:0. 63. Gashi 1:1. 68. Kasami 2:1. 75. Balaj 2:2. 82. Frei (Foulpenalty) 3:2. 86. Aratore 3:3.

Basel: Lindner; Lopez, Frei, Cardoso, Petretta; Zhegrova (77. Millar), Kasami, Quintilla (86. Chipperfield), Stocker; Pululu, Cabral (73. Males).

Aarau: Enzler; Giger, Bergsma, Kronig, Conus; Jäckle, Njie (60. Gashi); Balaj (75. Avdyli), Spadanuda, Rrudhani; Almeida (60. Aratore).

Bemerkungen: Basel ohne Jorge, Padula, Tushi (alle verletzt), Bunjaku, Chiappetta, Cömert, Djiga, Durrer, Gebhardt, Hajdari, Marchand, Palacios, Sene, Spycher, van Wolfswinkel, Vishi und Xhaka (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Qollaku (verletzt), Hasani, Lujic, Schwegler, Senyurt, Thiesson und von Arx (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnung: 31. Kasami (Foulspiel).

Die am Rheinknie eingesetzten 14 Akteure brachten den Gegner, trainiert vom früheren Aarauer Patrick Rahmen, an den Rand einer Niederlage. Die Qualität der Stammspieler dürfte also mit den hohen Ambitionen für die kommende Spielzeit (Rang 1 oder 2) übereinstimmen. Doch eine Saison hat 36 Spieltage, Verletzungen und Sperren sowie Formtiefs werden zu Ausfällen der Stammspieler führen. Und dann? Müssen ihre Ersatzleute gleich gut sein, um das Aufstiegsziel nicht zu gefährden. Stichwort "Kaderbreite", die Keller Ende vergangene Saison als einer der Gründe ausgemacht hat, warum der FCA Aufsteiger GC nicht langfristig Paroli bieten konnte.

Das Problem ist FCA-intern erkannt, die Verantwortlichen werden jedoch nicht in Aktionismus verfallen, nur damit das Kader schon am ersten Spieltag am 23. Juli die angepeilte Breite hat; schliesslich hat der Transfermarkt bis Ende August geöffnet. Seit jeher verfolgen Keller und Sportchef Sandro Burki den Leitsatz: "Nur mit hundertprozentiger Überzeugung verpflichten wir einen Spieler." Zur Erinnerung: Vergangene Saison wurden mit Filip Stojilkovic, Marco Aratore und Arijan Qollaku drei gewichtige Transfers erst in den Wochen nach dem Saisonstart getätigt.

Um die Vorgehensweise zu veranschaulichen, zieht Keller den Vergleich zum Buffet im Ferienhotel: Gleich nach der Buffeteröffnung bzw. zu Beginn des Transfermarkts hat der FC Aarau zugelangt und mit Innenverteidiger Jan Kronig (von YB) und Mittelfeldpuncher Allen Njie (von GC) zwei Hochkaräter verpflichtet. Nun warten Burki und Keller, was der Koch für den zweiten Gang aufs Buffet stellt, bzw: Welche Spieler nach den ersten Kaderbereinigungen der höherklassigen Klubs zu haben sind.

Zwei Spieler sollen noch kommen - drohen dem FCA Abgänge?

Einige Akteure haben sich in der vergangenen Saison in die Notizbücher der Super-League-Sportchefs gespielt. Um nur einige zu nennen: Leon Bergsma, Donat Rrudhani, Kevin Spadanuda, Liridon Balaj, Raoul Giger. All diese Spieler sind jung und haben langfristige Verträge, was sie für potenzielle Käufer teuer macht. Unter einer halben Million Franken dürfte der FCA alle Angebote ausschlagen, ab dieser Grenze müssten der Präsident und die sportliche Führung wirtschaftliche und sportliche Faktoren abwiegen. Möglich, dass in den kommenden Tagen und Wochen Angebote reinflattern: Der FC Luzern sucht händeringend einen Innenverteidiger (Bergsma?), beim FC Zürich ist die Personaldecke auf allen Positionen zu dünn. Auch Basel, St. Gallen und Lugano haben Transferbedarf. 

Gesucht werden ein Mittelstürmer und ein zentraler Mittelfeldspieler. Auf diesen Position ist die Personaldecke am dünnsten. Wunschziel für den Angriff ist Filip Stojilkovic. Dass Sion-Trainer Marco Walker auf ihn verzichten will, scheint zum aktuellen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Der Spieler selber indes sendet dem FCA weiterhin Signale aus, dass er nach einer gelungenen Ausleihe in der vergangenen Saison (16 Tore) gerne mit dem FCA die Mission "Aufstieg" in Angriff nehmen würde. Ewig warten auf den 20-Jährigen kann und will Aarau nicht - längst stehen Alternativen auf dem Zettel. Im zentralen Mittelfeld dürfte der Fokus auf einem Spieler liegen, der neben den Defensivpflichten auch eine gewisse Torgefahr ausstrahlt.

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