Challenge League
Grosse Erleichterung im FCA-Lager - doch die Offensive bleibt die Problemzone

Der 1:0-Heimsieg gegen Yverdon stoppt den Abwärtstrend und sorgt für ein gutes Gefühl in der Länderspielpause. Dass der Erfolg knappmöglichst ausfiel und erst noch durch ein Penaltytor, zeigt: Die resultatmässige Trendwende darf nicht über die Probleme im Sturmzentrum hinwegtäuschen.

Sebastian Wendel
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Ob er sich die Penaltyszene nochmals angeschaut habe, will ich wissen, nachdem Stephan Keller nach Spielschluss in sein Trainerbüro geeilt ist. «Nein», antwortet er, aber das sei auch gar nicht nötig. Und damit hat Keller Recht: Yverdon-Stürmer Vladi streckt in der 54. Minute im eigenen Strafraum die Hand aus, der als Flanke gedachte Ball klatscht dran, Penalty für Aarau. Spadanuda läuft an und trifft zum insgesamt zehnten Mal in dieser Saison, zum ersten Mal als Profi vom Elfmeterpunkt.

Reporter-Urgestein Ruedi Kuhn hat es vergangene Woche im FCA-Talk geahnt: «Aarau gewinnt 1:0, durch einen Penalty.» Der zweite Teil der Prognose war nicht einfach so dahergesagt, sondern hat eine Vorgeschichte: Aarau wurde in dieser Saison schon sechs Mal ein Penalty fälschlicherweise verwehrt, vor dem Yverdon-Spiel gar drei Mal in Folge. All diese drei Spiele gingen denn auch verloren, doch Sorgen musste man sich um den FC Aarau dennoch (noch) keine machen: Es waren knappe Niederlagen und sowohl gegen Thun, Lausanne als auch gegen Vaduz war Aarau optisch überlegen und hatte genügend Torchancen für ein positives Resultat.

Grosse Erleichterung bei FCA-Trainer Stephan Keller über den Sieg.

Grosse Erleichterung bei FCA-Trainer Stephan Keller über den Sieg.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Dann also am Samstagabend das Yverdon-Spiel. Und was die FCA-Akteure im Voraus nicht heraufbeschwören wollten, liessen sie nach dem Schlusspfiff erkennen: Dass die Partie kapitalen Charakter hatte und dieser Sieg besonders wichtig war. Denn es ist doch so: Wer Spiel für Spiel eine gute Falle macht, jedes Mal aber ohne Punkte dasteht, der beginnt irgendwann zu hadern und verliert den Glauben daran, auf dem richtigen Weg zu sein. Vier Niederlagen in Folge hätten im FCA-Lager zu diesem Punkt führen können, umso mehr vor einer zweiwöchigen Länderspielpause.

Das Spiel mit der «falschen Neun» - eine Reaktion auf die Sturmprobleme?

Stephan Keller versucht gar nicht erst, die Erleichterung über die resultatmässige Trendwende zu verbergen: «Ein ganz wichtiger Sieg. Ein Arbeitssieg gegen einen Gegner, der im Gegensatz zu uns das Momentum zuletzt auf seine Seite geholt hat. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler.» Fussballerisch gefiel dem Trainer vor allem die Defensivarbeit, was den Begriff «Arbeitssieg» unterstreicht.

Im Detail heisst das: Die Abwehrreihe mit Giger, Bergsma, Thaler und Kronig lieferte «suberi Büez» auf gehobenem Niveau (hier gehts zur Einzelkritik); die zwei Chancen, die FCA-Goalie Simon Enzler zunichtemachen musste, basierten einerseits auf einem Flipperkasten-Solo von Yverdons Ninte und andererseits auf einem offensichtlichen, vom Schiedsrichter-Team aber ungesehenen Handspiels wiederum vom Gäste-Captain.

So wie er das Verteidigen, den kämpferischen Einsatz und die physische Präsenz explizit lobt, so sparsam geht Keller mit den Worten beim Thema «Offensive» um. «In der ersten Halbzeit zu zaghaft, dann haben wir es besser gemacht» - ein Abbild des Vaduz-Spiels eine Woche zuvor. Mit dem Unterschied, dass der Gegner dieses Mal nicht bereits mit zwei Toren in Führung lag, als der FCA in der Offensive vom «Zaghaft-Modus» in den «Turbo» schaltete.

Mickael Almeida vergibt eine Topchance, weil ihm der Ball verspringt - symptomatisch für seine Schaffenskrise und die Aarauer Sturmprobleme.

Mickael Almeida vergibt eine Topchance, weil ihm der Ball verspringt - symptomatisch für seine Schaffenskrise und die Aarauer Sturmprobleme.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Trotz des Heimsieges gegen Yverdon war das im Vorwärtsgang insgesamt zu wenig, insbesondere mit Blick auf die Chancenverwertung: Es werden sich nicht in jeder Partie ein Dutzend Topchancen bieten, also muss man geschickt mit den wenigen umgehen, die man hat. Es hätte gegen Yverdon am Ende 3:0 oder 4:0 stehen können, aber zwei Mal Schneider in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase der eingewechselte Stürmer Almeida vergaben aus bester Position.

Apropos Stürmer: Zum zweiten Mal in Folge verzichtete Keller in seiner Startelf auf einen gelernten Neuner, obwohl das Toreschiessen gerade das grösste FCA-Problem ist. Wie in Vaduz wechselten sich Rrudhani, Balaj, Spadanuda und phasenweise sogar Mittelfeldspieler Njie im Sturmzentrum ab - konsequent besetzt war die sogenannte Box, die Zone direkt vor dem gegnerischen Tor, indes nicht. Das Spiel mit der «falschen Neun» ist wohl auch eine Reaktion auf die Verletzung von Shkelzen Gashi (Rückkehr ungewiss) sowie auf die Schaffenskrise Almeidas, der seit dem 6. August auf sein zweites Saisontor wartet. Und es spricht auch nicht für grosses Vertrauen in Gobé Gouano, der nach über zwei Monaten in Aarau weiterhin auf einen Startelfeinsatz wartet und gegen Yverdon gar ganz draussen blieb.

Fazit: Das gute Gefühl hat der Heimsieg gegen Yverdon zurückgebracht - über den offensiven Handlungsbedarf indes konnte er nicht hinwegtäuschen.

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