Cubanito
Challenge League ist das Mindestziel: Aargauer Social-Media-Star will alten Traum verwirklichen

In jungen Jahren musste Louis Berger krankheitsbedingt seine ambitionierte Karriere als Fussballer beenden. Durchgestartet ist er trotzdem: Als Cubanito begeistert er Hunderttausende Fans in den sozialen Medien. Mit dem Dasein als Profi-Fussballer hat er aber noch nicht abgeschlossen.

Nik Dömer
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Cubanito träumte als Aarauer Junior von einer Karriere als Profifussballer.

Cubanito träumte als Aarauer Junior von einer Karriere als Profifussballer.

Britta Gut

Gäbe es keinen Ivan Rakitic, wäre er wohl aktuell der bekannteste Aargauer Fussballer der Welt. Doch im Gegensatz zum ehemaligen Barcelona-Star stand Louis Berger noch nie im Kader einer Profimannschaft. Dennoch ist er durch den Fussball bekannt geworden. Als Cubanito erreicht er in den sozialen Medien täglich Hunderttausende Fans.

Beim FC Aarau träumte Cubanito einst von einer grossen Profi-Karriere.

Beim FC Aarau träumte Cubanito einst von einer grossen Profi-Karriere.

Britta Gut

Kampf gegen Fibromyalgie

Es ist ein spezieller Moment, der sich Anfang Dezember auf dem Rasen im Aarauer Brügglifeld abspielt. Cuba – so wird er von Freunden und Fans genannt– dreht sein neustes Video «100 Bälle Challenge» in seiner alten Heimat. «Das war für mich schon emotional, hier habe ich einst von einer grossen Karriere geträumt», erklärt der Aarauer.

Dass er nun im FCA-Stadion eine Youtube-Challenge dreht, anstatt mit seinem Freund und ehemaligen Mitspieler Miguel Peralta für Aarau in der Challenge League zu spielen, ärgert ihn nicht. «Ich reise um die Welt, kriege Einladungen von der Uefa, treffe prominente Spieler und verdiene dabei auch noch meinen Lohn. Das ist kein schlechter Ersatz für eine verpasste Karriere», sagt Cuba schmunzelnd.

Dennoch hat er mit dem Dasein als Fussballprofi noch nicht ganz abgeschlossen. Der 25-Jährige hat in diesem Jahr seiner Krankheit Fibromyalgie den Kampf angesagt. Sie verursacht bei Cubanito schon seit dem Juniorenalter chronische Schmerzen und ist auch der Hauptgrund dafür, dass der einst talentierte Nachwuchsspieler nicht mehr weitermachen konnte.

Dank einer Ernährungsberaterin, die selber von der Krankheit betroffen ist, darf sich Cuba nun ­wieder Hoffnung machen. Im Sommer riet sie ihm zu einer kompletten Umstellung der Ernährung: mehrheitlich vegan, kein Weizen und kein Zucker. «Als ich hörte, dass sie dank der richtigen Lebensmittel symptomfrei leben kann, war für mich sofort klar, dass ich das auch versuchen möchte. Die täglichen Schmerzen durch die Fibromyalgie waren für mich eine grosse Qual in den vergangenen Jahren.»

Ernährungsumstellung soll alten Traum ermöglichen

Die neue Hoffnung lässt auch wieder einen alten Traum aufkommen: Profifussball. Cuba will es unbedingt noch einmal wissen. Durch einen Freund heuert er beim FC Windisch in der 3. Liga an. Zwei Monate ­später kommt bereits der Wechsel zum FC Thalwil (1. Liga Classic). Die Kamera ist dabei sein stetiger Wegbegleiter. Seine 440'000 Youtube-Follower kriegen in der Serie «Road to Liga 1» immer wieder Einblicke in Cubas Alltag im Schweizer Amateurfussball.

Mittlerweile konnte Cuba in Zürich seine ersten Einsatzminuten verbuchen. Zu mehr hat es schmerzbedingt noch nicht gereicht. Es könne bis zu einem Jahr dauern, bis die Ernährungsumstellung Wirkung zeige, habe ihm die Beraterin gesagt. «Ich fühle mich zwar schon besser, aber es ist noch zu früh für ein Fazit. Ich muss mit kleinen Schritten vorwärtsgehen.»

Für Cuba ist jedoch auch klar: «Mein Ziel ist es, dass ich mindestens in der Challenge League spielen kann. Wenn ich merke, dass es körperlich nicht mehr weitergeht, werde ich das Projekt beenden.»

Viel zu tun hätte der Schweizer Social-Media-Star mit Wurzeln in Kuba und Armenien nämlich auch ohne Mannschaftstraining. Schliesslich muss seine «Cuba-Crew» – rund 700'000 Follower auf Instagram, Tiktok und Youtube – unterhalten werden.

Langweilig wird es ihm dabei nie, denn seine Inhalte sind facettenreich: Mal besucht er ein junges Talent in einer Academy, mal dreht er lustige Umfragen auf den Strassen oder misst sich auf dem Platz mit anderen Fussball-Influencern. «Ich mache seit fünf Jahren einfach, worauf ich Bock hab. Manchmal stehe ich am Morgen auf, habe eine Idee und setze diese dann um.»

Noch nicht im Schweizer Mainstream angekommen

Allerdings hat das Coronajahr auch beim charismatischen Entertainer Spuren hinterlassen. Nicht nur in finanzieller Hinsicht: «Das Reisen habe ich am meisten vermisst. Die Schweiz hat kein richtiges Creatorumfeld. Ich hatte dadurch auch nur wenige Partner, mit denen ich drehen konnte. Deshalb spiele ich nun auch mit dem Gedanken, nach Berlin zurückzukehren.»

In der deutschen Hauptstadt hat Cubanito einst seine Karriere ins Rollen gebracht. Seither spricht er in seinen Videos Hochdeutsch. Mittlerweile sind 80 Prozent seiner Follower aus Deutschland. Dies ist auch ein Grund, warum der Aarauer in Schweizer Medien nicht so präsent ist, wie es sonst bei einem Social-Media-Kaliber seiner Reichweite normal wäre: «Ich finde es schon ein bisschen schade, dass ich hier noch nicht im Mainstream angekommen bin. Aber ich muss nichts erzwingen, ich habe meine Reichweite.»

Cubanito möchte Fussball und Mode vereinen.

Cubanito möchte Fussball und Mode vereinen.

Britta Gut

Entsprechend hält er sich die Option offen, künftig auch Videos auf Schweizerdeutsch zu produzieren. Doch bei Cuba haben andere Projekte Vorrang. Mit einem Partner hat er die Modemarke «Finelli» gegründet. In diesen Tagen ist die erste Kollektion erschienen. «Fashion ist neben Fussball meine zweite grosse Leidenschaft. Deshalb bin ich ziemlich stolz, dass ich das nun auch mit einem eigenen Brand vereinen kann.»

Keine Frage, bei Cuba muss immer etwas gehen: «Ich kreiere fast jeden Tag, das hilft mir auch im Umgang mit meiner Krankheit. Aufgeben war für mich nie eine Option, da hat mich auch der Kampfgeist von meinem Freund Miguel Peralta mit seinen Kreuzbandrissen immer wieder inspiriert.»