Schwingen
Christoph Bieri gewinnt zum sechsten Mal das Aargauer Kantonalschwingfest

Das Alter macht bekanntlich vernünftig. Sofern man denn bei Männern, die sich einen ganzen Tag lang mit schier unbändiger Kraft bekämpfen, von Vernunft sprechen kann. Trotzdem sagt Christoph Bieri, der Sieger des Aargauer Kantonalschwingfests: «Mein erstes Ziel ist, am Abend gesund nach Hause zu kommen.» Das ist ihm gestern gelungen.

Martin Probst
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Christoph Bieri (l.) wurde im Schlussgang von Bruno Gisler gefordert, hielt den Angriffen des Solothurners aber stand.Chris Iseli

Christoph Bieri (l.) wurde im Schlussgang von Bruno Gisler gefordert, hielt den Angriffen des Solothurners aber stand.Chris Iseli

Chris Iseli

Früher war das anders beim 30-Jährigen. Früher, da ist er an jedes Fest gereist und hat sich ins Sägemehl geworfen – ohne Rücksicht. «Heute», sagt er, «muss ich meine Kräfte einteilen.» Das heisst, er verzichtet auch mal auf ein Fest, nicht aber auf Angriff, wenn er teilnimmt. So wie gestern, als er sich den Sieg mit einer starken Vorstellung verdiente.

Bieri, der im Ring einen Kopfschutz trägt, der auf den ersten Blick an einen Hörschutz erinnert, will im Sägemehl vielleicht wirklich nicht hören, was ihm sein Körper sagt. Es ist nicht der Kopf, der ihn zu Pausen bewegt, vielmehr sind es die Bänder, Gelenke und Knochen. In erster Linie der Rücken, der schmerzt.

Das 110. Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg
33 Bilder
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Der neunjährige Gian Tschumper aus Schafisheim wurde am Samstag Sieger am Jungschwingertag und war am Sonntag als Täfelibub im Einsatz.
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Grosse Attraktion am 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte waren die Darbietungen des Swiss-Air-Force-PC7-Teams.
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
Das war das 110. Aargauer Kantonalschwingfest auf der Schützenmatte
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Das 110. Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg

Chris Iseli

«Therapien gehören bei mir zum Alltag», sagt er. Schon 2015 quälten ihn diese Probleme, verhinderten manchmal, dass er im Sägemehl zeigen konnte, was er kann. Und das ist viel: Dreimal gewann er am Eidgenössischen einen Kranz. Er siegte an bisher 22 Kranz- und 28 Regionalfesten. Insgesamt 86 Kränze darf der Mann aus dem Schwingklub Baden-Brugg ausweisen und er ist im Besitz aller Berg- und Teilverbandskränze.

Bescheidenheit

Auch in der Vorbereitung auf die Saison 2016 spürte Bieri den Rücken, schwingt und trainiert seither aber bewusster, wobei bei Letzterem der Umfang keinesfalls weniger wurde. Sechsmal in der Woche geht er in den Schwingkeller. «Nur am Sonntag gönne ich mir einen freien Tag», sagt der 30-Jährige, der hauptberuflich als Product Manager arbeitet und das Schwingen nur als Amateur betreibt, wie er sagt. Und damit zwar richtig liegt, aber bescheiden verschweigt, was er aufwendet.

Die Bescheidenheit äussert sich zuweilen in Schüchternheit. Im Platzinterview mit der Speakerin spricht der 1,89 Meter grosse und 115 Kilogramm schwere Sportler leise, fast so, als ob er sich nicht mit dem Sieg am Heimfest schmücken will. Erst später, im kleinen Kreis, wird seine Stimme wieder so fest und stark, wie er auf dem Schwingplatz auftritt. «Ich schwinge gerne angriffig», sagt er.

Und tat sich mit der Zurückhaltung im gestrigen Schlussgang daher etwas schwer, als ihm gegen den Solothurner Eidgenossen Bruno Gisler ein Unentschieden zum Festsieg reichte.

Gisler, der gezeichnet vom Tag mit einem Pflaster über dem rechten Auge antrat, das eine Platzwunde verdeckte, fehlte in den letzten 12 Minuten etwas die Kraft. Und so endete der Schlussgang tatsächlich gestellt und Christoph Bieri verteidigte seinen Titel beim Aargauer Kantonalschwingfest, das er damit zum sechsten Mal in seiner Karriere gewann.

Gisler rutschte derweil auf den geteilten dritten Schlussrang ab und wurde von den Aargauern Nick Alpiger und David Schmid, sowie dem Luzerner Gast René Suppiger überholt. Die Aargauer unterstrichen damit ihren Anspruch, die stärkste Fraktion im Nordwestschweizer Verband zu stellen. Und den Solothurnern gelang die Revanche für ihr Kantonales vor einer Woche nicht, das mit Mario Thürig ebenfalls ein Aargauer gewann.

Apropos Thürig (gestern auf Rang 6): Er meldete sich mit dem Sieg am Solothurner Kantonalfest ebenfalls nach längeren gesundheitlichen Problemen zurück. Haben die Aargauer Schwinger etwa einen Wunderheiler gefunden?

«Nein», sagt Christoph Bieri und lacht. «Aber wenn Sie einen kennen, dürfen sie mich gerne vermitteln.» Schliesslich ist er nicht mehr 20.

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