Schwingen

Christoph Bieri und die verflixte Jagd nach dem 100. Kranz

Christoph Bieri am ESAF 2019 in Zug im Kampf gegen Nöldi Forrer.

Christoph Bieri am ESAF 2019 in Zug im Kampf gegen Nöldi Forrer.

Fast die ganze Schwingsaison 2020 ist der Coronakrise zum Opfer gefallen. Damit ist auch klar, dass der Untersiggenthaler Christoph Bieri die Jagd nach seinem 100. Kranz um ein Jahr verschieben muss. Der 34-Jährige trägt es mit Fassung – und sieht sogar Vorteile für seinen geschundenen Körper.

Wenn er es könnte, würde Christoph Bieris innerer Schweinehund vermutlich heulen. Der nächste Sonntag hätte sein grosser Tag werden sollen. Der Plan stand schon lange fest: Am Solothurner Kantonalschwingfest in Matzendorf gewinnt Bieri den 100. Kranz, hängt danach die Schwinger­hosen an den Nagel und hört fortan auf die Stimme des faulen Begleiters.

Doch dann kam Corona und vorbei ist es mit den Hoffnungen des Trägheitstiers. Weil 2020 keine Kranzfeste in der Nordwestschweiz stattfinden, macht Bieri bis 2021 weiter – und hält sich in Form, um 365 Tage später als geplant in den elitären Kreis der 100-fachen Kranzgewinner aufgenommen zu werden. «Somit hat das Warten sogar etwas Gutes», sagt Bieri. «Ich muss mir noch keine neue Motivation suchen, um fit zu bleiben.»

Bieri nimmt es erstaunlich gelassen, dass er nun 365 zusätzliche Nächte lang die Möglichkeit erhält, seinen Traum zu träumen, bis dieser Realität werden könnte. Gedanken, jetzt einfach aufzuhören, hatte er nicht. «An meinem Ziel halte ich fest. Solang ich gesund bleibe und die Chance habe, den 100. Kranz zu gewinnen, werde ich es versuchen», sagt der 34-Jährige. Und seinem Körper tut die Extrapause gut. «Ich merke jetzt, dass ich mich fast vollständig erholen kann, wenn ich lange nicht schwinge.» Das gibt ihm ein gutes Gefühl. Mehr als 20 Jahre im Sägemehl lassen sich auskurieren.

Wenn das Zusammensein mit den Kollegen fehlt

Denn Bieris Körper tut schon länger weh. Besonders der Rücken, aber auch sonst so einiges, das beim Kampf mit den Gegnern leidet. Jetzt bekommt der Aargauer durch Corona eine Vorahnung, wie es dann ist, wenn die Karriere vorbei ist. «Ganz ehrlich? Die Kämpfe und die Anspannung vermisse ich nicht», sagt Bieri. «Was mir aber fehlt, ist das Zusammensein mit meinen Kollegen. Egal ob im Training oder an den Schwingfesten.»

Zurzeit und bis auf weiteres ist es den Schwingern nicht erlaubt, sich im Sägemehl zu messen. Das Schutzkonzept des Eidgenössischen Verbandes sieht zwar Trainings in Gruppen vor, allerdings nur im Bereich der Athletik und Ausdauer. Also dort, wo das Einhalten der Abstandsregeln möglich ist. Derzeit sieht Bieri darin noch kein Problem. «Wir sollten uns auf die neue Saison konzentrieren. Das heisst, erst im Herbst müssten Duelle gegen Gegner erlaubt sein, um einen guten Aufbau für 2021 zu garantieren.»

Dass es aber Kämpfe mit Gegnern braucht, um bereit zu sein, davon ist Bieri überzeugt. «Die Härte, die es braucht, lässt sich nicht simulieren.» Er selbst hält sich mit Velofahren und Kraftübungen fit, «doch die schmerzenden Arme und Beine beim Schwingen verhindert das nicht. Das hört nur auf, wenn man regelmässig zusammengreift.»

Der Traum des inneren Schweinehunds

Während Bieri also bereits die nächste Saison in Angriff nimmt, träumt sein innerer Schweinehund vermutlich schon vom Mai 2021. Doch leicht wird er es auch dann nicht haben. «Wir planen bereits eine Trainingsgruppe mit ehemaligen Schwingern, die sich ein- bis zweimal in der Woche trifft, um zum Beispiel Fussball oder Unihockey zu spielen», sagt Bieri.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1