Kritik am Verband
Christoph Bieri: «Wer im Schwingen nicht neutral sein kann, soll lieber auf eine Wanderung gehen»

Christoph Bieri traut sich, als Schwinger Kritik zu üben. Das wird nicht von allen goutiert und er als Querulant abgestempelt. Doch dem 33-jährigen Aargauer ist das egal. Er sagt: «Es geht um Fairness.» Dafür will er sich einsetzen.

Martin Probst
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Christoph Bieri (28.08.2019)
19 Bilder
Erfolg ohne Ende: Ganze 99Mal konnte sich der Untersiggenthaler Christoph Bieri einen Kranz erschwingen.
Wie Joel Wicki (vorne) fehlt Bieri allerdings der wichtigste Titel - und ein Kranz, um die Hundert voll zu machen.
Dieser fehlende Kranz blieb ihm in dieser Saison verwehrt, sein schmerzender Rücken machte Bieri (l.) einen Strich durch die Rechnung.
«Wenn ich diesen einen Kranz nicht mehr gewinne, dann holt mich das irgendwann ein», so Bieri.
Am Eidgenössichen traf Bieri Christoph (vorne) auf Gobeli Patrick, das Kräftemessen dürfte er genossen haben - aber nicht immer ist Bieri mit den Einteilungen zufrieden.
Er nimmt kein Blatt vor den Mund, hat aber auch Lösungen parat: Für die Einteilungen würde er eine Software einsetzen, sagt er.
Auch der Einführung des Videobeweises steht er offen gegenüber.
«Das Schwingen boomt aufgrund von Tugenden wie Bodenständigkeit, Ehrlichkeit etc. Diese Werte werden überall kommuniziert, jedoch oft nicht gelebt», redet Bieri Klartext.
Vor keinem mag sich der Schwinger verstecken, Gerechtigkeit und Anerkennung sind ihm wichtig.
Kraftpaket am Eidgenössischen: Christoph Bieri (r.) misst sich im dritten Gang mit Stefan Ettlin.
Dass Bieri so schnell nicht aufgibt, bekamen seine Gegner auch in diesem Jahr zu spüren – und noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.
Ihm musst er sich allerdings geschlagen geben: Bieri (vorne) im Duell mit dem späteren Schwingkönig Christian Stucki.
Der Berner Stucki lässt Bieri kaum eine Chance ...
... , und gekonnt befördert er den Aargauer ins Sägemehl.
Im 1. Gang am Eidgenössischen gewinnt Christoph Bieri (weisse Hose) gegen Arnold Forrer, den Schwingerkönig von 2001.
Bieri gewinnt das Duell.
Stefan Ettlin und Christoph Bieri treten beim 3. Gang am Eidgenössischen in Zug gegeneinander an. Bieri gewinnt dreimal, stellt viermal und verliert einen Gang.
Bieri stellt gegen Ettlin. Am Ende landet Bieri auf Rang 16h am in Zug und verpasst damit einen Kranz. Es bleibt damit bei drei Kranzgewinnen an Eidgenössischen für ihn.

Christoph Bieri (28.08.2019)

Mario Heller

Sie haben in Ihrer Karriere bisher 99-mal einen Kranz gewonnen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das hören?
Christoph Bieri: Dass einer noch fehlt (lacht).

Die Kranzfestsaison ist vorbei. Das heisst, Sie machen weiter, um es in den illustren 100er-Klub zu schaffen?
Ja, im Moment ist das der Plan. Ich will diesen einen Kranz noch gewinnen. Ich hatte dieses Ziel bereits im vergangenen Jahr und ich hatte es in diesem Jahr. Aber es hat nicht geklappt. Ich glaube, wenn ich es nicht weiter versuche, wenn ich diesen einen Kranz nicht mehr gewinne, dann holt mich das irgendwann ein.

Wieso hat es bisher nicht geklappt?
Ich habe körperlich im Vergleich zu früheren Jahren mehr Probleme. Der Rücken macht mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Ich kann weniger trainieren und habe deshalb nicht die gleich gute Form. Das hat auch Einfluss auf den Kopf. Wenn man weiss, dass man gut trainiert hat, dass die Form super ist, geht man mit einem ganz anderen Selbstvertrauen in den Wettkampf.

Die körperlichen Probleme werden mit bald 34 Jahren nicht weniger.
Das bin ich mir schon bewusst (lacht). Aber ich will ja auch nach der Karriere einigermassen fit bleiben. Ich mache dann nicht plötzlich nichts mehr. Natürlich ist das Schwingtraining intensiv. Aber dort kann ich auch ein paar Abstriche machen. Ich kenne die Abläufe, die Schwünge. Ich bin überzeugt, bis im kommenden Jahr eine Form für weitere Kranzgewinne erarbeiten zu können.

Zurück zu den 100 Kränzen: Ist es falsch zu behaupten, dass Ihnen der Eintritt in den Klub nicht gerade geschenkt wird?
Ich will keine Geschenke.

Formulieren wir es anders: Die Einteilung war Ihnen nicht an jedem Fest gut gesinnt.
Der Hauptgrund, dass es noch nicht geklappt hat, ist meine körperliche Verfassung. Ich hatte in dieser Saison Chancen, den 100. Kranz zu gewinnen.

Werden wir noch konkreter: In anderen Sportarten werden die Stars gefeiert und wird ihnen vom Verband der rote Teppich ausgerollt. Bei Ihnen hat man nicht das Gefühl, dass dies passiert.
Ich bin einer, der den eigenen Weg konsequent geht, und einer, der sagt, wenn ihm etwas nicht passt. Es ist wohl so, dass ich deswegen nicht nur gefördert werde.

Man hört, es gäbe Differenzen zwischen Ihnen und Stefan Strebel, dem Technischen Leiter der Nordwestschweizer. Gehen Sie deshalb nicht mehr an die Zusammenzüge der Kader-Athleten?
Es stimmt, dass ich nicht mehr an die Zusammenzüge gehe. Das hat zwei einfache Gründe: Ich bin seit längerer Zeit nicht mehr zufrieden, wie es mit der Einteilung in der Nordwestschweiz läuft. Da spreche ich nicht von meiner Einteilung. Das ist mir wichtig, zu betonen. Es geht darum, wenn ich junge Schwinger vergleiche. Da fällt auf, dass die Aargauer gegenüber den Solothurnern und Baselbietern bevorteilt werden.

Die besten Bilder vom Eidgenössischen in Zug:

Lang lebe der König: Christian Stucki wird gekrönt.
85 Bilder
Der neue Schwingerkönig Christian Stucki jubelt an der Schlussfeier des Eidgenössischen in Zug.
Ein frisch geduschter und frisch gebackener König: Christian Stucki hat allen Grund zum Lachen.
Nun hat er fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.
Stucki küsst die Ehrendamen ab.
Dich auch noch? Ein gelöster Stucki bei den Ehrendamen.
Auch Joel Wicki lässt sich feiern.
Ein Hüne jubelt: Christian Stucki nach seinem Sieg über Joel Wicki.
Hier entscheidet Stucki den Schlussgang für sich. Wickis Gesichtszüge sprechen Bände.
Ein ungewohntes Bild: Joel Wickis Rücken ist mit Sägemehl bedeckt.
Armon Orlik kam gegen den zähen Sven Schurtenberger nicht über einen Gestellten hinaus. Dies kostete ihm die Schlussgang-Teilnahme.
Gölä am Festakt. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
Gölä und Trauffer am Festakt. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
OK-Präsident Heinz Tännler am Festakt. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
Moderator Nik Hartmann in der Arena. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
Bundespräsident Ueli Maurer am Festakt. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Der Festakt in der Arena. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
Der Festakt in der Arena. (KEYSTONE/Urs Flüeler)
Ein Fahnenschwinger gibt seine Künste zum Besten.
Joel Wicki ist nach dem gestellten Gang gegen Christian Stucki noch immer zuversichtlich.
Joel Wicki, unten, wehrt sich erfolgreich gegen den Angriff von Christian Stucki.
Proppenvolle Tribüne während dem 5. Gang.
Armon Orlik, rechts, kann gegen Kilian Wenger bereits den 5. Sieg verbuchen und bleibt auf Schlussgang-Kurs.
Die Schwingerarena bei Sonnenaufgang (Urs Flüeler, Keystone, Zug, 25. August 2019))
Tolle Stimmung auf dem Festgelände mit Oesch's die Dritten. (Christian H. Hildebrand, Zug, 24.August 2019)
Mit Leib und Seele dabei: Francine Jordi. (Christian H. Hildebrand, Zug, 24.August 2019)
Chue Lee beim Auftritt auf dem Festgelände. (Christian H. Hildebrand, Zug, 24.August 2019)
Bei offenen Fragen wird beim Infopoint weitergeholfen. (Christian H. Hildebrand, Zug, 24.August 2019)
Festlaune beim Stierenmarkt.
Keiner zu klein, ein Schwingfan zu sein.
Her mit der Abkühlung!
Unschwer erkennbar, wem diese Schwingfans die Daumen drücken.
Christian Stucki am Brunnen im 4. Gang.
Nick Alpiger (links) und Thomas Kropf im 4. Gang.
Spass auch fernab der Arena.
Die Kinder sind am Schwingfest beschäftigt.
Witziges Sujet – wer hats erfunden?
Edelweiss von Kopf bis Fuss.
Besucher verweilen am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.
Dank der friedlichen Stimmung hat auch die Polizistin Zeit für ein Foto.
Matthias Glarner im 3. Gang.
Ein praktisches Utensil: Der Feldstecher ist am Esaf im Dauereinsatz.
Prominenz vor Ort: Schwingerin Sonia Kälin und Hausi Leutenegger, ehemaliger Bobfahrer.
Stefan Ettlin kämpft im 3. Gang gegen Christoph Bieri.
Arbeit bei höchster Konzentration am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.
Armon Orlik im 3. Gang.
Samuel Giger und Rene Suppiger (rechts) im 3. Gang.
Joel Wicki (rechts) freut sich nach seinem Schwung gegen Jonas Lengacher im 3. Gang.
Kilian Wenger (oben) schwingt gegen Stephan Studinger im 3. Gang.
Samuel Giger (links) und Joel Strebel im 2. Gang.
Dominik Streiff liegt verletzt am Boden.
Daniel Bösch (links) jubelt neben Lukas Bernhard im 3. Gang.
Der Unspunnenstein mit 83,5 Kilogramm ist nicht für Schwächlinge.
Ein Steinstösser bei der schweisstreibenden Arbeit.
André Weber und Enkel Julian verfolgen das Geschehen aus nächster Nähe.
Mittagspause in der Arena.
Die Helfertribüne.
Kinder aus dem Herti-Quartier haben an der Eichwaldstrasse einen Sirup und Popcorn-Stand aufgebaut.
Die Kampfrichter sind bereit. (KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Luftaufnahme der Schwingarena Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey, 24. August 2019)
Luftaufnahme der Schwingarena Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey, 24. August 2019)
Sven Schurtenberger (hinten) und Stefan Burkhalter (vorne) im 2. Gang. (KEYSTONE/Urs Flüeler, Zug, 24. August 2019)
Joel Wicki (oben) und Simon Anderegg (unten) im 2. Gang. (KEYSTONE/Urs Flüeler, Zug, 24. August 2019)
Pirmin Reichmuth. (KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Rind Greth rennt durch die Arena. (KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Die Schwingerhosen. (KEYSTONE/Alexandra Wey, 24. August 2019)
Der Siegermuni Kolin. (KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Nick Alpiger (links) schwingt mit Samuel Giger im 1. Gang. (KEYSTONE/Alexandra Wey, 24. August 2019)
Kilian Wenger (links) reagiert neben Christian Schuler im 1. Gang. (KEYSTONE/Alexandra Wey, 24. August 2019)
Einmarsch der Schwinger in die Arena. (swiss-image.ch/Photo Remy Steinegger, 24. August 2019)
Impression vom Campingplatz. (swiss-image.ch/Photo Andy Mettler, 23. August 2019)
Besucher in der Arena.(KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Fahnenschwinger und Alphornbläser. (KEYSTONE/Urs Flüeler, 24. August 2019)
Anreise der Besucher am Samstag Morgen in Zug.
Impressionen vom Heimweh-Konzert im Festzelt Gemsstock.
Impressionen vom Nickless-Konzert auf der V-Zug-Arena-Bühne.
Impressionen vom Nickless-Konzert auf der V-Zug-Arena-Bühne.
OK-Präsident Heinz Tännler (links) und Bundespräsident Ueli Maurer (Mitte) beim Festumzug.
Schwingerfahnen beim Festumzug.
Jungschwinger posieren beim Festumzug.
Trachtenleute beim Festumzug.
Die Ehrendamen haben sichtlich Spass am Eidgenössischen.
Dieser Jungschwinger hat auf der einen Kopfhälfte das Zuger Wappen als Haarschnitt...
... auf der anderen Seite trägt er eine Edelweiss-Blüte auf dem Kopf.
Der OK-Präsident Heinz Tännler (rechts) beim Anzapfen des ersten Bierfasses im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Schwingergasse am Esaf.

Lang lebe der König: Christian Stucki wird gekrönt.

Keystone

Und der zweite Grund?
Mir fällt auf, dass gewisse Schwinger aus unserem Teilverband extrem destruktiv gegen mich antreten. Es geht für mich nicht auf, dass sie im Wettkampf gegen mich arbeiten, und dann sollen wir an einem Zusammenzug den Teamgedanken zelebrieren. Für mich ist Schwingen ein Einzelsport. Natürlich kann eine gewisse Gruppendynamik entstehen. Aber man kann diese nicht erzwingen.

Sie erwarten, dass die Gegner für Sie schwingen?
Halt! Das habe ich so nie gesagt. Ich will sicher nicht, dass einer freiwillig für mich ins Sägemehl liegt. Aber ich erwarte einen fairen Kampf. Und wenn es dann nur darum geht, von mir davonzurennen und gar nicht um den Sieg geschwungen wird, stört mich das.

Ihre Kritik an der Technischen Kommission der Nordwestschweiz ist deutlich. Dabei ist die Einteilung doch immer ein Politikum. Das hat man auch am Eidgenössischen wieder erlebt. Wie soll das anders werden?
Ich bin der Meinung, dass es neue Wege braucht. Warum nicht eine Software programmieren, welche die Einteilung anhand von zahlreichen messbaren Faktoren macht? Man könnte die bisherigen Erfolge, aber auch die Saisonresultate etc. einfliessen lassen. Das würde auch die Menschen aus der Schusslinie nehmen. Eine Software ist neutral. Zumindest wenn sie im Ausland programmiert wurde (lacht).

Und falls weiterhin Menschen einteilen?
Dann müssen wir schauen, dass es Menschen tun, die neutral bleiben können. Solche, die am Morgen aufstehen mit dem Ziel, einen fairen Wettkampf zu ermöglichen für alle Schwinger. Ohne regionale Vorzüge. Ohne Verbandsinteressen. Wer das nicht schafft, sollte zum Beispiel lieber auf eine Wanderung gehen, statt die Einteilung zu machen oder Kampfrichter zu sein.

Finden Sie, dass die Technische Kommission der Nordwestschweiz nicht neutral ist?
Man spürt zumindest starke Aargauer Strömungen. Aber das liegt nicht an den Schwingern. Die können nichts dafür. Und ich will deren Leistungen damit auch nicht schmälern. Aber als Solothurner oder Baselbieter würde ich mir schon manchmal Fragen stellen, wenn ich die Notenblätter vergleiche.

Könnten Sie selbst neutral sein?
Wohl eher nicht. Darum werde ich nach meiner Aktivkarriere nicht nach diesem Amt streben.

Die kritisierten Jobs sind Ehrenämter. Kann man überhaupt etwas verlangen von Menschen, die etwas freiwillig tun?
Darum bin ich der Meinung, dass man diese Jobs ansprechend bezahlen sollte und nicht nur mit einer Bratwurst und einem Stück Brot. Dann könnte man die Diskussionen auch offener führen. Wenn einer in der Privatwirtschaft seinen Job nicht gut macht, hat er ein Problem. Beim Schwingen ist es heute so, dass die, welche kritisieren, als Querulanten abgestempelt werden. Dabei geht es um Fairness. Das Schwingen boomt aktuell insbesondere aufgrund von Tugenden wie Bodenständigkeit, Ehrlichkeit etc. Diese Werte werden überall kommuniziert, jedoch oft nicht gelebt.

Und wer bezahlt die Löhne?
Wenn ich lese, dass der Eidgenössische Verband die TV-Rechte fast verschenkt, kann ich das nicht verstehen. Und es gibt zum Beispiel auch keinen Verbandssponsor. Man sollte diese Möglichkeiten ausschöpfen und gezielt investieren.

Was halten Sie von der Idee, den Videobeweis im Schwingen einzuführen?
Das ist eine Überlegung wert. Es werden ja bereits viele Gänge gefilmt.

Aber kann der Mensch, der das Video sichtet, neutral sein?
Vielleicht müsste es ein Tessiner machen, oder ein Franzose oder ein Italiener (lacht).

Würde dem Schwingsport nicht das «Schnurri-Thema» fehlen?
Diskussionen gehören dazu. Aber wenn man mehr tun kann für die Fairness, sollte man es tun. Und man sieht es im Fussball, die Schnurri-Themen bleiben, auch wenn nun eine Technologie beweist, ob der Ball über der Torlinie war oder nicht.

Wird Ihre Kritik im Nordwestschweizer Verband gehört?
Nein, es findet praktisch keine Kommunikation mehr statt.

Diese Zeitung hat vor dem Eidgenössischen geschrieben, Sie hätten sich mit dem Verband zerstritten.
Zum Streiten braucht es immer zwei Parteien. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich Streit habe mit dem Verband. Ich äussere Kritik, ja. Aber offenbar gibt es im Verband Menschen, die damit nicht umgehen können.

Wären Sie bereit, die Probleme offen zu diskutieren?
Irgendwann schon. Aber erst nach der Karriere. Als ich mich entschieden habe, nicht mehr zum Kader zu gehören, hat nie auch nur einer der Funktionäre das Gespräch mit mir gesucht. Das sagt ziemlich viel aus.

Sie spüren zu wenig Wertschätzung?
Wenn ich in der Zeitung lese, dass Stefan Strebel sagt, er verpasse lieber das Ziel von fünf Kränzen und habe zwei neue Eidgenossen als fünf, die bald aufhören, ist das absolut respektlos. Gegenüber allen Schwingern im höheren Alter. Diese haben über Jahre viel für den Teilverband getan und das ist der Dank?

Wenn die Jungen das lesen, könnten sie denken, Sie missgönnen ihnen den Erfolg.
Niemals! Im Gegenteil: Ich habe extrem Freude, dass es in Zug mit Andreas Döbeli und Joel Strebel zwei neue Eidgenossen gab. Oder nehmen wir Nick Alpiger. Seine Geschichte mit der Verletzung ist brutal. Das geht mir sehr nahe. Er war in einer beneidenswerten Form, und dann dieser Rückschlag.

Im Schwingsport gibt es viele Traditionalisten. Denen werden Ihre Aussagen nicht gefallen.
Das bin ich mir bewusst. Es wird auch wieder welche geben, die mir ihren Unmut zeigen werden. Aber damit kann ich leben. Es geht um Fairness. Und ich finde, jeder Schwinger hat Fairness verdient. Schliesslich investieren wir alle sehr viel in den Sport. Da kann es nicht sein, dass der Erfolg oder Nichterfolg fremdbestimmt wird.

Alle Schwingerkönige in Bildern:

Christian Stucki Schwingerkönig 2019 in Zug, ZG.
47 Bilder
Matthias Glarner Schwingerkönig 2016 in Estavayer-le-Lac, FR.
Matthias Sempach Schwingerkönig 2013 in Burgdorf, BE.
Kilian Wenger Schwingerkönig 2010 in Frauenfeld, TG.
Jörg Abderhalden Schwingerkönig 2007 in Aarau, AG.
Jörg Abderhalden Schwingerkönig 2004 in Luzern, LU.
Arnold Forrer Schwingerkönig 2001 in Nyon, VD.
Jörg Abderhalden Schwingerkönig 1998, Bern, BE.
Thomas Sutter Schwingerkönig 1995, Chur, GR.
Silvio Rüfenacht Schwingerkönig 1992, Olten, SO.
Adrian Käser Schwingerkönig 1989, Stans, NW. (Er wird auf dem Foto nicht verhaftet, sondern von einer «Ehrengarde» zum Podest begleitet.)
Heinrich Knüsel Schwingerkönig 1986, Sitten, VS.
Ernst Schläpfer Schwingerkönig 1983, Langenthal, BE.
Ernst Schläpfer Schwingerkönig 1980, St. Gallen, SG.
Arnold Ehrensberger Schwingerkönig 1977, Basel, BS.
Ruedi Hungsperger (rechts) Schwingerkönig 1974, Schwyz, SZ.
David Roschi (links) Schwingerkönig 1972, La Chaux-de-Fonds, NE.
Ruedi Hungsperger Schwingerkönig 1969 Biel, BE.
Ruedi Hungsperger Schwingerkönig 1966, Frauenfeld, TG.
Karl Meli (links) Schwingerkönig 1964, Aarau, AG.
Karl Meli (links) Schwingerkönig 1961, Zug, ZG.
Max Widmer (links) Schwingerkönig 1958, Freiburg, FR.
Eugen Holzherr (links) Schwingerkönig 1956, Thun, BE.
Walter Flach Schwingerkönig 1953, Winterthur, ZH.
Kein Schwingerkönig Am Eidgenössischen 1950 in Grenchen, SO wurde kein Schwingerkönig gekürt.
Peter Vogt Schwingerkönig 1948, Luzern LU.
Kein Schwingerkönig Am Eidgenössischen 1950 in Grenchen, SO wurde kein Schwingerkönig gekürt.
Willy Lardon Schwingerkönig 1943, Zug, ZG.
Otto Marti und Werner Bürki Schwingerkönige 1940, Solothurn, SO. In diesem Jahr wurden zwei Königstitel vergeben.
Willy Lardon Schwingerkönig 1943, Zug, ZG.
Otto Marti und Werner Bürki Schwingerkönige 1940, Solothurn, SO. In diesem Jahr wurden zwei Königstitel vergeben.
Hans Roth Schwingerkönig 1931, Zürich, ZH.
Hans Roth Schwingerkönig 1931, Zürich, ZH.
Henri Wernli Schwingerkönig 1926 Luzern, LU.
Karl Thommen Schwingerkönig 1923, Vevey, VD.
Robert Roth Schwingerkönig 1921, Bern, BE.
Robert Roth Schwingerkönig 1921, Bern, BE.
Kein Schwingerkönig Am Eidgenössischen 1950 in Grenchen, SO wurde kein Schwingerkönig gekürt.
Gotthold Wernli Schwingerkönig 1911, Zürich, ZH.
Albrecht Schneider Schwingerkönig 1908, Neuenburg, NE.
Hans Stucki Schwingerkönig 1905, Interlaken, BE.
Hans Stucki Schwingerkönig 1905, Interlaken, BE.
Hans Stucki Schwingerkönig 1905, Interlaken, BE.
Frédéric Bossy Schwingerkönig 1898, Basel, BS. Es wurden zwei Schwingerkönige gekürt.
Christian Blaser Schwingerkönig 1898, Basel, BS. Es wurden zwei Schwingerkönige gekürt.
Alfons Thurneysen Schwingerkönig 1897, Biel, BE.
Alfred Niklaus Schwingerkönig 1895, Biel, BE. Der erste Schwingerkönig der Schweiz.

Christian Stucki Schwingerkönig 2019 in Zug, ZG.

Peter Schneider/EPA, Interlaken, 27. August 2017

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