Regionalfussball

«Dann haben wir es in Zukunft enorm schwer»: Warum dicke Luft herrscht zwischen dem FC Klingnau und FC Koblenz

Stehen gelassen: Koblenz-Spieler Dylan Bilger (links) muss seinen Gegenspieler vorbeiziehen lassen.

Stehen gelassen: Koblenz-Spieler Dylan Bilger (links) muss seinen Gegenspieler vorbeiziehen lassen.

Im Zurzibiet bereiten sich die Fussballvereine auf die neue Saison vor. Doch zwischen Koblenz und Klingnau herrscht aktuell dicke Luft.

Für den FC Koblenz kam der Meisterschaftsabbruch ziemlich ungelegen. Überwintert hat der Drittligist auf dem fünften Rang, punktgleich mit dem zweitklassierten Team aus Frick. Zudem stand er im Viertelfinal des Aargauer Cups. Trotzdem befand man am Rheinknie den Saisonabbruch als logisch, nachvollziehbar und richtig.

Wenn man mit Trainer Cimran Kurtisi und Spiko-Präsident Christian Rist über die neue Saison spricht, merkt man, dass sie grosse Lust verspüren, ihre junge Mannschaft wieder um Punkte kämpfen zu sehen. Allerdings gibt es ein Problem: Nachdem die Spieler zugesagt haben und die Kaderplanung für den Verein abgeschlossen schien, tritt der FC Klingnau auf den Plan. Der Verein aus dem Nachbardorf spielt in der 2. Liga inter und ist neben einem Trainer auch noch auf der Suche nach Spielern. Diese will er teilweise vom FC Koblenz abwerben.

Verteidiger Tobias Merki gehört zu den wichtigsten Spielern des FC Koblenz.

Verteidiger Tobias Merki gehört zu den wichtigsten Spielern des FC Koblenz.

Die Koblenzer Vereinsführung um Christian Rist stört sich ob dem Vorgehen des Lokalrivalen. «Wir finden es nicht richtig, dass man seitens Klingnau versucht, Spieler zu verpflichten, ohne uns davor zu informieren», sagt Rist. Zudem sei ihm nicht klar, warum Klingnau nicht aus seinen anderen beiden Aktivmannschaften Spieler in die 1. Mannschaft hochzieht. Der Verein hat vor rund zwei Wochen bekanntgegeben, auf die eigenen Spieler setzen zu wollen. «Unsere Möglichkeiten sind sehr begrenzt, wir haben nur noch 15 eigene Junioren», sagt Rist. Da werde es schwierig, allfällige Abgänge noch zu kompensieren.

Von Seiten des FC Klingnau heisst es, dass es nicht mehr zeitgemäss sei, zuerst den Vorstand um Erlaubnis zu beten, einen Spieler freizugeben. Man spreche direkt mit den Spielern, und wenn diese wechseln möchten, sei der Übertritt schnell erledigt, erklärt Klingnau-Sportchef Samir Bajramovic.

Zurück zu Koblenz: Als der Verein vor zwei Jahren den Abstieg aus der 2. Liga verkraften musste, wagte er ein Neuanfang. Mit Cimran Kurtisi und Rosario Vaccaro holte der Verein ein neues Trainergespann und viele neue Spieler. Absichtlich aber nur wenige aus der nahen Region. Christian Rist sagt: «Wir wollten die Region nicht belasten, nur weil wir ein neues Team aufbauen mussten.»

Über 100 Zuzüge in fünf Jahren

Dass nun der FC Klingnau versucht, Koblenzer Spieler abzuwerben, stösst den Vereinsverantwortlichen sauer auf. «Unsere Trainer haben die aktuelle Mannschaft aufgebaut. Es wäre sehr schade, wenn diese nun auseinanderfallen würde.»

Dennoch kann Rist der Sache auch etwas Positives abgewinnen. «Wenn unsere Spieler derart umworben werden, ist es auch ein Kompliment für die Arbeit, die wir hier leisten.»

Rist betont, dass ihm die fussballerische Region Zurzibiet am Herzen liegt. Deshalb hat er auch versucht, die Auflösung des Aare-Rhy-Teams zu verhindern. Vergebens. «Die Region verliert so viele gute, junge Spieler nach Baden, Aarau oder auch Zürich. Und weil wir hier kein Gefäss haben, kommen sie auch nicht wieder, wenn es mit dem Profifussball nicht aufgeht.»

Rist wünscht sich, dass man wieder vermehrt versucht, einen Weg zu finden, der für alle Parteien Vorteile hat. Vielleicht sogar mit Spielgemeinschaften.

«Die Konkurrenzsituation hat sich nach unserem Aufstieg 2016 verschärft», sagt er. Damals duellierten sich Koblenz und Klingnau innert zwei Jahren insgesamt fünfmal auf Stufe 2. Liga regional und im Aargauer Cup. Ein Aare-Rhy-Team auf Stufe Aktive? Für Christian Rist keine utopische Lösung.

Seit Rist im Sommer 2015 Sportchef und später Spiko des FC Koblenz geworden ist, hat er über 100 Transfers abgewickelt, mit Spielern, die auf die Eichhalde gewechselt haben. «Die Abgänge sind da noch nicht eingerechnet.»

Diese Entwicklung ist in Rists Augen verheerend. «Wenn das so weitergeht, haben wir es in Zukunft enorm schwer. So spielen wir nicht mehr lange in der 3. Liga.» Der FC Koblenz habe nicht die Manpower, um jedes Jahr wieder eine komplett neue Mannschaft zusammenzustellen.

Und genau deshalb hofft er nun wenigstens darauf, dass er sein Kader beisammenhalten kann, um eine solide Mannschaft zu stellen, die erneut um den Aufstieg in die 2. Liga spielt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1