NLA-Handball
Das Dynamit rechtzeitig gefunden: Nach schwacher erster Halbzeit sprengt der HSC Suhr Aarau die Abwehr der Basler Gäste

Der HSC Suhr Aarau gewinnt sein Heimspiel gegen den RTV Basel mit 23:17. Doch so deutlich, wie das Resultat vermuten lässt, war es nicht. Besonders in der ersten Hälfte tat sich der HSC gegen den Abwehrblock der Gäste schwer. Letztlich waren einige Akteure an der «Sprengung» entscheidend beteiligt.

Frederic Härri
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Timothy Reichmuth bejubelt einen Treffer.
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Misha Kaufmann konnte mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte nicht zufrieden sein.
Joao Ferraz hatte es schwer gegen die Basler Verteidiger.
Manuel Zehnder im Infight mit der Basler Deckung.
Kein Durchkommen: HSC-Flügel David Poloz.
Timothy Reichmuth beim Abschluss.
Diogo Oliveira kehrte nach Verletzung erstmals wieder auf die Platte zurück.
Am Ende durften die Spieler einen ungefährdeten 23:17-Sieg bejubeln.

Timothy Reichmuth bejubelt einen Treffer.

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Wo nur hatten sie den Sprengstoff liegen lassen? Die Spieler des HSC Suhr Aarau, sie suchten in der ersten Halbzeit nach dem Dynamit, mit dem sie die RTV-Abwehr, diesen massiven Block aus Granit, aufbrechen konnten. Und die Suche dauerte an. Nicht anders war zu erklären, dass der HSC nach 15 Minuten nur einen einzigen Ball ins Gehäuse der Gäste kriegte. Wirklich besser wurde es nicht: Bis zur Pause kamen bloss sechs weitere Tore dazu.

Man kann den HSC-Spielern nicht vorwerfen, dass sie es nicht versuchten, hier ein Loch in die Abwehr Basler zu schlagen. Die Aufbauer kreuzten, links und rechts, immer wieder von vorne. Sie waren emsig, werkelten weiter und hämmerten gegen das Gestein, das sich Defensive nannte. Aber die Hausherren hatten nicht das richtige Werkzeug dabei. Ein Grossteil der Abschlüsse waren Blindgänger.

Einer muss das Dynamit gefunden haben

Es ist nicht überliefert, was anschliessend in der Halbzeit geschehen ist in der Kabine des HSC. Die Vermutung liegt nahe, dass einer der Akteure das Dynamit unter der Sitzbank entdeckt haben muss. Denn in Hälfte zwei brach der Basler Granitblock.

Vielleicht war es ja Patrick Strebel, der den Sprengsatz gefunden hat. Strebel, der dem Basler Rückraumschützen Aleksander Spende so lange auf die Finger klopfte, bis dieser lamentierend beim Schiedsrichter vorstellig wurde. Gewissermassen tat sich Strebel als Saboteur hervor: Er begoss damit Spendes ganz persönliche Zündschnur mit Wasser und entnervte nicht nur den besten Skorer der Gäste, sondern verunsicherte auch die anderen Gästespieler mit seiner ihm eigenen Gegenwehr.

Es mag sein, dass auch David Poloz zu den glücklichen Entdeckern gehörte. Der Rechtsaussen erzielte vier seiner sechs Treffer in den zweiten 30 Minuten und sorgte dafür, dass die Abwehr des Tabellenachten gehörig ins Bröckeln geriet. Eher unbeteiligter Sprengmeister war João Ferraz, der sich gegenwärtig in einer leichten Baisse widerfindet. Nach zwei Toren aus neun Wurfversuchen am Donnerstag gegen GC Amicitia nahm Ferraz dieses Mal eine 0/4-Quote mit nach Hause. HSC-Trainer Misha Kaufmann schenkte dem Portugiesen nichtsdestotrotz viel Spielzeit auf der rechten Rückraumposition.

Diogo Oliveira ist nach seiner Verletzung wieder zurück

Freude machte den 50 Anhängern in der Schachenhalle die Rückkehr von Ferraz’ Landsmann Diogo Oliveira. Oliveira verletzte sich wenige Wochen zuvor unglücklich am Sprunggelenk und konnte gegen Basel das erste Mal wieder richtig mittun. Für viele Szenen im Spielaufbau reichte es dem am Fuss bandagierten Oliveira zwar noch nicht, doch zeigte er, wie wichtig er für die Kollegen sein kann, indem er alle drei seiner Siebenmeter im Tor unterbrachte.

«Ich habe keine Schmerzen mehr, bin aber noch nicht bei 100 Prozent», gab Oliveira nach Spielschluss eine Einschätzung in Zahlen. Letztlich half auch Oliveira mit bei der endgültigen Sprengung in diesem Spiel, die dem Heimteam mit einem kleinen Lauf gut zehn Minuten vor dem Ende glückte.

Chancenverwertung bleibt mangelhaft

Und so bleibt in der Essenz ein 23:17-Erfolg, aber auch die Feststellung, dass der HSC – wie schon gegen GC – erneut Mängel in der Chancenverwertung offenbarte. Kaufmann aber wollte dem nicht allzu viel Bedeutung beimessen: «Man darf nicht vergessen, dass wir ein junges Team sind», sagte der Trainer. Seine Spieler müssten lernen, mit der Hektik eines Spiels umzugehen. Das benötige eben Zeit. «Ich gehe davon aus, dass jeder seine Torchancen verwandeln will und bin da auch überhaupt nicht böse, wenn er mal vergibt.»

Und auch die Spieler wollten mit sich nicht allzu streng sein. Kaum war die Partie abgepfiffen, tanzten die Sprengmeister ausgelassen über den Hallenboden.

Das Spiel

Dem HSC Suhr Aarau missglückte der Start in dieses Spiel gegen den RTV Basel. Die Gäste gingen in der 7. Minute mit 1:0 in Führung. Wenig später legte Basels Topskorer Aleksander Spende zum 2:0 nach und Berger verwandelte einen Gegenstoss zum 3:0. Beim HSC scheiterten Tim Aufdenblatten und Timothy Reichmuth am glänzend reagierenden Basler Goalie Willimann. Trainer Misha Kaufmann reagierte nach elf Minuten mit dem ersten Timeout.

Nach der Auszeit glückte dem HSC das erste Tor. Tim Aufdenblatten, der heute das Trikot des Topskorers trug, verkürzte zum 1:3. Doch der HSC tat sich weiter schwer. Vorne fanden die Spieler keine Lücke, Manuel Zehnder scheiterte mit einem Siebenmeter an Willimann. Die Basler indes legten zwei weiteren Tore nach. Nun warfen zwar auch die Hausherren ihre Tore Nummer zwei und drei, in der Verteidigung aber konnten sie den Gegner nicht stoppen. Acht Minuten vor der Pause stand es 3:7.

In den folgenden Minuten kam der HSC ran, weil auch beim RTV die Würfe nicht mehr derart zuverlässig ihren Weg ins Tor fanden wie zu Beginn. Drei Minuten vor der Halbzeitpause traf Manuel Zehnder zum 6:7. Eine Minute später glich David Poloz zum 7:7 aus. Mit diesem Resultat verabschiedeten sich beide Mannschaften auch in die Halbzeitpause.

Wilde zweite Hälfte mit vielen Toren

Die zweite Hälfte hatte ein ganz anderes Tempo zu bieten als die erste Halbzeit. Beide Teams spielten mit Druck und Zug nach vorne, die Fehlerquote blieb hoch. Es war eine wilde Partie in den ersten Minuten nach der Pause. Der HSC vergab beste Chancen, RTV dezimierte sich selbst mit zwei Zeitstrafen. Die Spieler beider Mannschaften verstrickten sich in Diskussionen abseits des Spielgeschehens. Nach 40 Minuten führte der HSC mit 11:10.

Danach funktionierte das Angriffspiel des HSC immer besser. Bis 15 Minuten vor Schluss stellte das Heimteam mit drei weiteren Treffern auf 14:11. Ein Manko blieb allerdings weiterhin die mangelnde Chancenverwertung. Und doch baute der HSC das Skore weiter aus. Fünf Minuten vor dem Ende führten die Hausherren zwischenzeitlich mit sechs Toren. Basel-Coach Dario Bagaric versuchte noch einmal, mit einem Timeout Einfluss zu nehmen.

Basel versuchte noch einmal, heranzukommen, viel gelang dem Gast aber nicht mehr. Und so gewann der HSC Suhr Aarau letztlich souverän mit 23:17.

Telegramm

Suhr Aarau - RTV Basel 23:17 (7:7)

50 Zuschauer. – SR Boshkoski/Stalder. – Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 5mal 2 Minuten gegen RTV Basel.

Suhr Aarau: Marjanac (6 Paraden); Aufdenblatten (3 Tore), Brandt, Da Silva Ferraz, De Abreu Oliveira (3/3), Laube, Muggli, Parkhomenko, Poloz (6), Reichmuth (2), Slaninka (1), Strebel, Zehnder (8/1).

Basel: Willimann (9 Paraden)/Kühner; Basler, Berger (3 Tore), Buob, Engler (1), Esono Mangue (2), Karvatski, Krause (1), Ramseier (1), Schärer, Spende (8/1), Stamenov, Voskamp (1).

Bemerkungen: HSC ohne Attenhofer, Ferrante, Müller (alle ohne Einsatz) Hofer, Kalt und Peter (nicht im Aufgebot). Verhältnis verschossene Penaltys: 3:0.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sich das Spiel noch einmal in der Aufzeichnung des Livestreams an: