FC Wohlen

Das Geständnis der Kultfigur: Alain Schultz ist der Dauerbrenner und Publikumsliebling

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: In den 16 Jahren Challenge League hat sich Alain Schultz beim FC Wohlen zu einer Kultfigur entwickelt.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: In den 16 Jahren Challenge League hat sich Alain Schultz beim FC Wohlen zu einer Kultfigur entwickelt.

Am 17. Februar feiert Alain Schultz seinen 35. Geburtstag. Trotz der kräftezehrenden 16 Profijahre denkt er nicht ans Aufhören. Sein Erfolgsrezept? Ganz einfach: Schultz schluckt vor dem Schlafengehen zwei, drei Fischöl-Dragées und hüpft und springt am nächsten Morgen wieder wie ein junges Reh.

Eine Geschichte mit netter Pointe, aber dass Schultz Tag für Tag wie ein junges Reh hüpft und springt, ist leicht übertrieben. Um den inneren Schweinehund zu überwinden, braucht es im fortgeschrittenen Alter mehr als zwei, drei Pillen. Schultz ist ein Dauerbrenner, weil Fussball sein Leben ist.

Schultz ist ein Dauerbrenner, weil er über Tugenden wie Willensstärke, Leidenschaft und Herzblut verfügt. Und Schultz ist ein Dauerbrenner, weil er den FC Wohlen liebt und bereit ist, für die Freiämter an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu gehen. Diese Stärken führen dazu, dass er in Wohlen erst einmal bewundert wurde und schliesslich sogar den Status einer Kultfigur erreichte.

Sandro Burki und Alain Schultz.

Sandro Burki und Alain Schultz.

Schultz ist auch ein Teamplayer. In den vergangenen Jahren schien es oft so, als sei ihm das Gemeinwohl wichtiger als das Eigenwohl. Ein Hindernis auf dem Weg nach oben war das Verletzungspech. Das war wohl der Hauptgrund, warum der zentrale Mittelfeldspieler den grossen Durchbruch während seiner Karriere nicht geschafft hat. Er kann zwar auf eine ansprechende Laufbahn zurückblicken, aber ein spektakulärer Transfer ist ihm nicht gelungen.

Schultz wurde kaputtgespritzt

Die beste Phase seiner Karriere erlebte er in der Zeit vom 1. Januar 2009 bis im Sommer 2010 bei GC. In dieser Zeit war er Stammspieler bei den Zürchern, plagte sich aber während Monaten mit Problemen in der Hüfte und im Bereich des Schambeins herum. Dann zog er sich auch noch einen Leistenbruch zu.

Statt die Verletzungen auszukurieren, verabreichte ihm der Arzt von GC immer und immer wieder Kortison-Spritzen. So konnte Schultz zwar spielen, aber das Kortison wirkte sich im Lauf der Zeit verheerend auf die Gesundheit des Spielers aus. Eine längere Zwangspause war unumgänglich. Im Klartext: Schultz wurde buchstäblich kaputtgespritzt.

Alain Schultz schoss bei GC diesen Riesentreffer gegen YB

Statt auf der Karriereleiter eine Sprosse nach oben zu klettern, ging es im Sommer 2010 nach anderthalb Jahren bei GC eine Sprosse nach unten. Statt FC Basel oder Young Boys folgte die Rückkehr zum FC Wohlen. Dass er die Freiämter nach der Saison 2010/11 schon wieder verliess und zum Erzrivalen nach Aarau ging, sorgte in der Freiämter Metropole für heisse Diskussionen und rote Köpfe.

Wortloses Kaffee nach dem Wechsel

Den Wechsel ins Brügglifeld haben ihm die eingefleischten Wohler nie verziehen. Umso mehr, als dass Schultz Ehrenpräsident René Meier bereits versprochen hatte, in Wohlen zu bleiben, sich dann aber anders entschied.

Der Wechsel zum FCA war für die Fans des FC Wohlen ein absolutes No-Go

Der Wechsel zum FCA war für die Fans des FC Wohlen ein absolutes No-Go

«Es war ein Fehler, dass ich dem FC Wohlen zugesagt habe und schliesslich doch nach Aarau gegangen bin», blickt Schultz zurück. «Ich kann den Ärger von Ehrenpräsident René Meier nachvollziehen. Er hat deshalb ein Jahr lang nicht mit mir gesprochen. Wir haben zwar morgens im gleichen Restaurant einen Kaffee getrunken, aber kein Wort gewechselt. Das war eine komische Situation, die mich sehr beschäftigt und frustriert hat. Schliesslich habe ich mich bei René Meier entschuldigt. Danach war alles wieder in Ordnung.»

Schultz’ Wunsch: Promotion League

Beim FC Aarau erlebte er mit dem Aufstieg in die Super League 2013 sein grosses Karriere-Highlight. In dieser Zeit entwickelte sich eine Freundschaft mit dem früheren FCA-Spieler Sandro Burki, der heute als Sportchef tätig ist. Zwei Jahre später kehrte Schultz zum FC Wohlen zurück und hielt dem Verein bis zum heutigen Tag die Treue.

Seit seiner Rückkehr von Aarau ist er dem FC Wohlen treu

Seit seiner Rückkehr von Aarau ist er dem FC Wohlen treu

Ende dieser Saison schliesst sich für Schultz der Kreis: Vor 16 Jahren lancierte Schultz seine Profikarriere beim FC Wohlen. Der damals 19-Jährige wechselte von der U21-Auswahl des FC Aarau zu den Freiämtern und kam in der ersten Nationalliga-B-Saison auf zwölf Einsätze und erzielte zwei Tore.

«Viele Spieler waren damals Amateure», erinnert sich Schultz an die Meisterschaft 2002/03. «Wir haben zwar nur viermal in der Woche trainiert, davon zweimal über die Mittagszeit. Aber der Geist innerhalb des Teams war einzigartig. Der FC Wohlen ist mein Klub. Da fühle ich mich wie zu Hause. Das ist heute so. Und das wird immer so bleiben.»

Wohin aber führt der Weg des FC Wohlen nach dieser Saison? In die Promotion League, 2. Liga oder gar in die 5. Liga? «Ich wünsche mir, dass ich noch eine Saison beim FC Wohlen spielen kann», sagt Schultz. «Aber das kommt für mich nur infrage, wenn der Klub in der Promotion League spielen wird.»

Alain Schultz würde noch ein Jahr bei Wohlen bleiben, wenn dieser in der Promotion League weiterspielt

Alain Schultz würde noch ein Jahr bei Wohlen bleiben, wenn dieser in der Promotion League weiterspielt

Das ist ein frommer Wunsch. Geht es nach dem Willen der führenden Kräfte, kommt es in der Saison 2018/19 zu einem Neuanfang in der regionalen 2. Liga. Ohne Schultz.

FC Wohlen Saison 2002/2003

Am Samstag, 6. Juli, folgte der Startschuss zur Saison 2002/03: Die Premiere in der NLB ging für den FC Wohlen im Stadio Comunale in Bellinzona (1:1) über die Bühne. Claudio Patusi, Remo Di Jorio, Francesco Sessa, Goran Ivelj, Fabio Viceconte, Gerardo Viceconte, Flavio Castaldi Vladimir Martinovic, Dejan Markovic, Zoran Jovanovic und ein Brasilianer namens Fabricio Nogueira Nascimento (Künstlername: Piu) bestritten für die Freiämter die erste Partie in der zweithöchsten Spielklasse.

Piu brachte die Wohler in der Startphase mit 1:0 in Führung. Kurz vor Schluss gelang den Tessinern der Ausgleich. «Das Unentschieden war der Beweis, dass wir in dieser Liga bestehen können», sagte Piu nach dem Schlusspfiff. Er war auch massgeblich am 2:1-Sieg im ersten Heimspiel gegen Baden beteiligt und schoss den Treffer zum 1:0.

Die Schlusstabelle der Saison 2002/03

Die Schlusstabelle der Saison 2002/03

Knackpunkt der Karriere

Dann aber schlug die Verletzungshexe erbarmungslos zu: Piu zog sich Mitte November 2002 einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und war während neun Monaten nicht einsatzfähig. «Diese schwere Verletzung war der Knackpunkt in meiner Karriere», sagt er rückblickend. «Danach konnte ich mein Leistungspotenzial nie mehr richtig ausschöpfen.»

Alain Schultz macht den Hitzfeld

Humorvoll: Alain Schultz macht den Hitzfeld

15 Jahre später kehrte Piu als Assistenztrainer zum FC Wohlen zurück. Der 41-Jährige steht heute an der Seite von Chefcoach Ranko Jakovljevic. Was Piu in der Saison 2018/19 machen wird, ist offen. Eines ist klar: Piu will auch in Zukunft im Fussballgeschäft bleiben. Am liebsten als Trainer. 

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Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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