Playoff-Final
Das Licht am Ende des Tunnels wird für den EV Zug nach dem 4:1-Auswärtssieg heller

Titelverteidiger Zug gewinnt gegen die ZSC Lions zum ersten Mal in diesem Final (4:1) und verhindert eine Meisterfeier im Hallenstadion. Am Mittwoch folgt Spiel fünf.

Klaus Zaugg
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Yannick Zehnder erzielt den Ausgleich zum 1:1 gegen den bislang so starken ZSC-Goalie Jakub Kovar. Der EVZ-Stürmer bringt mit diesem Treffer im Hallenstadion den Gast aus der Zentralschweiz im vierten Playoff-Finalspiel wieder zurück.

Yannick Zehnder erzielt den Ausgleich zum 1:1 gegen den bislang so starken ZSC-Goalie Jakub Kovar. Der EVZ-Stürmer bringt mit diesem Treffer im Hallenstadion den Gast aus der Zentralschweiz im vierten Playoff-Finalspiel wieder zurück.

Martin Meienberger/Freshfocus

Es gibt ein Wort für das Würfelspiel der Hockey-Götter: «Bounces». Zugs Trainer Dan Tangnes hat es im Laufe dieses Finals schon oft verwendet. Um das aus seiner Sicht eigentlich Unerklärliche zu erklären. Dass nämlich seine Zuger dreimal hintereinander verloren haben. Obwohl sie doch fast gleich gut und zumindest phasenweise besser waren. Obwohl sie dreimal 1:0 geführt hatten und daraus nichts machen konnten. Obwohl sie genügend Chancen, Pfosten- und Lattenschüsse gehabt hatten, um mit dem Beistand der Hockey-Götter dreimal zu gewinnen. Auch in diesem vierten Final treffen die Zuger wieder den Pfosten. Früh im Spiel beim Stande von 0:0 und im letzten Drittel beim Stande von 2:1. Aber sie werden dieses Mal gewinnen und diesen vergebenen Möglichkeiten nicht nachtrauern.

«Bounces» lässt sich aus der nordamerikanischen Hockeysprache nicht wörtlich übersetzen. Das Wort will sagen, dass der Puck springt, abprallt und abgelenkt wird. Mal in diese, mal in die andere Richtung. Und oft unerwartet. Es ist das Würfelspiel der Hockey-Götter. «Bounces» steht für alle möglichen Varianten des Hockey-Glücks. Normalerweise ist dieses Glück ungefähr gleichmässig verteilt. Mal fallen die Würfel für diese, mal für die andere Mannschaft. In den ersten drei Finalpartien sind die Würfel jedes Mal für die Zürcher gefallen. Natürlich nicht unverdient. Torhüter Jakub Kovar war noch besser als Leonardo Genoni. Sven Andrighetto und Denis Malgin waren die dominanten offensiven Einzelspieler und bissiger als Zugs Grégory Hofmann.

Das 2:1 für Zug ist eigentlich ein Eigentor

Nun ist der Puck zum ersten Mal für die Zuger gesprungen. Dazu passt, dass das bereits vorentscheidende 2:1, das Verteidiger Christian Djoos zugeschrieben wird, ein Eigentor von ZSC-Captain Patrick Geering ist: Er lenkt den Puck unhaltbar für Jakub Kovar ins eigene Netz ab. Eine Szene, für die das Wort «Bounces» erfunden worden ist. Natürlich wäre auch ein Sieg für die ZSC Lions möglich gewesen. Aber der Schwung nach dem 1:0 – zum ersten Mal erzielt der ZSC in diesem Final den ersten Treffer! – geht zu rasch verloren. Weil die Psychologie nun eine Rolle spielt. 1:0 in der vierten Partie! Ein Sieg wird den Titel bringen! Das Hallenstadion bebt! Der Triumph ist so nahe!

Plötzlich konnte der ZSC Meister werden

Die Auswirkung dieser Aussichten ist nicht zu unterschätzen. Nun haben die ZSC Lions tatsächlich etwas zu verlieren – und die Zuger rein gar nichts mehr. Dieser feine Unterschied wirkt sich auf dem Eis aus. Erst recht bei so guten Teams, die beides können: Eher taktisch spielen (wenn in Führung) und offensiv Sausen und Brausen (wenn es gilt, einen Rückstand aufzuholen). Die Zuger dominieren nach diesem 0:1-Rückstand wie noch nie in diesem Final. Am Ende notieren die Statistiker 37:21 Torschüsse für die Zuger. Es ist die Flucht nach vorne, um dem drohenden Saisonende davonzulaufen. Aber keine unkontrollierte. Die grosse «Hockey-Maschine» Zug funktioniert auch im Vorwärtsgang. Die Balance zwischen Offensive und Defensive bleibt gewahrt.

Die Frage, die im Schlussdrittel beantwortet werden muss: Gelingt es den Zugern, den Vorsprung durchs Schlussdrittel zu retten? Oder fallen die Würfel zum vierten Mal für die Zürcher, die in den drei dritten Dritteln der ersten drei Partien ein Torverhältnis von 6:0 erreicht haben? Die Zuger retten den Vorsprung mit bemerkenswerter Gelassenheit durch die letzte Periode, erzielen den siegsichernden dritten Treffer plus einen ins leere, von Jakub Kovar verlassene Tor. Und gewinnen erstmals in diesem Final. Das ist aus neutraler Sicht überaus erfreulich. Denn so geht der vielleicht beste, intensivste Final der Hockeygeschichte weiter. Es wäre ein Kuriosum der besonderen Art gewesen, wenn ein so hochstehender Final zwischen zwei praktisch gleichwertigen Mannschaften mit einem 4:0 geendet hätte.

Am Mittwoch ist Zug wieder unter Druck

Zugs Trainer Dan Tangnes hatte nach der dritten Niederlage in Zug gesagt, nun habe seine Mannschaft die Chance, etwas Einmaliges zu vollbringen: Erstmals einen Final nach einem 0:3-Rückstand zu gewinnen. Das sei das Licht am Ende des Tunnels. Nun ist dieses Licht ein wenig heller geworden. Fortsetzung am Mittwoch. Unter den gleichen Voraussetzungen: Mit einem Sieg sind die ZSC Lions Meister.

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