Schwingen

Das Muni-Dilemma: Wenn der Siegerpreis zu alt wird

Die Lebendpreise für das auf 2022 verschobene Aargauer Kantonalschwingfest in Beinwil müssen ausgetauscht werden.

Die Lebendpreise für das auf 2022 verschobene Aargauer Kantonalschwingfest in Beinwil müssen ausgetauscht werden.

Die Coronakrise stellt die Veranstalter der Nordwestschweizer Schwingfeste vor teilweise ungewöhnliche Herausforderungen.

Siegermuni «Kümu» wurde um seinen Auftritt gebracht. Eigentlich wäre er ja am 7. Juni neben dem Gewinner des Aargauer Kantonalfests in Beinwil gestanden. Doch dann kam Corona und mit dem Virus die Ab­sage fast aller Feste. Und wenn das Kantonale in Beinwil in zwei Jahren nachgeholt wird, ist «Kümu» zu alt. «Darum überlegen wir uns, ob wir einen Nachkommen von ihm als Muni präsentieren», sagt OK-Präsident Hermann Bütler.

Neue Lebendpreise zu finden, ist nur eine der zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Veranstalter stellen müssen, seit Corona das Schwingen auf den Rücken legte. Doch während fast alle Feste 2021 oder 2022 nachgeholt werden können, ist in Hägendorf alles anders. Weil das Nordwestschweizer Fest abwechselnd und nacheinander von einer Gemeinde aus den vier Mitgliederver­bänden Solothurn, Basel-Landschaft, Basel und Aargau durchgeführt wird, könnte sich Hägendorf frühestens 2024 wieder bewerben.

Auf die Hilfe von Kanton oder Bund angewiesen

Auf 25000 Franken beziffert der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst den Schaden der Absage. «Jetzt gilt es zu klären, ob der Kanton oder der Bund hilft», sagt der OK-Präsident des Anlasses in Hägendorf. Er selbst wird bei diesen Verhandlungen in den Ausstand treten, da er als Regierungsmitglied einem Interessenskonflikt ausgesetzt wäre. Doch nicht nur aus finanzieller Sicht schmerzt die Absage. «Es wurde mit sehr viel Enthusiasmus gearbeitet. Es steckt viel Herzblut und Zeit in diesem Fest», sagt Fürst. Doch der Lohn für 15 Monate Vorbereitung, also zufriedene Zuschauer und ein tolles Fest, fällt nun weg.

Darum ist man in Beinwil froh, das Aargauer Kantonalfest überhaupt durchführen zu können. «Als klar wurde, dass eine Austragung 2021 nicht möglich ist, war die Stimmung am Boden. Wir überlegten uns, aufzugeben», sagt Hermann Bütler. Doch dann wurde eine Lösung für 2022 gefunden. «Die Motivation war sofort wieder da und die Zuversicht ist gross.» Ursprünglich wurde befürchtet, dass eine Austragung 2022 das Kantonale Schützenfest, das in zwei Jahren ebenfalls im Freiamt geplant ist, konkurrenzieren könnte. Doch nun zeichnet sich ab, dass dieses auf 2023 verschoben werden könnte.

Durch die Absage des diesjährigen Fests entstehen für die Veranstalter in Beinwil zwar Mehrkosten, Bütler ist allerdings überzeugt, «dass wir diese tragen können. Von den Sponsoren haben wir bisher nur positive Rückmeldungen erhalten, dass sie uns weiter unterstützen». Und 2022 könnte sich am Ende gar als Chance erweisen. Weil in einem Jahr mit einem Eidgenössischen die Feste im Juli hohe Beachtung finden und starke Gäste kommen. Das wiederum könnte dann sogar noch weitere Geldgeber anlocken.

Dass das Fest 2022 erst im Juli und nicht wie ursprünglich geplant im Juni stattfindet, hat einen einfachen Grund. «Unsere wichtigsten Helfer vom Turnverein sind im Juni 2022 am Kantonalen Turnfest im Einsatz und verfolgen dort hohe sportliche Ziele. Damit wir trotzdem auf ihren Einsatz zählen können, war ein neues Datum nötig», sagt Bütler.

Wichtige Einnahmequelle fällt weg

Doch wie sieht es für die kleinen, regionalen Feste aus, die jährlich vom gleichen Schwingklub organisiert werden und die wichtigste Einnahmequelle sind? Andreas Ender, OK-Prä­sident des Guggibad-Schwin­­-get, sagt: «Natürlich schmerzt der Ausfall. Doch wir sind als Schwingklub Freiamt gut aufgestellt und können die fehlenden Einnahmen verkraften. Zudem haben wir, als sich die Absagen abzeichneten, gepokert und die Vorbereitung früh unterbrochen. So haben wir noch keine grossen Ausgaben getätigt.»

Der Schwingklub Kreis Kulm hofft gar, das Homberg-Schwinget im September durchführen zu können. «Das Fest ist fast die einzige Einnahmequelle für den Verein und daher sehr wichtig. Wir vermieten zwar auch unsere Tribünen, doch diese Einnahmen fallen in diesem Jahr komplett weg», sagt OK-Präsident André Bergmann. Zwar würde der Schwingklub die Absage ebenfalls überstehen, doch lieber wäre Bergmann die Durchführung. «Dafür müsste aber die 2-Meter-Abstandsregel fallen.» Damit genügend Zuschauer kommen könnten und das Fest rentabel machen würden. «Aber falls es so weit kommt, hätten wir wohl sogar das Problem, dass wir von Schwingfans überrannt werden.»

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