1:2 im Cup gegen Sion

«Das nervt»: Schon wieder schlägt sich der FC Aarau gegen einen prominenten Gegner selber

Der FC Aarau muss sich nach einer bitteren 1:2-Niederlage gegen den FC Sion in der Nachspielzeit aus dem Schweizer Cup verabschieden. Als Siegtorschütze durfte sich der dreifache Super-League-Torschützenkönig Seydou Doumbia bei seinem Debüt für die Walliser feiern lassen.

Naiv! Es ist nach dem Schlusspfiff und dem 1:2 gegen Sion das meistgehörte Wort rund um die Aarauer Ersatzbank. «Nein, wir hatten genug Kraft, das war nicht das Problem. Wir müssen uns einfach intelligenter anstellen – Punkt», sagt FCA-Torschütze Markus Neumayr. Captain Elsad Zverotic stimmt zu: «Das hat nichts mit Pech zu tun, das war ganz alleine unsere Schuld.»

Das ist passiert: Zwei Minuten vor Ablauf der Nachspielzeit erhält Aarau einen Freistoss am Strafraum der Walliser. Statt vor dem Tor auf einen Kopfball zu lauern, will 2,02-Meter-Mann Stefan Maierhofer selber schiessen. Das tut dann aber Neumayr – und zwar direkt auf Goalie Fickentscher, der leichtes Spiel hat und direkt den Konter lanciert. 30 Sekunden später steht es 2:1 für Sion.

Stimmen zum Spiel – Interviews mit Jérôme Thiesson und Cheftrainer Patrick Rahmen:

Nicht nur die Entstehung des matchentscheidenden Angriffs, auch die Vollendung ist geprägt von der Naivität des Heimteams. Natürlich ist Seydou Doumbia eine Tormaschine, die praktisch jede Chance nutzt, 70 Tore in 89 Super-League-Partien hat der neue Sion-Stürmerstar zuvor für Basel und YB erzielt. Doch so einfach wie an diesem Sonntagnachmittag im Brügglifeld hatte er es selten bis nie: Gleich drei Aarauer, Thaler, Leo und Pepsi, stehen um den Ivorer herum, aber halt nicht mehr. Zynisch formuliert: Das Trio beschenkt Doumbia bei seinem Debüt für Sion mit allen Freiheiten, dieser sagt «merci» und nickt zum 2:1 ein.

Eine Antwort darauf haben die Aarauer nicht mehr, zu viel Kraft hat der Abnützungskampf bei knapp 30 Grad gekostet, zu tief sitzt der Schock nach Doumbias Nackenschlag.

Und so heisst es aus Aarauer Sicht gegen einen vermeintlich stärkeren Gegner erneut: gut gespielt, trotzdem verloren. Wieder tritt der Gegner mit lachenden Gesichtern die Heimreise an. So wie Anfang Juni im Barrage-Rückspiel gegen Xamax, als der FCA ein 0:4 verspielte, obwohl er im Rückspiel genug Chancen hatte, den Aufstieg klarzumachen. So wie Anfang August gegen die Grasshoppers, als Aarau die Zürcher dominierte, wegen zwei vermeidbaren Gegentoren nach Eckbällen am Schluss aber mit leeren Händen dastand (1:2).

In allen drei Spielen zeigten die Aarauer, dass sie vom Talent her zu den besten zwölf Mannschaften der Schweiz gehören. Aber Talent ist bekanntlich nicht einmal die halbe Miete für Siege, im auf Physis basierenden Fussball hierzulande sind Attribute wie Effizienz, Härte, Cleverness und Konzentrationsfähigkeit mindestens genauso wichtig.

Wäre es mit Geoffroy Serey Dié, der nach seiner Vertragsunterzeichnung am Donnerstag noch keine Spielberechtigung hatte, anders gekommen? Dass der ivorische Aggressivleader den Aarauern gegen Sion gutgetan hätte, ist klar. Trotzdem ist das Bedauern über seine Absenz müssig: Denn auch so boten sich dem FCA genug Chancen für das Weiterkommen, insbesondere in der ersten Halbzeit, die vom Heimteam dominiert wurde. Bezeichnend, dass trotzdem Sion mit der ersten Chance in Führung (22. Minute). Doppelt bitter für Aarau: Das 1:0 durch Toma hätte wegen des Handspiels zuvor von Uldrikis nicht zählen dürfen.

Neun Minuten später trifft Neumayr herrlich zum 1:1, nach ebenso toller Vorarbeit von Misic und Rossini. Es bleibt leider die einzige Aktion, in der sich der FC Aarau für einen starken Auftritt belohnt. Und so passt zum Schluss der Satz von Stürmertrainer Petar Aleksandrov ganz gut: «Ich bin es langsam satt, dass die Zuschauer wegen unserer guten Leistung klatschen, aber wir haben verloren. Das nervt!»

Haben Sie die bittere Niederlage vom FCA verpasst? Lesen Sie hier alles darüber im Ticker nach:

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