Challenge League
Das steckt hinter dem traurigen Jubel von Aarau-Stürmer Liridon Balaj

Liridon Balaj steuerte zum 4:2-Auswärtssieg des FC Aarau gegen Xamax einen Treffer bei, gleichzeitig das erste Saisontor des Kosovaren. Im Moment der Freude kamen beim 21-Jährigen jedoch auch traurige Gefühle auf.

Sebastian Wendel
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Bei seinem Tor für den FCA gegen Xamax in Gedanken bei seinem verstorbenen Cousin: Liridon Balaj

Bei seinem Tor für den FCA gegen Xamax in Gedanken bei seinem verstorbenen Cousin: Liridon Balaj

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Das erste Saisontor – für jeden Fussballer ein Grund für unbändige Freude. Auch für Liridon Balaj, den Flügelstürmer des FC Aarau, der am Freitagabend im Auswärtsspiel gegen Xamax zum 3:1 trifft. Im Oktober wurde Balaj erstmals für die kosovarische U21-Nationalmannschaft aufgeboten, verletzte sich jedoch kurz vor dem Debüt und verpasste danach fünf Spiele des FC Aarau. Riesig also ist die Erlösung, als Balaj in Neuenburg dank seinem Premierentor endlich in der Saison ankommt.

Doch im Moment der Freude kommen in Balaj auch traurige Gefühle hoch. Der Grund steht mit schwarzem Filzstift auf seinem Unterleibchen geschrieben, das Balaj bei seinem Torjubel freilegt und danach mit geschlossenen Fingern beide Zeigefinger gen Himmel streckt: «RIP NAIM – I will miss you». Ruhe in Frieden Naim – ich werde dich vermissen.

Naim Krasniqi war Balajs Cousin, vom Gefühl her aber wie ein Bruder. Auf einem Bild aus dem Jahr 2012 hält Naim den 13-jährigen Liridon im Arm, stolz auf das grosse Fussballtalent der Familie. Die beiden hatten ein inniges Verhältnis. Während Balajs Vater dagegen war, dass sein Sohn einem Fussballklub beitritt, unterstützte Naim seinen kleinen Cousin von Beginn auf dem Weg zu seinem Ziel – einem Profivertrag in Westeuropa.

Balaj als 13-Jähriger (links) mit seinem Cousin und Förderer Naim

Balaj als 13-Jähriger (links) mit seinem Cousin und Förderer Naim

zvg

Im Sommer 2019 geht der Traum mit der Unterschrift beim FC Aarau in Erfüllung. Auch mit fast 2000 Kilometern Distanz bleiben Liridon und Naim fast täglich in Kontakt. Als Balaj im vergangenen Juli mit drei Toren den späteren Aufsteiger Lausanne-Sport praktisch im Alleingang abschiesst (Endstand 5:4), schaut Naim voller Stolz am TV zu.

Auch am 15. November meldet sich Balaj bei seiner Verwandtschaft im Kosovo. Ein bisschen Plaudern während der Quarantäne, in der sich Balaj wegen mehrerer Coronafälle im Aarauer Team gerade befindet. Doch dann der Schock: Balaj erfährt, dass soeben sein Cousin Naim verstorben ist. Aus heiterem Himmel, wohl an Herzversagen.

Gefangen in seiner Wohnung, kann Balaj nicht zur Beerdigung in den Kosovo reisen, um dort gemeinsam mit seinen Angehörigen trauern. Wodurch für ihn die Tage nach dem Tod seines geliebten Cousins schier unerträglich werden. Balajs einzige Möglichkeit, Naim zu ehren: So schnell wie möglich sein erstes Saisontor erzielen und es seinem Cousin widmen. Am vergangenen Freitag in Neuenburg war es soweit.