American Football

Dem amerikanischen Traum auf der Spur: Wie die Argovia Pirates den NFL-Saisonstart erleben

In der National Football League hat in dieser Woche die Saison begonnen, bei den Argovia Pirates laufen derweil noch die Probetrainings. Trotzdem sind die Aargauer schon voll im American-Football-Fieber.

Um die fünfzig junge Sportler stellen sich in der Sportanlage Suhrenmatte in Buchs im Kreis auf. «One, two, three, Pirates!», rufen sie. Der Startschuss zum Probetraining der Argovia Pirates ist gefallen.

Äusserst motiviert ist dabei der 15-jährige Timon Brack, der zum ersten Mal mit von der Partie ist und zuvor keine Berührungspunkte mit American Football hatte. «Ich habe mir gedacht, dass diese Sportart zu mir passen könnte», sagt er. Vom Training erhofft er sich vor allem eine verbesserte Kondition. Richtiggehend begeistert von der Sportart ist hingegen Dean Hauri aus Starrkirch-Wil.

Er, ebenfalls 15-jährig, verfolgt die Sportart schon länger und hat nun die Chance genutzt, selbst aktiv zu werden. «Klar werde ich nie ein NFL- Spieler, aber ich wäre gerne so schnell wie Tyreek Hill», schwärmt er. Sein Lieblingsteam sind die Kansas City Chiefs, auf die Frage, ob er dem NFL-Start am Freitag entgegengefiebert habe, meint er nur knapp: «Und wie!».

Trotz fehlendem Hype zufrieden

Ähnlich geht es den beiden Coaches Brian Petrus und Michael Baumgartner. Besonders Juniorentrainer Baumgartner stellt für den Sport einiges auf den Kopf. «Am Montag ist bei mir immer Home Office angesagt. So kann ich die ersten NFL-Spiele schauen», sagt er.

Obwohl die beiden derart für die Geschehnisse in den USA schwärmen, macht ihnen der fehlende Hype hierzulande nicht zu schaffen. «So, wie es ist, ist es für mich in Ordnung. In den vergangenen zehn Jahren hat sich sowieso enorm viel getan», sagt Petrus, der selbst Amerikaner ist. Ähnlich sieht das auch Baumgartner, obwohl er gegen einen Zuwachs bei den 9- bis 13-Jährigen nichts einzuwenden hätte.

Um diese müssen die Vereine oft kämpfen. Im Gegensatz zu der Schweiz ist der Sport in den amerikanischen Schulen fest im Stundenplan verankert. Baumgartner bedauert dies, da der Sport den Kindern eine gute Bewegungsmöglichkeit und einen Einstieg in die Sportwelt bietet. «Es findet sich für jeden Körperbau und für jeden Spielertyp eine Position auf dem Feld», sagt Baumgartner.

«Football ist immer für eine Überraschung gut»

Das zeigt sich gut auf dem Feld. In zahlreichen Gruppen eingeteilt absolvieren die Neulinge konzentriert die verschiedensten Übungen. Zumindest in den höheren Alterskategorien dürfte so der Nachschub gesichert sein. Und obwohl die Schweiz im Nachwuchsbereich hinterherhinkt, nervt Petrus der ständige Vergleich mit dem Vorreiter Amerika nicht. «Man probiert doch immer, sich mit dem zu vergleichen, der am besten ist», sagt er locker.

Dass die Schweiz trotzdem nicht ganz den Anschluss verliert, dafür sorgt Silas Müller. Der Spieler der Seniors kämpft im Herbst mit der Schweizer Nationalmannschaft um die EM-Qualifikation. Gegen die Gegner Österreich und Italien gilt die Schweiz nicht als Favorit, doch das beunruhigt ihn nicht. «Football ist immer für eine Überraschung gut, man weiss nie genau, was auf dem Platz passiert», sagt Müller.

In der Tat werden die Übungen im Probetraining immer schneller und anspruchsvoller. Nach zwei Stunden ist Timon Brack zwar nicht ausgepowert, aber doch recht geschafft. «Es hat mir gefallen, aber es dauert wohl noch, bis ich alles verstanden habe», sagt der Badener. Ob er noch einmal wiederkommt? «Ja, ich denke schon.»

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