Spielen mit den Kindern, ein feines Essen mit Freunden oder ein Ausflug in die Natur: Am Tag nach dem 2:2 gegen Winterthur suchten die Akteure des FC Aarau Ablenkung. Beim einen oder anderen dürfte sich der Frust über den Ausgleich in der Nachspielzeit und die krassen Fehler von Schiedsrichter Stefan Horisberger etwas gelegt haben. Doch dann, knappe 24 Stunden nach dem Schlusspfiff im Brügglifeld, folgt der nächste Schock: Weil Lausanne am Samstagabend sein Heimspiel gegen ein inferiores Wil mit 2:0 gewinnt, beträgt der Rückstand auf den Barrage-Platz nun fünf Punkte.

Die Hoffnung auf Schützenhilfe vom neuen Wil-Trainer und ehemaligen FCA-Profi Ciriaco Sforza stirbt schon nach zwei Minuten und dem frühen 1:0 der Waadtländer. Deren Trainer Giorgio Contini kann sich nach dem Schlusspfiff gegenüber dem nach Lausanne gereisten AZ-Reporter Ruedi Kuhn ein Lächeln nicht verkneifen: «Nach dem 2:2 am Freitagabend waren wir natürlich zusätzlich motiviert. Den Ausrutscher von Aarau wollten wir unbedingt ausnützen. Ich denke, wir haben das im Stil einer Spitzenmannschaft getan.» Und Igor Nganga, einst Publikumsliebling im Brügglifeld, sagt nach dem glanzlosen Sieg gegen einen inferioren FC Wil fast schon entschuldigend: «Keine Frage, ich werde den FC Aarau immer im Herzen tragen. Aber gegen Wil Punkte abzugeben, nein, diesen Gefallen konnte ich meinen ehemaligen Teamkollegen nicht machen.»

Für ein Mal benachteiligt

Ein Ausrutscher von Lausanne hätte auch nicht gepasst zu diesem 29. Spieltag, an dem sich die Fussballgötter für ein Mal gegen den FC Aarau verschworen. Die Hauptschuld am grösser gewordenen Rückstand auf den Barrage-Platz müssen die Aarauer dennoch bei sich suchen.
Unabhängig vom nicht gepfiffenen Penalty und der nicht gegebenen Roten Karte gegen Winti-Raubein Granit Lekaj hatten sie in der ersten Halbzeit genug Chancen, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Auch nach dem 2:1 durch den eingewechselten Edeljoker Goran Karanovic in der 77. Minute boten sich Kontermöglichkeiten, von denen eine Mannschaft, die in die Barrage will, mindestens eine verwerten muss. Das gleiche Bild in der Defensive, wo mangelnde Cleverness am Ursprung des 2:2 in der 91. Minute und des knapp verhinderten 2:3 in der 93. Minute stand. «Mit der Schiedsrichter-Leistung habe ich grosse Mühe. Aber in den den Situationen in der Schlussphase, die wir selber beeinflussen können, müssen wir uns auch besser anstellen», sagte Trainer Patrick Rahmen.

Zum Thema «Schiedsrichter» sei noch dies erwähnt: Nur auf das Winterthur-Spiel bezogen, dürfen sich die Aarauer zurecht benachteiligt fühlen. Doch in den Wochen zuvor verstand man genauso gut die Gegner, die nach Partien gegen den FCA mit dem Unparteiischen haderten. Die Vaduzer, die beim 0:3 im Brügglifeld den Platzverweis für ihren besten Spieler Milan Gajic anprangerten. Oder die Genfer nach dem 3:3 am 1. März, als Aarau-Stürmer Stefan Maierhofer zwei Penaltys zugesprochen bekam, wovon der erste eher ein Schiedsrichter-Geschenk denn zwingend war. Ein ungeschriebenes Fussballgesetz besagt: Am Ende der Saison werden sich Begünstigung und Benachteiligung durch die Schiedsrichter in etwa die Waage halten.

Siegzwang in der Finalissima

Der 29. Spieltag liefert aus Aarauer Sicht zwei Erkenntnisse: Im Barrage-Rennen ist die Marge für Ausrutscher nun noch dünner, als sie es eh schon war. Und der 4. Mai wird zur vorgezogenen Finalissima: An jenem Samstag kommt Lausanne ins Brügglifeld. Der FC Aarau muss das Direktduell gewinnen, ansonsten wäre er in den danach verbleibenden vier Spielen wohl auf ein Wunder angewiesen, um doch noch auf Rang 2 zu klettern.