Was war das für ein turbulentes Halbjahr im Brügglifeld! Wer hätte nach den Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt und der gelungenen Vorbereitung gedacht, dass der FC Aarau mit sechs Niederlagen en suite in die Saison startet? Wer hätte nach dem fussballerischen Offenbarungseid am fünften Spieltag, dem 1:2 gegen Chiasso, gedacht, dass an Weihnachten der Trainer immer noch Patrick Rahmen heisst? Wer hätte damals der Mannschaft zugetraut, dass sie in den letzten sieben Vorrundenspielen 19 von möglichen 21 Punkten holt und Rang 6 überwintert? Wer nach dem vermasselten Start rund um den FC Aarau das Wort «Aufstiegskampf» in den Mund genommen hätte, wäre für geistig umnachtet erklärt worden. Und jetzt? Der Abstand auf den Barrage-Platz ist mit 8 Punkten immer noch gross, aber nicht so gross, um die Qualifikation für Aufstiegslotterie für eine Fantasterei zu halten.

Ausschliessen darf man im Fussball nichts. Das gilt in dieser Saison ganz speziell für den FC Aarau. Darum hat auch die Prognose aus Zürich, namentlich vom «Blick», ihre Berechtigung, wonach der FCA in der zweiten Saisonhälfte gegen den Abstieg spielen werde. Doch aus Aarauer Sicht hat der Wind gedreht. Wer sich in der Stadt umhört, der merkt: Eine kleine Euphorie ist entstanden. Der Blick geht nach oben. Auch klubintern: Im FCA spricht nach dem 2:1 zum Jahresabschluss in Kriens niemand mehr von Abstiegskampf.

Zurecht? Ja – zurecht. Die Resultate und Leistungen der vergangenen sieben Spiele sind näher an der Wahrheit als der historisch schlechte Saisonstart. Die Formel ist einfach: Wenn die Spieler des FC Aarau - anders als im Sommer - mit der richtigen Berufseinstellung auf den Platz gehen, haben sie gegen jeden Gegner genügend Argumente für den Sieg in den Füssen. Auch gegen die finanziell stärkeren Servette und Lausanne. Gut möglich, dass die sechs Nullnummern zu Beginn bis zum Saisonende nachhallen. Also dass wegen dieser Hypothek auch eine starke Rückrunde nicht zur Barrage-Qualifikation reichen wird. Doch die Hoffnung lebt, weil die Challenge League in dieser Saison so ausgeglichen ist wie lange nicht mehr.

Vier Thesen, vier Antworten: der FCA-Talk zum Jahresende

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AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli und FCA-Experte Sebastian Wendel blicken in ihrem letzten FCA-TAlk vor der Winterpause mit vier Thesen zurück auf den turbulenten Herbst – und nach vorne auf eine spannende Rückrunde: Ist die Barrage wirklich ein realistisches Ziel?

Die erste Aufgabe für den neuen Präsidenten

Wo auch immer die Reise des FC Aarau in der Saison 2018/19 hingehen wird: Schon mal viel Wert ist die Tatsache, dass er vor einer brisanten Rückrunde steht. Schöne Perspektiven verglichen mit den vergangenen Jahren, als bei Halbzeit klar war, dass der FCA nur noch um die goldene Ananas spielt. Heuer aber liegt etwas in der Luft. Das verspricht ein gut besuchtes Brügglifeld und Aufmerksamkeit über die Stadtgrenzen hinaus. Der FC Aarau lebt. Er polarisiert. Und das sind gute Voraussetzungen für das Jahr 2019.

Insbesondere für die Veränderungen, die neben dem Platz anstehen: Ende Saison tritt nach 12 Jahren Präsident Alfred Schmid ab, mit ihm verlassen Vizepräsident Roger Geissberger und Urs Bachmann den Verwaltungsrat. Die Nachfolger-Suche läuft hochtourig. Doch der Club 100, die grösste und wichtigste Sponsorenvereinigung, aus deren Kreis der neue Präsident kommen wird, ist eine verschworene und verschwiegene Gruppe: Namen von Kandidaten dringen bis anhin keine nach aussen. Insider lassen lediglich durchblicken, dass ein Topkandidat bereitstehe.

SC Kriens - FC Aarau (15.12.2018): Interviews mit den beiden Torschützen Martin Liechti und Petar Misic sowie mit Cheftrainer Patrick Rahmen.

Fakt ist: Ein lebendiger FC Aarau, der sportlich positive Schlagzeilen schreibt, vereinfacht die Suche nach neuen Führungskräften. Das gilt auch für den zweiten Meilenstein in der FCA-Geschichte, der voraussichtlich im Jahr 2019 gesetzt wird. Die Rede ist von der Volksabstimmung über die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung im Aarauer Torfeld Süd, auf den FCA heruntergebrochen die «Stadion-Abstimmung». Mit einem neuen Stadion ist eine langfristige Zukunft in der Super League realistisch. Ohne neues Stadion nicht. Die erste Aufgabe des neuen Präsidenten wird es sein, mit dem Klub auf Stimmenfang zu gehen.

Die Prognose ist alles andere als gewagt: 2019 wird für den FC Aarau nicht minder turbulent als 2018.