FC Aarau

Der FC Aarau zittert sich zu einem unnötig knapp ausfallenden 3:2-Heimsieg

Der FC Aarau besiegt den FC Schaffhausen mit 3:2, gibt dabei aber fast noch eine 3:0-Führung aus der Hand.

1175 – das ist in Aarau die Zahl des Samstagabends. Genau so viele Tage ist es nämlich her, seit der FC Aarau letztmals ganz oben in einer Tabelle anzutreffen war. Und gestern, um 20.50 Uhr war es wieder einmal so weit: Der FCA übernahm den Leaderthron in der Challenge League – und er wird dort für etwas mehr als 48 Stunden rangieren. Dann werden die Aarauer entweder vom FC Zürich oder von Neuchâtel Xamax abgelöst. Je nach Ausgang des Spitzenkampfs vom Montagabend im Letzigrund-Stadion.

Entsprechend erfreut zeigte sich FCA-Trainer Marco Schällibaum nach der Partie: «Jetzt sind wir mal für zwei Tag Erster. Das ist ein schöner Moment und den werden wir geniessen.» Zur Belohnung strich der 54-Jährige die für heute Morgen angesetzte Trainingseinheit und gab seiner Mannschaft frei. Brauchen kann Schällibaum die verdiente zusätzliche Freizeit auch, um sich von den Strapazen zu erholen, die er auf dem Weg zum 3:2-Sieg seines Teams gegen den FC Schaffhausen durchleiden musste. «Die letzten zehn Minuten haben viel Nerven gekostet. Ich bin sicher wieder zwei, drei Jahre älter geworden», sagte er schmunzelnd.

Die Stimmen zum Spiel: FC Aarau - FC Schaffhausen (3:2)

Die Stimmen zum Spiel: FC Aarau - FC Schaffhausen (3:2)

Interviews mit Sandro Burki und Cheftrainer Marco Schällibaum

Dass Schällibaum und Co. überhaupt noch einmal würden leiden müssen, darauf hatte bis zur 76. Minute kaum etwas hingedeutet. Kaum. Denn der FCA führte bis zu diesem Zeitpunkt klar und deutlich mit 3:0. Geoffrey Tréand mit Kaltschnäuzigkeit (23.), Sébastien Wüthrich mit wunderbarer Eleganz (55.) und Alessandro Ciarrocchi mit Instinkt (68.) hatten das Heimteam mit drei Toren in Front gebracht.

Einziges Manko bis dahin: die Effizienz. Mindestens sechs, gar sieben Tore wären aufgrund der Chancen drin gelegen. Doch weil Stürmer Patrick Rossini sowohl bei seinem Foulpenalty (25.) als auch bei seinen zwei weiteren riesigen Chancen an sich selbst oder an Schaffhausen-Torhüter Franck Grasseler scheiterte und dasselbe auch für seine Teamkollegen galt, stand es eben zu Beginn der 76. Minute «nur» 3:0 für den FCA.

Das hätte eigentlich auch so für einen ungefährdeten Sieg reichen sollen, ja müssen. Doch die Aarauer brachten sich unnötigerweise selber in Bedrängnis. Erst brachten sie den Ball nach einem Freistoss Gianluca Frontinos im eigenen Sechzehner nicht weg, was Schaffhausen-Stürmer Shkelqim Demhasaj in der 76. Minute mit dem 1:3 bestrafte. Und nur sieben Minuten später kam es knüppeldick für den FCA: Verteidigungsminister Stéphane Besle sah innert rekordverdächtiger 33 Sekunden die gelb-rote Karte. Erst wurde er für ein taktisches Foul und nur wenige Augenblicke später für seine Hand im Gesicht eines Gegenspielers verwarnt.

So gab es Schiedsrichter Stephan Klossner im Anschluss der Partie gegenüber der «Schweiz am Sonntag» zu Protokoll. Übeltäter Besle wollte sich nicht zur Szene äussern. Und weil sich das Ganze im Aarauer Strafraum abspielte, verschuldete der 32-jährige Franzose neben seinem Platzverweis auch noch einen Penalty. Diesen verwertete Frontino eiskalt zum 2:3-Anschlusstreffer. Was danach folgte war pures Drama: FCA-Goalie Lorenzo Bucchi war es schliesslich, der seinem Team mit zwei ganz wichtigen Paraden den Sieg und damit den zwischenzeitlichen Sprung auf den Leaderthron sicherte.

Schällibaum: «Daraus lernen»

«So ist Fussball», zog Schällibaum nach der nervenaufreibenden Schlussphase Bilanz. «So lange man solche Spiele am Ende gewinnt, ist das für die weitere Entwicklung des Teams sogar förderlich. Daraus müssen wir jetzt lernen.» Schällibaums Wort in Gottes Ohr. Es wäre wohl nicht nur für die Nerven des Trainers, sondern auch für diejenigen des Publikums von Vorteil, wenn sich ein solcher Spielverlauf nicht wiederholen würde.

Die 3018 anwesenden Zuschauer im Stadion Brügglifeld waren nicht nur mit dem Drama zum Schluss bestens unterhalten worden. Der FCA spielte 75 Minuten lang erfrischend offensiv, erarbeitete sich Chance um Chance und hatte den Gegner über weite Strecken im Griff. Und Wüthrich sorgte mit seinem Tor zum 2:0 für das Highlight des Abends: Eine Flanke von Aussenverteidiger Pascal Thrier aus rund 40 Metern «versorgte» der 26-Jährige mit einer Direktabnahme via Innenpfosten im Schaffhauser Netz. Ein Traumtor.

Telegramm:

Aarau - Schaffhausen 3:2 (1:0)

Brügglifeld. – 3018 Zuschauer. – SR Klossner. – Tore: 23. Tréand 1:0. 55. Wüthrich 2:0. 68. Ciarrocchi 3:0. 76. Demhasaj 3:1. 84. Frontino (Foulpenalty) 3:2.

Aarau: Bucchi; Peralta, Besle, Thaler, Thrier; Wüthrich (78. Josipovic), Burki, Perrier, Tréand (91. Martignoni); Rossini (84. Garat), Ciarrocchi.

Schaffhausen: Grasseler; Gonçalves, Neitzke, Mevlja, Paulinho (67. Vilela); Bunjaku, Facchinetti; Tranquilli, Frontino, Gül (67. Rossi); Demhasaj.

Bemerkungen: Aarau ohne Jäckle, Romano (beide verletzt), Hunn und Markaj (beide nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Fioravanti, Lekaj, Seferagic, Tadic, Wellhäuser und Zuli (alle verletzt). 25. Grasseler pariert Foulpenalty von Rossini. 83. Gelb-Rore Karte gegen Besle (Foul).

– Verwarnungen: 19. Thrier (Foul). 72. Frontino (Foul). 75. Burki (Foul). 82. Besle (Foul).

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker nach:

FC Aarau - FC Schaffhausen

Meistgesehen

Artboard 1