Orientierungslauf
Der König von Aarau muss für seinen Erfolg bluten

Matthias Kyburz gewinnt am Weltcupfinal in Aarau die Königsdisziplin und ist vorzeitig Gesamtsieger. Um seinen insgesamt vierten Langdistanz-Erfolg feiern zu können, musste er auch den aktuellen Weltmeister Lundanes hinter sich lassen, was im sensationell gelang.

Rainer Sommerhalder
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Matthias Kyburz beisst sich zum Sieg des Gesamtweltcups im Orientierungslauf durch.

Matthias Kyburz beisst sich zum Sieg des Gesamtweltcups im Orientierungslauf durch.

Keystone

Die Langdistanz bleibt für viele Orientierungsläufer die Königsdisziplin. Es ist die ursprünglichste Form der Sportart. «Alles ist ein wenig extremer, eine richtige Herausforderung», sagt der zweifache Langdistanz-Weltmeister Daniel Hubmann. Viel kann passieren im rund 90-minütigen Rennen. Trotzdem gibt es nur ganz wenige Athleten, welche an einer WM zum «OL-König» gekrönt werden. Genau genommen seit 2008 nur drei: Neben Hubmann der Franzose Thierry Gueorgiou (4-mal) und der Norweger Olav Lundanes (3-mal). An den letzten drei Titelkämpfen teilte sich das Trio jeweils das Podest.

Kyburz’ Sehnsucht nach Titel

Ein ganz Grosser des OL-Sports ist auch Matthias Kyburz. Der 26-Jährige sicherte sich gestern in Aarau seinen dritten Gesamtsieg im Weltcup. Für Kyburz hat die Langdistanz auch etwas Majestätisches, «selbst wenn es bislang nicht das Rennen ist, das mir am meisten zusagt». Der Fricktaler ist Weltmeister in sämtlichen OL-Disziplinen... mit Ausnahme der Langdistanz.

Matthias Kyburz streifte bei seinem Sieg einen Dornenstrang.

Matthias Kyburz streifte bei seinem Sieg einen Dornenstrang.

Rémy Steinegger

Die Fachwelt traut ihm diesen Titel seit längerem zu, bisher wollte es jedoch nicht klappen: 5, 6 und 7 lauten seine WM-Rangierungen seit 2014. Dass er es kann, bewies Matthias Kyburz bei verschiedenen Gelegenheiten. Auch gestern in Aarau. Mit dem insgesamt vierten Langdistanz-Erfolg im Weltcup sicherte er sich vor dem abschliessenden Sprint von heute den Gesamtweltcup. Um zu gewinnen, musste er auch den aktuellen Weltmeister Lundanes hinter sich lassen. Der Norweger landete auf Platz 2.

Das Rennen in Aarau dokumentierte gestern die Unberechenbarkeit der Königsdisziplin. Im extremsten Fall bei Mitfavorit Daniel Hubmann. Sein Lauf endete im Spital anstatt auf dem Podest. Kurz nach dem Start bohrte sich ein Ast durch Hubmanns Oberschenkel.

Selbst Sieger Kyburz kam ziemlich lädiert ins Ziel. Unterwegs streifte er einen Dornenstrang. Alltag im OL, nur nicht auf Kopfhöhe. Die Blutspuren im Gesicht machten den Möhliner erst recht zum Helden des Tages.

Die Schweiz dominierte auch am zweiten Tag des Finalwochenendes. Neben Kyburz setzte sich Judith Wyder auf den Thron. Sie siegte hochüberlegen, kam aber ebenfalls nicht ohne Schreckmoment über die Runden. Im letzten Teil des Rennens wurde Wyder von einer Biene gestochen. Da sie allergisch reagiert, aber das notwendige Medikament nicht mit sich trug, dachte sie kurz sogar an eine Aufgabe. «Die Situation hat mich einen Moment lang ziemlich gestresst», sagte Wyder. Doch schliesslich überwanden Kyburz und Wyder nicht nur alle Gegner, sondern auch Dornen und Bienen.

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