FC Aarau

Der Saisonstart naht, doch der FC Aarau hat immer noch keinen Goalie

Hütet Djordje Nikolic auch die kommende Saison das FCA-Tor?

Hütet Djordje Nikolic auch die kommende Saison das FCA-Tor?

Die Zeit drängt - in gut zwei Wochen beginnt die neue Saison mit dem Auswärtsspiel in Winterthur. Wer steht dann im FCA-Tor? Aktuell kommen mit Djordje Nikolic, Steven Deana und Nicholas Ammeter drei Kandidaten infrage.

Als vor einem Monat nach dem Barrage-Drama die ersten Tränen getrocknet waren und sich beim FC Aarau der Blick nach vorne richtete, setzten die Verantwortlichen ein Thema ganz zuoberst auf die Prioritätenliste: die Goaliefrage. Sowohl Stammkraft Djordje Nikolic als auch Ersatzmann Steven Deana hatten auslaufende Verträge. Ein Puff wie vor Vorjahresfrist sollte heuer vermieden werden: Damals ging der FCA trotz Zweifeln mit Deana als Nummer 1 in die Saison, weil Nikolic erst später vom FC Basel auszuleihen war.

Nun schreiben wir Anfang Juli und die Goaliefrage harrt weiterhin einer Antwort. Mehr noch: Sie ist offener denn je. Ein Problem? Noch nicht. Doch die Zeit drängt. In 17 Tagen steigt der Saisonauftakt in Winterthur. Und Zeit, um sich mit seinen Vorderleuten einzuspielen, sollte der künftige Torwart auch noch haben. Aktuell kommen drei Kandidaten für den Goaliejob im Brügglifeld infrage. Für jeden von ihnen gilt: Ist er in der nächsten Saison nicht die Nummer 1 beim FC Aarau, wird er die Saison auch nicht im Brügglifeld absolvieren.

Nikolic: Wunschlösung

Wäre Aarau in die Super League aufgestiegen, würde auf der Goalieposition längst Klarheit herrschen: In diesem Fall wäre Djordje Nikolic geblieben. Auch direkt nach dem Scheitern gegen Xamax deutete viel darauf hin, dass der Serbe eine weitere Saison in Aarau bleibt. Doch kurz darauf begannen bei Nikolics Stammklub FC Basel die Unruhen, die im Rücktritt von Sportchef Marco Streller gipfelten. Dessen Nachfolger Ruedi Zbinden hat sich noch nicht entschieden, ob er Nikolic freigibt. Dafür müsste er erst einen neuen Ersatz für Stammgoalie Jonas Omlin finden. Und falls Nikolic auf den Markt kommt, ist Aarau längst nicht der einzige Interessent. Luzern ist auf Goaliesuche und auch im Ausland wurden die starken Auftritte des 22-Jährigen im FCA-Trikot registriert.

Nikolic ist weiterhin die Wunschlösung von FCA-Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen. Ersterer beziffert die Chancen auf 50 Prozent, dass Nikolic in den nächsten Tagen ins Brügglifeld zurückkehrt. Der Spieler selber ist nicht abgeneigt, hat er sich in Aarau doch sehr wohlgefühlt.

Deana: Pragmatische Lösung

Hinter Steven Deana liegt das schwierigste Jahr seiner Fussballer-Karriere, vielleicht sogar seines Lebens: Anfang August 2018 muss er sich das Handgelenk operieren lassen – für Goalies, die Handballer im Fussball, der Worst Case. Nach der Winterpause ist er wieder einsatzbereit, kommt aber nicht am stark spielenden Nikolic vorbei. «Ich war in den vergangenen Jahren immer Stammgoalie. Plötzlich Ersatz zu sein, war hart. Aber dem Team lief es gut und so verstand ich die Entscheidung des Trainers.» Im März 2019 rücken Deanas berufliche Probleme in den Hintergrund, als völlig unerwartet seine Mutter stirbt.

Steven Deana begann letzte Saison als Nr. 1.

Steven Deana begann letzte Saison als Nr. 1.

In der neuen Saison soll alles besser werden – privat und beruflich: Im November erwarten er und seine Freundin Nachwuchs. Wäre es ein Wunschkonzert, möchte Deana den Rollenwechsel zum Vater als Angestellter des FC Aarau erleben. Doch dies wird nur dann passieren, wenn er wieder zum Stammgoalie aufsteigt. «Ich bin 29, im besten Goaliealter, ich habe Ambitionen und muss spielen. Ich bleibe nur, wenn ich als Nummer 1 in die Saison gehe», sagt er. Um sich fitzuhalten, trainiert er momentan beim FC Aarau mit. Dessen Verantwortliche haben Deana noch kein Angebot gemacht, ihm dies aber in Aussicht gestellt. Für den Fall, dass Nikolic nicht zum FCA zurückkehrt.

Deanas Berater hält derweil Ausschau nach einem neuen Klub. «Ich bin für alles offen, das Ausland, speziell Italien, wäre eine tolle Erfahrung, sollte ich nicht in Aarau bleiben.» Hat er als werdender Familienvater keine Angst, in der nächsten Saison ohne Job dazustehen? «Nein, dafür ist es noch zu früh. Ich habe meinen Leistungsausweis und vertraue auf meine Qualitäten. Und zum Glück leben wir in der Schweiz, wo vertragslose Fussballer eine Zeit lang ohne grosse Einbussen überbrücken können.»

Ammeter: Mutige Lösung

«Ich habe keine Bedenken, sollte Nicholas in der nächsten Saison Stammgoalie in Aarau sein.» Das sagt Ranko Jakovljevic, Trainer des FCA-Partnervereins FC Baden. Er muss es wissen, schliesslich war Nicholas Ammeter in der vergangenen Saison «sein» Goalie.
Ammeter wer? Der 18-Jährige stammt aus dem eigenen Nachwuchs, seit einem Jahr hat er einen Profivertrag. Sandro Burki hält grosse Stücke auf ihn; ohnehin lautet der FCA-interne Plan, dass Ammeter spätestens 2020 Stammgoalie wird. Möglich, dass er nun ein Jahr früher befördert wird: Dann, wenn Nikolic nicht nach Aarau zurückkehrt und sich der FCA nicht mit Deana auf einen neuen Vertrag einigt. Ansonsten wird Ammeter ein weiteres Jahr in Baden parkiert.

Nicholas Ammeter stammt aus dem eigenen Nachwuchs.

Nicholas Ammeter stammt aus dem eigenen Nachwuchs.

Doch vertragen sich Aufstiegs-Ambitionen mit einem 18-jährigen Stammgoalie, der noch kein Profispiel absolviert hat und zuletzt zwei Klassen tiefer in der 1. Liga spielte? Burki und Rahmen hätten keine Bedenken, Fehler machen schliesslich auch ältere Torhüter. Und sie vertreten die Prämisse: Die Goalies im FCA-Nachwuchs werden landesweit gelobt, also muss man sie auch fördern.

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