Aargauer Derby

Die Akte Schultz: Der Vertrag des 33-jährigen Captains beim FC Wohlen läuft aus

Alain Schultz im Brügglifeld: Im Derby wird der Captain des FC Wohlen erstmals fehlen.

Alain Schultz im Brügglifeld: Im Derby wird der Captain des FC Wohlen erstmals fehlen.

Alain Schultz’ Vertrag beim FC Wohlen läuft im Sommer aus. Endet dann die Karriere des Captains? Wohl kaum. Der Ü30-Spieler bewegt sich wie ein Jugendspieler auf dem Platz und war für viele Tore der Freiämter mitverantwortlich.

Meistens wird es erst einmal still. Irgendwann folgen erste Wortfetzen. Nochmals Stille. Dann wird sein Name mit Bezeichnungen wie Leader, Identifikationsfigur oder Captain kombiniert. Das muss fürs Erste reichen.

Sie gestaltet sich eben schwer, die Formulierung einer würdigen Antwort auf die Frage, wie bedeutend Alain Schultz für diesen Klub ist – seinen Klub. 245 Spiele hat Schultz mit dem Logo des FC Wohlen auf der linken Brust schon bestritten. Rekordspieler ist er längst. Und obwohl er in sechs Tagen 34 Jahre alt wird, noch immer mit jugendlichem Elan.

Wenn Schultz auf dem Rasen waltet, schlägt sich das im Matchtelegramm nieder. Tore vorbereiten oder schiessen – Schultz macht beides noch immer in hoher Kadenz. Auch deswegen ist sie für den FC Wohlen in diesen Tagen von so hoher Relevanz: die Akte Schultz.

Der Vertrag des Wohler Publikumslieblings läuft am 30. Juni nämlich aus. Der FC Wohlen kämpft nun um den Verbleib seines Captains. Dass dieser nochmals einen Vereinswechsel in Betracht zieht, scheint ausgeschlossen. Vielmehr geht es um das Hinauszögern seines Rücktritts.

Trainer Francesco Gabriele meinte vor kurzem im Trainingslager, dass Schultz den Entscheid wohl von seiner Gesundheit abhängig machen werde. Und schob gleichzeitig nach: «Er ist das Aushängeschild des Vereins, ich hoffe, dass er uns erhalten bleibt.»

«Unterschrieben ist noch nichts»

Alain Schultz selbst sagte einmal, dass er nur dann weitermachen wolle, wenn er der Mannschaft noch immer helfen könne. Sprich weiterhin fähig ist, den Führungsaufgaben auf und neben dem Fussballplatz nachzukommen.

Dass der Captain, welcher mit seinen Darbietungen auch in dieser Saison das Gros seiner Mitspieler überragt, auch in der kommenden Spielzeit helfen kann, steht ausser Frage. Trainer Gabriele sagt dazu: «Wenn Schultz fit ist, ist es für den FC Wohlen purer Luxus, einen solchen Spieler im Kader zu haben.» Das weiss auch Schultz.

Der Challenge-Ligist ist nicht nur von seinen Standards und Dribblings abhängig, sondern auch von Schultz’ Strahlkraft. Niemand in der Mannschaft verkörpert die Freiämter Tugenden wie Bescheidenheit und Emsigkeit besser.

Schultz erwidert diese Liebe. Dennoch hält sich der 33-Jährige bezüglich seiner Zukunft noch immer bedeckt. Seit dem Spätherbst hat er sich mit der Klubführung immer wieder zu Gesprächen getroffen. «Unterschrieben ist jedoch noch nichts.» Man müsse ein paar Dinge noch genauer miteinander anschauen. Was genau Schultz damit meint, führt er nicht weiter aus.

Der Mittelfeldspieler wählt dafür jenen Satz, dessen man sich in der Branche in solchen Situationen gerne bedient: «Ich halte mir alle Optionen offen.» Es ist jedoch offenkundig, dass er nicht abgeneigt ist, ein weiteres Jahr anzuhängen. Es dürfte deshalb nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Freiämter bekannt geben, dass der Captain an Bord bleibt.

Alain Schultz ist torgefährlicher wie nie.

Alain Schultz ist torgefährlicher wie nie.

Erstmals nicht am Derby dabei

Ein Grund, warum sich die Vertragsverlängerung hinauszögert, ist Schultz’ aktuelle Verletzung. Dass der Captain die Vorbereitung der Rückrunde und das Trainingslager in Campoamor verpasste, ist einer gerissenen Sehne am Adduktorenansatz geschuldet.

Wann genau sich der Freiämter diese Verletzung zugezogenen hat, kann er nicht sagen. «Ich weiss nur, dass ich gemäss den Ärzten einen Adduktoren-Abriss riskiert hätte, wenn ich weitergespielt hätte.»

Dank der jüngsten Eigenbluttherapie ginge es ihm aber schon um einiges besser. Auch die Hüfte, seine eigentliche Problemzone, sei in Ordnung. Schultz plant seine Rückkehr nun für Anfang März. In zwei Wochen soll er wieder ins Training einsteigen können.

Er, der bisher jedes Aargauer Fussball-Derby mitprägte, wird morgen aber das 15. Duell der Rivalen verpassen. «Die Gesundheit geht vor», kommentiert Schultz lapidar. Er dürfte schliesslich noch fünf weitere Derbys erleben. Eines im April und die restlichen in der nächsten Spielzeit.

Nur etwas trennt ihn noch davon: eine einzige Unterschrift.

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