PRO: «In der Aussenseiter-Rolle ist Aarau der Aufstieg zuzutrauen»

Sonntag, 2. Juni, kurz vor 18 Uhr: Im Stadion Brügglifeld startet die Party des Jahres – Freinacht in Aarau – die Stadt wird zum Jubelmeer – der FC Aarau steigt in die Super League auf! Ein schlechter Witz? Vielleicht in den Augen meines Kollegen Ruedi Kuhn. Aber der hat ja auch erst nach dem Sieg am vorletzten Spieltag in Chiasso dran geglaubt, dass der FC Aarau die Barrage erreicht.

Die Mannschaft surft auf der Erfolgswelle. Alles, was die Spieler anfassen, wird zu Gold. In den vergangenen vier Partien gegen Schaffhausen, Kriens, Chiasso und Rapperswil-Jona haben sie sich alles andere als gut angestellt, aber zehn Punkte geholt. Schlecht spielen und trotzdem gewinnen – auch das ist eine Qualität.

Der grösste Trumpf in der Aarauer Hand ist jedoch ihre Aussenseiterrolle. Solange die Mannschaft von Trainer Patrick Rahmen in der Challenge League noch nicht auf dem zweiten Rang lag, also solange sie noch nicht der Favorit auf die Barrage-Qualifikation war, spielte sie phasenweise rauschenden Fussball. Erst nachdem Aarau mit Lausanne die Plätze tauschte, erst als Gejagter, zitterten die Füsse.

Nun schlüpft Aarau in der Barrage als Unterklassiger naturgemäss wieder in die Rolle des Aussenseiters. Druck? Machen sich die Spieler nur selber, weil sie alles andere als satt sind und als Sportler nach dem Maximum streben. Für die Fans hingegen sind die Barrage-Spiele in erster Linie die Sahne auf dem Erdbeertörtchen. Für Experten und Medien gilt bei einem Scheitern gegen Xamax Kritikverbot – denn schon mit der Qualifikation für die Aufstiegsspiele hat der FC Aarau die Fussballgesetze gebrochen. Die Aarauer können in den zwei Spielen gegen Xamax nur gewinnen – eine bessere Ausgangslage gibts nicht. (Sebastian Wendel)

KONTRA:«Das Glück ist aufgebraucht – Aarau kommt unter die Räder»

Der FC Aarau jubelt. Die Barrage ist geschafft. Ich stehe am Spielfeldrand vom Brügglifeld und schaue in die Gesichter der Spieler von Absteiger Rapperswil-Jona. Die Enttäuschung ist riesig. Ich suche den Blickkontakt mit Merlin Hadzi. Hadzi ist die tragische Figur des Spiels. Er vergibt in der 97. Minute die Riesenchance zum 1:1. Der Ausgleichstreffer hätte alles auf den Kopf gestellt. Der FC Aarau hätte die Barrage verpasst, die St. Galler wären nicht abgestiegen.

Hadzi ist der Mann des Spiels. Im negativen Sinn! Der 20-jährige Serbe tut mir leid. Oder auch nicht. Was soll’s? Dank ihm geht der Flirt des FC Aarau mit dem Aufstieg in die Super League weiter. Sie werden sich fragen, was Merlin Hadzi mit den Aarauern zu tun hat? Sehr viel! Hadzi ist der Glücksbringer der Aarauer. Und ganz ehrlich: Glücksbringer hatte der FC Aarau in den vergangenen Wochen und Monaten viele.

Im Fussball ist es aber so wie im normalen Leben: Wer das Glück so oft in Anspruch nimmt wie der FC Aarau, der muss sich nicht wundern, wenn es irgendwann aufgebraucht ist. Glauben Sie mir, das Glück ist aufgebraucht!

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum der FC Aarau im Hinspiel der Barrage gegen Xamax unter die Räder kommt. Xamax spielt seine Heimspiele auf Kunstrasen. Ein grosser Vorteil. Kommt hinzu, dass die Neuenburger mit Raphaël Nuzzolo einen Goalgetter der Extraklasse in ihren Reihen haben. Der 35-Jährige erzielte in dieser Saison in der höchsten Spielklasse 14 Tore. Das sind drei Treffer mehr als Stefan Maierhofer und Varol Tasar in der zweithöchsten Spielklasse. Und noch etwas: Wer den FCA in den Spielen gegen Kriens, Chiasso und Rappi beobachtet hat, der kommt zum Schluss: Die Formkurve zeigt nach unten. (Ruedi Kuhn)