NLA-Handball

Die Endinger Handballer spalten sich 2021 vom Turnverein ab – die Führung der NLA-Handballer wird in neue Hände gelegt

TV Endingen: Roger Küng (l.) steht als designierter Verwaltungsratspräsident der noch zu gründenden Aktiengesellschaft bereit, Geschäftsführer Christian Villiger gibt sein Amt im Zuge der Neuorganisation ab.

TV Endingen: Roger Küng (l.) steht als designierter Verwaltungsratspräsident der noch zu gründenden Aktiengesellschaft bereit, Geschäftsführer Christian Villiger gibt sein Amt im Zuge der Neuorganisation ab.

Der TV Endingen überführt seine Handball-GmbH per Mai 2021 in eine unabhängige Aktiengesellschaft. Jeder Fan kann so als Aktionär zum Mitbesitzer des NLA-Teams werden. Der bisherige Teamcoach und neue sportliche Leiter Roger Küng steht als designierter Verwaltungsratspräsident bereit, Geschäftsführer Christian Villiger tritt künftig kürzer.

Jetzt ist es amtlich: Der TV Endingen liquidiert seine Handball-GmbH und plant, die Spitzensport-Abteilung per Mai 2021 in eine unabhängige Aktiengesellschaft (AG) auszugliedern.

Was die AZ bereits im vergangenen November vermeldet hat, wurde an der – wegen der Coronakrise virtuell abgehaltenen – ausserordentlichen Generalversammlung des Turnvereins am Montag beschlossen.

«Wir sind ein Dorfverein und wollen uns in Zukunft wieder auf unsere Kernkompetenzen und vor allem auf die Jugendarbeit fokussieren», liess sich Vereinspräsident Christoph Spuler in der entsprechenden Medienmitteilung zitieren.

Die notwendige Professionalisierung der Handball-Abteilung, die eine längerfristige Etablierung in der NLA vereinfachen soll, lässt sich mit den typischen Inhalten eines Dorfvereins kaum vereinbaren. Deshalb ist die Abspaltung der Spitzensport-Abteilung nur logisch. «Wir gehen davon aus, dass das die beste Lösung für den Turnverein und den Handball-Spitzensport ist», sagt Christian Villiger, Geschäftsführer der GmbH.

Der Entscheid zur Neuorganisation erfolgt exakt 50 Jahre nach der erstmaligen Anmeldung eines Handballteams des TV Endingen für die Meisterschaft und 30 Jahre nach dem erstmaligen Aufstieg in die NLB.

Nach 20 Jahren: Geschäftsführer Villiger gibt Amt ab

Noch nicht ganz so lange – aber auch schon eine gefühlte Ewigkeit – ist Villiger als Geschäftsführer im Amt. Doch damit ist im kommenden Frühling Schluss: Im neuen Konstrukt wird der 52-Jährige «nur noch» für die Akquisition und Betreuung der Sponsoren zuständig sein.

«Nach 20 Jahren ist es an der Zeit, junge und frische Kräfte für die Aufgaben des Geschäftsführers zu begeistern. Mein Knowhow und meine Vernetzung stelle ich dem Handballsport der Region und dem TV Endingen mit Freude weiterhin zur Verfügung», sagt Villiger.

Roger Küng steht als designierter VR-Präsident bereit

Eine der zuvor genannten «frischen Kräfte» ist Roger Küng. Der 43-Jährige steht als designierter VR-Präsident der noch zu gründenden AG bereit. Küng gehört seit der Saison 2019/20 dem Staff des NLA-Teams als Teamcoach an und wurde in der vergangenen Woche als neuer sportlicher Leiter vorgestellt.

Er spielt auf dem Weg zur Professionalisierung der Strukturen eine wichtige Rolle: Zusammen mit Hanspeter Geissmann, der als juristischer Berater fungiert, ist Küng der Kopf einer Gruppe, welche die Neuorganisation vorantreibt.

Dabei war Küng und Co. wichtig, dass die Ablösung der Handball-Abteilung vom Turnverein nicht als Schnitt wahrgenommen wird. «Ich denke, dass uns das in diesem von TV-Präsident Christoph Spuler sehr gut geführten Prozess gelungen ist – wir haben die richtige Gesellschaftsform gefunden. Das gilt insbesondere auch aufgrund des grossen Potenzials das in dieser Region im Handball und in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinen vorhanden ist», sagt Küng.

AG und Turnverein werden sich auch künftig gegenseitig unterstützen, im Gegensatz zu heute aber mit klaren Leistungs- und Gegenleistungsverträgen.

Die Mannschaft soll den Fans gehören

«Wir wollen, dass die Mannschaft den Fans gehört», sagt Küng. Dementsprechend kann, sobald die Aktien verfügbar sind, jedermann Anteilsscheine erwerben. Allerdings mit einer Einschränkung: «Die Anzahl Aktien pro Käufer wird auf einen noch zu bestimmenden Wert gedeckelt. Wir wollen uns möglichst breit aufstellen.»

Aktien für jedermann: Die erste Mannschaft soll künftig den Fans gehören.

Aktien für jedermann: Die erste Mannschaft soll künftig den Fans gehören.

Die Form der Aktiengesellschaft mache auch in finanzieller Hinsicht Sinn: Während die GmbH bis anhin mit einem für NLA-Verhältnisse bescheidenen Jahresumsatz von rund 500'000 Franken operierte, geht Küng davon aus, dass der TVE diesen Betrag durch die AG wird erhöhen können. Allerdings: Die Höhe des Aktienkapitals ist noch nicht festgelegt.

Wie die AG heissen wird, steht noch nicht fest

Dasselbe gilt für den Namen, unter welchem die AG künftig auftreten wird. «Dieser ist noch Gegenstand von Beratungen», sagt Küng. Verschwindet der TV Endingen also von der Handballbühne? Küng beschwichtigt: «Endingen wird auf jeden Fall unser ‹Heimathafen› bleiben.»

Mit dem Entscheid zur Auflösung der GmbH ist der Weg für das Projekt «Phönix», wie es die Verantwortlichen nennen, geebnet. Nun geht es in den kommenden Wochen und Monaten um die Detailausarbeitung des Vorhabens.

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