Challenge League

«Die Kritik gibt mir zu denken»: Unter Trainer Patrick Rahmen befindet sich der FC Aarau auf der Achterbahn

Seit 64 Partien ist Patrick Rahmen Trainer des FC Aarau

Seit 64 Partien ist Patrick Rahmen Trainer des FC Aarau

Der 50-jährige Basler Patrick Rahmen wird am nächsten Sonntag zum dienstältesten FCA-Trainer seit René Weiler – ein Rückblick auf ein Schauspiel in drei Akten.

Das Spiel des FC Aarau am vergangenen Sonntag in Lausanne war Nummer 64 unter der Leitung von «Patrick Rahmen». Damit zog der 50-jährige mit seinem Vorvorgänger Marco Schällibaum gleich. Was wiederum bedeutet: Am kommenden Wochenende, mit dem Heimspiel gegen den SC Kriens, wird Rahmen zum dienstältesten Aarau-Trainer seit René Weiler (119 Spiele von 2011 bis 2014).

Dass der FCA auf der Pontaise mit 0:1 verlor, mag zur aktuellen Stimmungslage passen, widerspiegelt aber nicht Rahmens bisherige Bilanz: Die ist trotz zuletzt drei Niederlage in Folge positiv. 28 Siege, 14 Unentschieden, 22 Niederlagen – ergibt einen Schnitt von 1,53 Punkten pro Partie (Pflichtspiele inklusive Cup).

«Der Bär schläft, aber es ist ein Bär», beschrieb Rahmen im Frühling 2018 den Reiz, den FC Aarau als Trainer zu übernehmen. Damals befand sich der Verein drei Jahre nach dem Super-League-Abstieg im Niemandsland der Challenge League, stets ambitioniert und die Super League im Blick, aber blockiert wegen der ungelösten Stadionfrage und den etlichen Neuanfängen seit dem Abgang von Erfolgscoach René Weiler im Sommer 2014.

«Die Kritik von aussen gibt mir zu denken»

Zusammen mit Sportchef Sandro Burki, dessen Wunschlösung er war, krempelte Rahmen den FCA kräftig um: Komplett neuer Trainerstaff und zehn neue Spieler. Nachdem in der Vorbereitung drei Siege gegen Super-League-Klubs gelangen, darunter gegen den FC Basel, umgab zu Beginn der Saison 2018/19 grosse Aufbruchstimmung das Brügglifeld.

Und dann begann die Achterbahnfahrt unter Patrick Rahmen. Zuerst steil nach unten: Kein Punkt aus den ersten sechs ¬Partien. Noch schlimmer: Nur vier Punkte nach dem 11. Spieltag. Akute Abstiegsgefahr, aber keine Auflösungserscheinungen. Trotzdem: Was bei vielen anderen Klubs die Trainerentlassung zur Folge gehabt hätte, führte in Aarau zu Durchhaltewillen und einer letzten Chance für Rahmen: Hätte er Anfang November 2018 das Spiel beim Vorletzten Chiasso verloren, wäre auch sein Befürworter und Freund Sandro Burki kaum mehr um die Entlassung herumgekommen, der Druck von aussen und vom Präsidium wäre zu gross geworden.

Patrick Rahmen und die Achterbahn der Gefühle (von oben nach unten): Katastrophaler Start, Sturmlauf in die Barrage, biederes Mittelmass in der laufenden Saison

Patrick Rahmen und die Achterbahn der Gefühle (von oben nach unten): Katastrophaler Start, Sturmlauf in die Barrage, biederes Mittelmass in der laufenden Saison

Was folgte, kam genauso unerwartet wie der Sinkflug zuvor: Der FCA siegte im Tessin dank zwei Toren in den letzten fünf Minuten mit 3:2. Der Startschuss zu einer beispiellosen Aufholjagd und der erste Wendepunkt auf Rahmens Achterbahnfahrt durch 21 Monate Aarau.

In den 25 Partien vom 12. bis 36. Spieltag holte der FCA 60 Punkte, verlor nur ein Mal und schürte mit dem Sturm auf die Barrage eine lange vermisste Euphorie. Der Bär war aufgeweckt. Mehr noch: Nach dem 4:0 im Barrage-Hinspiel gegen Xamax war die Stimmung am Siedepunkt, die Achterbahn dem Himmel ganz nah.

Aber eben: Nur ganz nah, beim letzten Schritt auf Wolke 7 «vertrampte» sich der FC Aarau, die Schmerzen sind bis heute nicht abgeklungen. Nicht bei der traumatisierten Spielern, nicht beim Trainer, der bis heute nach dem Mittel sucht, das der Mannschaft wieder Selbstvertrauen und Selbstverständnis einimpft. Folge: Kein rasanter, aber ein schleichender Abwärtstrend seit Beginn der laufenden Saison, das Ende nicht wirklich absehbar ist. 25 Punkte nach 22 Spielen – der FC Aarau ist wieder dort, wo ihn Patrick Rahmen einst übernommen hat: Im Mittelmass.

Wie weiter? Rahmen, der einen Vertrag bis Ende nächster Saison hat, geniesst trotz Krise die Rückendeckung des Sportchefs und des designierten Präsidenten Philipp Bonorand. Das abtretende Führungsduo Alfred Schmid/Roger Geissberger wird die Trainerfrage nur auf die Agenda bringen, wenn der FCA in den kommenden Wochen in Abstiegsgefahr gerät.

Auf Publikumsseite indes scheint die Stimmung gekippt, gegen Rahmen, wobei bei dieser Beurteilung Vorsicht geboten ist: Online-Kommentarspalten sind dann voll, wenn es Anlass zum Schimpfen gibt. Rahmen sagt: «Die Kritik von aussen lässt mich nicht kalt und gibt mir auch zu denken. Dass in Krisenzeiten der Trainer als erstes in den Fokus gerät, ist Teil meines Jobs. Aber: Ich spüre, dass ich die Mannschaft erreiche und dass sie gewillt ist, zusammen die Trendwende hinzubekommen.» Wann folgt die nächste Kehrtwende auf der Achterbahn?

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