Super League
Diese sieben Dinge laufen beim FC Aarau in der laufenden Saison falsch

Die Aarauer stehen momentan mit sechs Punkten Rückstand auf Vaduz auf dem letzten Tabellenrang. In sieben Gründen zeigt die «Nordwestschweiz» auf, weshalb der FC Aarau vor dem Abstieg in die Challenge League steht.

Ruedi Kuhn und Dean Fuss
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Lesen Sie nachfolgend sieben Gründe, warum der FCA ganz unten in der Tabelle steht.

Lesen Sie nachfolgend sieben Gründe, warum der FCA ganz unten in der Tabelle steht.

Keystone

Das Geld – der Klub steht auf gesunden Beinen, hat aber zu wenig

Grundsätzlich sind die Finanzen beim FC Aarau im Lot. Der Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft des FC Aarau wird an seiner Generalversammlung vom 8. Juni sogar einen kleinen Gewinn ausweisen. Mit einem Budget von rund 8 Millionen Franken (davon 5,5 Millionen für die erste Mannschaft) lässt sich allerdings nur schwer eine Super-League-taugliche Mannschaft zusammenstellen. Ohne neues Stadion und ohne zwei, drei Millionen Franken Mehreinnahmen wird es der FC Aarau in der obersten Spielklasse mit nur zehn Teams immer schwer haben.

Die starke Konkurrenz – es fehlte das Lausanne der Saison 2013/14

Der FC Aarau schaffte in der Saison 2013/14 den Ligaerhalt nicht zuletzt deshalb, weil mit Lausanne ein Team frühzeitig den Anschluss verlor. Die Waadtländer spielten eine inferiore Rolle und standen frühzeitig als Absteiger fest. Das war in dieser Saison anders: Aufsteiger Vaduz war besser als erwartet. Die anderen Teams waren für die Aarauer eine Nummer zu gross. Und der FC Aarau fiel nach einem guten Start (11 Spiele/14 Punkte) völlig auseinander. Aus den folgenden 21 Partien resultierten gerade mal 10 Punkte.

Der späte Trainerwechsel – Sven Christ durfte zu lange im Amt bleiben

Die Führungscrew wartete mit dem Trainerwechsel von Sven Christ zu Raimondo Ponte viel zu lange. Der FC Aarau fiel nämlich schon gegen Ende der Vorrunde in ein Loch und schaffte in den letzten sieben Spielen bis zur Winterpause noch zwei Zähler. Der damalige Trainer Christ wirkte zu diesem Zeitpunkt ratlos. Entsprechend schlecht war der Start in die Rückrunde. Nach dem 1:1 in Thun verlor Christs Team zu Hause gegen Vaduz 0:1 und in Luzern 0:4. Und was passierte? Nichts. Christ bekam vier weitere Spiele Zeit und holte dabei gerade mal zwei Punkte.

Die Transferpolitik – es fehlen der Ionita-Ersatz und ein guter Stürmer

Der entscheidende Fehler in der Zusammenstellung des Kaders passierte im vergangenen Frühling. Der Abgang von Artur Ionita wurde nicht kompensiert. Ionita war der Fels in der Brandung und im zentralen, defensiven Mittelfeld eine ideale Ergänzung zu Sandro Burki. Kommt hinzu, dass auch die Zuzüge in der Offensive nicht genügen. Entweder handelte es sich um Paniktransfers oder schlichtweg Fehleinschätzungen. Und wenn wie bei Edgars Gauracs einmal ein Volltreffer gelungen zu sein schien, dann kam das Verletzungspech hinzu. Der FCA hat nicht zu wenige Stürmer im Kader – aber Quantität allein bringt nichts. So ist es auch schwierig, gegen die anderen Teams im hinteren Teil der Tabelle anzukommen: Luzern hat einen Marco Schneuwly (16 Tore), der FC Sion einen Moussa Konaté (15 Tore), die Grasshoppers einen Munas Dabbur (12 Tore) und selbst Vaduz hat mit einem Pascal Schürpf (6 Tore) mehr Qualität im Angriff.

Die Mischung – die Mittelachse ist nicht Super-League-tauglich

Das Kader des FC Aarau ist gespickt mit talentierten Fussballern. Es fehlen allerdings die bösen Elemente – und damit sind nicht Attacken im Stil von Sandro Wieser gegen Gilles Yapi (siehe Punkt 7) gemeint. Die Achse ist viel zu fragil und nicht Super-League-tauglich: Zwar sind Jäckle und Thaler talentierte Innenverteidiger, ihnen fehlt aber die Erfahrung. Burki ist im zentralen Mittelfeld ohne Ionita eine Klasse schlechter, ihm fehlt sein Abräumer. Einen Zehner sucht man beim FCA vergebens. Auch Moreno Costanzo kann diese Rolle nicht ausfüllen.

Die Fitness – mehrere Spieler sind nur noch ein Schatten ihrer selbst

Es gibt Beobachter, die sagen, dass die Fitness vieler Spieler zu wünschen übrig lässt. Einigen Spielern fehlt die nötige Spritzigkeit. Ein Paradebeispiel dafür ist Routinier Sven Lüscher, der in der vergangenen Saison immer wieder die Fäden gezogen und spielentscheidenden Einfluss gehabt hatte. Er ist, wie andere auch, seit Monaten ein Schatten seiner selbst.

Sandro Wieser – Übeltäter und viel genannter Sündenbock zugleich

Der Liechtensteiner hat eine fürchterliche Saison hinter sich. Ausgerechnet in einer Phase, in der es dem 22-Jährigen etwas besser lief und er auf dem Weg zum Schlüsselspieler war, kam es zur verhängnisvollen Szene: Wieser attackierte FCZ-Mittelfeldspieler Gilles Yapi nahe der Mittellinie mit einem Brutalo-Foul und verletzte den Ivorer schwer. Und als wäre das nicht schlimm genug, rastete Wieser in einem Testspiel des Team Aargaus U21 noch aus. Wiesers Saisonverlauf steht symptomatisch für denjenigen des FCA. Trotzdem ist es eine schwache Ausrede, wenn vonseiten Klub und auch einiger Spieler immer wieder Wiesers Brutalo-Foul als Knackpunkt für die ganze Saison bezeichnet wurde.

Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.
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Yapi vergibt Wieser
Sandro Wiesers Brutalo-Foul an FCZ-Spieler Gilles Yapi.
Gilles Yapi ist erfolgreich operiert worden.

Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.

Anton Geisser

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